Luxemburg-Stadt

Damit Frauen ohne Angst nach Hause gehen können: „Ask for Angela“ organisiert Protestzug

Nach einem brutalen Übergriff auf eine Frau in der „Groussgaass“ in der Hauptstadt veranstaltet die Vereinigung „Ask for Angela Luxembourg“ Anfang Oktober einen friedlichen Protestmarsch.

Wie bei der „Marche féministe“ im März werden Anfang Oktober wieder Menschen in Luxemburg-Stadt auf die Straße gehen, um für die Rechte von Frauen einzustehen

Wie bei der „Marche féministe“ im März werden Anfang Oktober wieder Menschen in Luxemburg-Stadt auf die Straße gehen, um für die Rechte von Frauen einzustehen Foto: Editpress-Archiv/Alain Rischard

„Frauen sollten sich ohne Angst bewegen können“ – so übertitelt der gemeinnützige Verein „Ask for Angela“ eine Veranstaltung, die am 2. Oktober stattfinden wird. Bei einem friedlichen Marsch an einem Freitagabend soll laut einer Pressemitteilung die Erwartung infrage gestellt werden, „dass Frauen sich selbst vor Übergriffen schützen müssen“. Die Veranstaltung ist laut „Ask for Angela“ eine Reaktion auf jüngste Fälle, in denen unbekannte Männer gegenüber Frauen und Mädchen körperlich sowie sexuell gewalttätig wurden.

Vor fast einem Monat hatte die Vereinigung so in den sozialen Medien auf die Vergewaltigung einer Frau in der „Groussgaass“ aufmerksam gemacht. Erst nachdem „Ask for Angela“ die stundenlange, äußerst brutale Tat des mutmaßlichen Angreifers thematisiert und die Presse darauf reagiert hatte, informierte auch die Staatsanwaltschaft über die Geschehnisse – ganze vier Tage nach der schweren Gewalttat.

Kritik an Informationspolitik

Die Präsidentin der Vereinigung, Terri Allington, erklärte Anfang September im Gespräch mit dem Tageblatt, dass zeitnah über solch schwere Gewalttaten berichtet werden müsse. Sie sprach sich gegen ein Leben in ständiger Angst aus, betonte jedoch, dass solche Angriffe jederzeit und überall passieren können. „Ask for Angela“ sieht allerdings nicht Frauen in der Verantwortung, sich davor zu schützen.

„Ask for Angela“ in Luxemburg

Vor elf Jahren zog Terri Allington aus Großbritannien nach Luxemburg und setzte in ihrer neuen Wahlheimat die britische Sicherheitskampagne „Ask for Angela“ um. Gemeinsam mit Arne de Wal und Elodie Lemagnen gründete die 44-Jährige dafür die gleichnamige Vereinigung. Mehr als 40 Freiwillige unterstützen den Vorstand bei seinem Einsatz gegen Belästigungen, unter anderem im Nachtleben. Der Verein finanziert seine Aktivitäten ausschließlich durch Spenden sowie Mitgliedsbeiträge und ohne staatliche Unterstützung. Mehr Informationen gibt es in den sozialen Medien und auf der Webseite askforangela.lu.

„Der Marsch fordert mehr Prävention und ein Ende der Praktik, Frauen vorzuschreiben, wie sie ihr Leben und ihr Verhalten anpassen sollen, um sich selbst zu schützen“, heißt es in der Pressemitteilung zu dem Protestzug. Während der Veranstaltung werden deshalb satirisch überspitzte Versionen von Gegenständen präsentiert, die Frauen zu ihrem Schutz mit sich führen sollen, um so „die Absurdität hervorzuheben, die Verantwortung für das Verhindern von Übergriffen den Frauen selbst aufzubürden“.

Männer in der Verantwortung

Terri Allington wird in der Pressemitteilung mit folgenden Worten zitiert: „Frauen wird ständig vorgeschrieben, was sie bei sich tragen, wohin sie gehen und wie sie sich verhalten sollen, wenn sie angegriffen werden. Wo bleibt die Dringlichkeit, Männer von vornherein davon abzuhalten, überhaupt anzugreifen?“ In der Pressemitteilung wird auf offizielle Ratschläge der Luxemburger Polizei verwiesen, die unter anderem auf ihrer Webseite dazu rät, eine Trillerpfeife dabei zu haben, um mögliche Angreifer abzuschrecken.

Wo bleibt die Dringlichkeit, Männer von vornherein davon abzuhalten, überhaupt anzugreifen?

Terri Allington

Präsidentin von „Ask for Angela“ in Luxemburg

Wer mitgehen will – und dazu sind laut Pressemitteilung alle eingeladen –, soll am 2. Oktober um 18.15 Uhr zum Hamilius in Luxemburg-Stadt kommen. Die Route führt durch die Oberstadt zum Knuedler und endet vor 19.30 Uhr. Im Anschluss wird es keine Kundgebung geben. Von „Ask for Angela“ heißt es: „Die Organisatoren hoffen, dass die Bitte, nur eine Stunde Zeit zu investieren, mehr Menschen zur Teilnahme motivieren wird.“

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