Chamber
Parlament macht Druck bei Ewigkeitschemikalien
Luxemburgs Parlament fordert mehr Engagement gegen PFAS: Die Ewigkeitschemikalien gefährden Gesundheit und Umwelt. Die Opposition verlangt strengere Grenzwerte, Schutz für Kinder und einen Fonds zur Sanierung.
Umweltaktivisten demonstrieren neben dem Sitz der EU-Kommission in Brüssel gegen PFAS-Chemikalien Symbolbild: AFP/Nicolas Tucat
In Textilien, Agrarmitteln, Kosmetika und Reinigungsmitteln, in Verpackungen oder Geschirr – die sogenannten Ewigkeitschemikalien befinden sich überall. Seit Jahrzehnten werden sie aufgrund ihrer enormen Beständigkeit nahezu überall eingesetzt. Inzwischen finden sie sich in Böden und Gewässern wieder und gelangen so in Lebensmittel und Trinkwasser. Beim Menschen erhöhen sie das Risiko für bestimmte Krebsarten und senken die Wirksamkeit von Impfungen, viele Langzeitfolgen sind wohl noch unbekannt. Der PFAS-Bericht, den Umweltminister Serge Wilmes (CSV) vergangene Woche vorstellte, wurde am Mittwoch im Parlament diskutiert.
Claire Delcourt (LSAP) stellte in ihrer Rede die Auswirkungen auf Kinder in den Vordergrund. Der Grenzwert der EU liege derzeit über den empfohlenen Grenzwerten für Kinder. „Es geht in dieser Debatte nicht nur um abstrakte Umweltmaßnahmen, sondern um die Generationen, die nach uns aufwachsen“, so Delcourt. Die Maßnahmen des Landwirtschaftsministeriums, die PFAS-Belastung insbesondere in Natur- und Wasserschutzgebieten reduzieren sollen, ignorierten die Erkenntnisse des Berichts, da diese Verbindungen extrem mobil seien.
Forderung nach Verursacherfonds
PFAS sind wegen ihrer Widerstandsfähigkeit gegen Wasser, Fett und Hitze in zahlreichen Alltagsprodukten enthalten. Gleichzeitig stehen sie im Verdacht, schwere gesundheitliche Folgen zu verursachen. Delcourt warnte eindringlich: „Ewigkeitsketten bleiben im Körper, erhöhen Krebsgefahr.“ Internationale Studien verweisen zudem auf endokrine Störungen, eine geschwächte Immunabwehr und Risiken für die kindliche Entwicklung. Auch die Landwirtschaft sei betroffen, etwa durch belastete Böden und mögliche Einträge in Futtermittel.
„Die Kosten für eine saubere Umwelt dürfen nicht auf die Steuerzahler abgewälzt werden, sondern müssen von denen getragen werden, die für die Verschmutzung verantwortlich sind“, sagte Delcourt und forderte einen Fonds zur Bewältigung des PFAS-Problems. Einfließen sollen Abgaben von verarbeitenden Unternehmen und Strafzahlungen bei Verstößen.
Umweltminister Serge Wilmes (CSV) betonte, dass PFAS in Luxemburg nicht produziert, sondern lediglich in geschlossenen Systemen verwendet werden. Er kündigte an, dass neue Grenzwerte derzeit auf europäischer Ebene erarbeitet würden. Erst im Herbst erwartet Wilmes Fortschritte. In der Zwischenzeit will der Minister verstärkt auf Sensibilisierung und Datenerhebung setzen. Ein nationaler Alleingang sei derzeit nicht vorgesehen.