Gewalt als Werbegag?

Ask for Angela fordert Boykott von „Kelti“

Der Verein Ask for Angela und Mara Stieber („déi jonk Lénk“) werfen der Luxemburger Getränkemarke „Kelti“ vor, Gewalt gegen Frauen zu verharmlosen. Auslöser ist ein inzwischen gelöschter Werbespot.

Ask for Angela ist seit 2026 in Luxemburg aktiv: Der Verein bietet ein Sicherheitskonzept für Bars und Restaurants an

Ask for Angela ist seit 2026 in Luxemburg aktiv: Der Verein bietet ein Sicherheitskonzept für Bars und Restaurants an Foto: Editpress/Hervé Montaigu

In dem Video von „Kelti“ wird eine Frau getötet, nachdem sie an der Bar statt eines „Kelti“ eine Cola bestellt. Anschließend schleift ein Mann sie an den Füßen zu einem Van. Das Motto des Spots: „Actions have consequences.“ Genau das fordern nun sowohl Ask for Angela als auch Mara Stieber („déi jonk Lénk“) für das Unternehmen selbst.

Gravierender Fauxpas

Für beide ist der Werbespot ein unverzeihlicher Fehltritt. Das Video sei geschmacklos, besonders vor dem Hintergrund mehrerer Gewalttaten gegen Frauen in Luxemburg-Stadt in den vergangenen Wochen. Auch die Reaktionen auf die negativen Kommentare zur Werbung seien problematisch.

Es gibt andere Getränkemarken, die keine Gewalt gegen Frauen als Verkaufsargument nutzen

Terri Allington

Mitbegründerin von Ask for Angela Luxemburg

„Kelti und Personen, die mit der Marke in Verbindung stehen, reagierten mit sexistischen und transfeindlichen Kommentaren auf die Kritik“, wird Stieber in einer Pressemitteilung von Ask for Angela zitiert. „Das zeigt, in welcher männlich-chauvinistischen Atmosphäre dieses Video entstanden ist und warum man es für publikationswürdig hielt.“ Das Mitglied von „déi jonk Lénk“ lud das Video auf seinem Instagram-Kanal hoch. Daraufhin drohte das Team von „Kelti“ mit einer Anzeige: Stieber habe kein Recht darauf, den Spot weiter zu verbreiten. Eine ähnliche Drohung erhielt das feministische Medium L’effrontée, welches den Spot ebenfalls postete. Die Gründerin Alice Welter kam der Bitte nach und löschte das Video. „Ich habe keinen Anwalt und keine Energie für einen Gerichtsprozess“, sagt sie dem Tageblatt. Mara Stieber entfernte den Spot hingegen nicht und gibt sich im Gespräch kämpferisch: „Ich lasse mich davon nicht einschüchtern.“

De Toffol in der Kritik

Die Vorwürfe von Stieber und Ask for Angela richten sich insbesondere gegen den Kelti-Besitzer und Gastronomen Alexandre De Toffol (COO der Black Sheep Group; u.a. „Bella Ciao“ und „Häerz“). Er trat bei den Gemeindewahlen 2023 im Zentrum für die DP an und ist Mitglied der Sicherheitskommission der Stadt Luxemburg. Das „Kelti“-Video kommentierte er mit Lach-Emojis.

Terri Allington, Mitbegründerin von Ask for Angela Luxembourg, hält De Toffol vor, mit der Aktion die Glaubwürdigkeit seines Engagements für die öffentliche Sicherheit beschädigt zu haben: „Wenn man sich als öffentliche Stimme zum Thema Sicherheit präsentiert, sollten die Menschen darauf vertrauen können, dass das eigene Interesse über Unternehmen, Diebstahl und die wirtschaftlichen Auswirkungen von Kriminalität hinausgeht.“

Erklärungsversuche

„Kelti“ verteidigte den Spot zunächst als humoristische Anlehnung an einen Social-Media-Trend. Die Rollenverteilung sei spontan geändert worden, nachdem sich eine Frau freiwillig bereit erklärt habe, an dem Dreh teilzunehmen. Niemand habe beabsichtigt, Femizide zu verharmlosen. Nach anhaltender Kritik wurde das Video dennoch gelöscht.

Für Allington reicht das nicht aus. Die Aktion spiegele ein allgemeines Desinteresse am Schutz von Frauen in Teilen der Gastronomie wider: „Aus der Bevölkerung hat Ask for Angela enorme Unterstützung erfahren, von vielen Betreibern von Lokalen hingegen kaum.“

#Underreacting

Ask for Angela organisiert am 2. Oktober unter dem Slogan #Underreacting eine friedliche Demo zur Sicherheit von Frauen im öffentlichen Raum.
Wo? Hamilius, Luxemburg-Stadt
Uhrzeit? 18.15 Uhr bis 19.30 Uhr
Infos? askforangela.lu

Offenbar fehle dort oft das Verständnis dafür, dass Frauen in Luxemburgs Lokalen, auf der Straße und online regelmäßig mit anzüglichen Bemerkungen, unerwünschten Berührungen, Belästigungen und anderem übergriffigen Verhalten konfrontiert würden – „und jetzt auch noch ausgerechnet durch Menschen, die Verantwortung für die Sicherheit in Luxemburg-Stadt“ tragen würden.

Mit Blick auf den für den 2. Oktober geplanten Marsch gegen genderspezifische Gewalt von Ask for Angela fordert Allington die Kundschaft deshalb auf: „Kauft kein Kelti. Es gibt andere Getränkemarken, die keine Gewalt gegen Frauen als Verkaufsargument nutzen.“

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