Brasilien
Bolsonaro & Söhne: Der Clan schlägt zurück
In Brasilien stehen im Oktober Präsidentschafts-, Parlaments-, Gouverneurs- und regionale Parlamentswahlen an. Um das höchste Amt streiten sich unter anderem Lula da Silva und Flávio Bolsonaro.
Flávio Bolsonaro (Mitte) bei der Bekanntgabe seiner Vorwahlkandidatur für die Präsidentschaft in Florianópolis im Bundesstaat Santa Catarina. Der Senator hat sich als Hauptkonkurrent von Präsident Lula da Silva herauskristallisiert. Foto: Vitor Souza/AFP
Luiz Inácio Lula da Silva war guter Dinge. Zurück von seiner Europareise, befand sich seine Präsidentenmaschine gerade im Sinkflug auf Brasilia. Unter ihm der Palácio do Planalto, sein Arbeitsplatz des Präsidenten und Regierungssitz, ebenso der Palácio da Alvorada (Palast der Morgenröte), wo er residiert. Die minimalistische Struktur, die sinnliche Form – beim Anblick der beiden Gebäude, Beispiele par excellence der brasilianischen Moderne, erfasst den Betrachter ein Gefühl der Leichtigkeit, gleich einer „Feder, die auf dem Boden landet“, wie ihr Schöpfer einmal sagte, der berühmte Architekt Oscar Niemeyer.
Gesunken sind die Zustimmungswerte des Staatsoberhaupts – fünf Monate vor der Präsidentschaftswahl am 4. Oktober. Es kam noch schlimmer. Zwei Niederlagen in 24 Stunden hatte der Präsident in jüngster Zeit zu verkraften. Die erste bescherte ihm der Senat. Das Oberhaus des Nationalkongresses lehnte Generalstaatsanwalt Jorge Messias ab, den der 80-jährige Staatschef für den Obersten Gerichtshof seines Landes nominiert hatte. Die zweite Schlappe folgte kurz darauf: Die 27-jährige Haft von Lulas Vorgänger Jair Bolsonaro wurde auf gut zwei Jahre verkürzt. Hinzu kam, dass der Kongress ein Veto des Präsidenten gegen die Entscheidung aufhob.