Menschenrechte
Der in Luxemburg ansässige Konzern Ternium steht weiter in der Kritik
Die internationale Fair Steel Coalition hat einmal mehr auf die Verstrickung von Unternehmen in Menschenrechts- und Umweltverbrechen aufmerksam gemacht – etwa von Ternium*, einem argentinischen Stahlkonzern mit Sitz in Luxemburg. Dass die Verteidiger dieser Rechte oft gefährlich leben, zeigen Beispiele aus Mexiko und Brasilien.
Protestkundgebung vor dem Luxemburger Sitz des Stahlkonzerns Ternium Foto: Stefan Kunzmann
Mehr als drei Jahre ist es her, dass Antonio Díaz Valencia und Ricardo Lagunes Gasca zum letzten Mal gesehen wurden. Das Verschwinden der zwei mexikanischen Menschenrechtler steht mutmaßlich in Zusammenhang mit der Eisenerzmine Las Encinas in San Miguel de Aquila im Bundesstaat Michoacán. Díaz Valencia war Aktivist für Umweltrechte, der die indigene Gemeinschaft der Nahua vertrat, hatte Ternium noch im Dezember 2022 in einem Brief an den damaligen Präsidenten Andrés Manuel López Obrador vorgeworfen, bewaffnete Gruppen dafür zu bezahlen, Mitglieder der Gemeinde Aquila zu unterdrücken. Wie dem Menschenrechtsanwalt Lagunes Gasca ging es ihm darum, die Nahua vor der Ausbeutung durch Ternium und den verheerenden Folgen für Umwelt und Gesundheit der Menschen in der Region zu schützen. Das Fahrzeug, in dem die beiden Männer unterwegs waren, wurde am 15. Januar 2023 an einer Straße zwischen San Miguel de Aquila und Colima in der Nähe eines Kontrollpostens verlassen und mit mehreren Einschusslöchern gefunden.
Die Interamerikanische Menschenrechtskommission (CIDH) verlangte eine umfassende Untersuchung des Verschwindens der beiden Männer, auch der zuständige UN-Ausschuss appellierte an die mexikanische Regierung. Weil jedoch keine Bewegung in die Ermittlungen kam, wurden die Angehörigen der beiden Verschwundenen zusammen mit einigen Unterstützern selbst aktiv. Ein ums andere Mal gedachten sie in mehreren mexikanischen Städten von Michoacán bis zur Hauptstadt unter anderem auf Plakaten und auf Fotos ihrer Angehörigen und erinnerten an deren Verschwinden. Sie schlugen zudem die Einrichtung eines „Mecanismo independiente para la recuperación humanitaria para Antonio y Ricardo“ (MIRHAR) vor, der sich aus Experten und einem argentinischen Team für forensische Anthropologie zusammensetzen soll. Doch Mexikos Generalstaatsanwalt lehnte dies ab. „Die Regierung zeigt sich überhaupt nicht kooperativ“, sagt Alejandra Gonza, Rechtsanwältin und Präsidentin der in Seattle ansässigen Organisation Gobal Rights Advocacy, gegenüber dem Tageblatt.