Schwere Vorwürfe
Externe Prüfung soll Klarheit an Universität Luxemburg schaffen
Vorwürfe zu toxischem Arbeitsklima, Mobbing und ungerechtfertigten Entlassungen erschüttern die Universität Luxemburg. Nun soll eine externe Prüfung Klarheit schaffen. Auch die Politik beschäftigt sich intensiv mit den Vorwürfen gegen die Bildungsanstalt.
Uni.lu-Direktor Jens Kreisel Foto: Editpress/Alain Rischard
„Was mit einem kleinen anonymen Protest vor der Chamber begonnen hat, hat sich zu einer Krise entwickelt, die mittlerweile die Politik und die Justiz beschäftigt“, sagte Françoise Kemp (CSV) in der öffentlichen Sitzung der Hochschulkommission am Dienstag. Der Kern des Problems liege in den Vorwürfen wegen toxischen Arbeitsklimas, worüber das Tageblatt bereits im November berichtete. Seither habe das Image der Uni gelitten.
Demnach stellte die Hochschulkommission die Themen Mobbing, Beförderungen der Professoren und ungerechtfertigte Entlassungen an der Uni Luxemburg auf ihre Tagesordnung. Zwischen 2020 und 2025 habe es insgesamt 50 Entlassungen sowie 27 Beschwerden an die „Ressources humaines“ gegeben – vier davon gingen vor Gericht. In drei Fällen habe die Justiz bereits entschieden, dass es sich dabei um „licenciement abusif“ handelt, sagte Kemp.
Hochschulministerin Stéphanie Obertin (DP) meinte, dass sie jeden Vorwurf „sehr ernst“ nehme. Aus Gesprächen mit diversen Gremien und Vertretern an der Uni habe sie jedoch geschlossen, dass die Lage vor Ort „nuanciert“ werden müsse. Ihre Gesprächspartner würden die in der Presse dargestellte Lage so nicht bestätigen – streiten jedoch nicht ab, dass es Probleme gebe.
Rektor bestreitet systemisches Problem
Diese Sicht teilte am Mittwoch auch Uni-Direktor Jens Kreisel im Interview mit dem Radiosender 100,7. Darüber hinaus wurde er in der Kommissionssitzung zur Lage befragt: Dort bestreitete er, dass es einen systemischen Missstand an der Uni gibt. Er wolle jedoch nicht leugnen, dass es durchaus „Einzelfälle“ gebe, in denen die Arbeitssituation nicht den eigenen Vorstellungen entspreche. Die Finanzabteilung der Fakultät für Rechtswissenschaften sei dabei der „Hotspot“ der Vorwürfe.
Seit 2018 seien insgesamt 60 Personen befördert worden, 130 wiederum nicht – vier davon haben die Prozeduren vor dem Verwaltungsgericht angefochten. Bei Letzteren handele es sich eben um jene Personen, die auch über die Medien Missstände an der Uni.lu anprangern. Im Radiointerview meinte Kreisel zudem, dass er bei den rund 2.700 Mitarbeitern nicht ausschließen könne, dass es Mobbingvorfälle gebe. In den vergangenen Jahren seien drei solcher Fälle anerkannt worden und darauf sei reagiert worden.
Wie die Luxembourg Times berichtete soll der Vorsitzende des Universitätsrats, Georg Mein, die Medienberichte als „Verschwörungstheorie“ bezeichnet haben. Er und andere Akademiker sollen bei der Klausurtagung am 13. Januar enttäuschten Mitarbeitern, „denen es nicht gelungen sei, sich in einem wettbewerbsorientierten Umfeld eine Beförderung zu sichern“, die Schuld an den Presseberichten gegeben haben.
Kreisel teilte zudem mit, dass eine anonyme Quelle 22 renommierte internationale Partneruniversitäten – darunter Wien, Gent, Louvain, Göttingen, King’s College und Tübingen – per E-Mail kontaktiert und dabei Links zu den Presseartikeln geteilt habe. Kreisel sieht darin einen Versuch, der Reputation der Universität zu schaden. Im 100,7-Interview meinte der Direktor allerdings auch, dass die Partneruniversitäten diese Denunziation nicht ernst nehmen würden.
Externe Prüfung in die Wege geleitet
Der Aufsichtsrat der Universität Luxemburg hatte am 19. Januar ein Pflichtenheft („cahier des charges“) angenommen, um ein Audit zum Arbeitsumfeld und den organisatorischen Praktiken im Umfeld des Personalwesens von einem externen und unabhängigen Dienstleister machen zu lassen. Das Pflichtenheft soll bis spätestens Freitag, den 6. Februar öffentlich einsehbar sein, sagte Kreisel. Die Überprüfung selbst soll im März 2026 stattfinden.
Der Abgeordnete Sven Clement (Piraten) fragte daraufhin, wer Auftraggeber der externen Prüfung ist. Er gab zu bedenken, dass die Universität im Fall eines eigenen Auftrags die erste Rohfassung vor der Veröffentlichung einsehen könnte. Ministerin Obertin stellte klar: Das Audit werde vom Aufsichtsrat in Auftrag gegeben. Das Hochschulministerium überwache den Prozess.
Die Abgeordneten Liz Braz (LSAP) und David Wagner („déi Lénk“) wunderten sich darüber, dass die Ministerin sowie der Regierungskommissar, der Mitglied des Aufsichtsrats ist, erst nach den Protesten vor der Chamber von den Missständen an der Uni erfahren haben.