Kommentar

Warum wir die Hilfeschreie von Frauen endlich ernst nehmen müssen

Der Übergriff auf eine Frau in Luxemburg-Stadt ist ein erneuter Weckruf: Wir dürfen die Warnsignale und Hilfeschreie von Frauen nicht länger ignorieren. Stattdessen müssen wir der Gewalt gegen sie geschlossen den Kampf ansagen.

Symbolbild: Gewalt gegen Frauen bleibt allgegenwärtig

Symbolbild: Gewalt gegen Frauen bleibt allgegenwärtig Foto: Fabian Sommer/dpa

In Luxemburg-Stadt wurde eine Frau brutal angegriffen. Hätte die Tat verhindert werden können? Das wissen wir derzeit noch nicht. Fest steht jedoch, dass die Staatsanwaltschaft von Hilferufen gegenüber Passant*innen berichtet, auf die offenbar niemand unmittelbar reagierte. Auch wenn die genauen Umstände noch unklar sind, verweist der Fall schon jetzt auf ein Muster: Warnsignale werden allzu oft ignoriert. Mit fatalen Folgen.

Der Vorfall ist kein tragischer Einzelfall, sondern ein Sinnbild für den Umgang der Gesellschaft mit Gewalt gegen Frauen. Ganz gleich, ob sie sich im öffentlichen oder im privaten Raum ereignet. Denn wie oft berichten Medien von Frauenmorden und Übergriffen, denen langjährige Gewalt, Drohungen und Anzeigen vorangingen? Häufig handelt es sich bei den Straffälligen sogar um Wiederholungstäter. Das Vertrauen in die Justiz schwindet.

Noch dazu werden die Taten regelmäßig politisch instrumentalisiert. Stehen ausländische Tatverdächtige im Fokus, dominieren Debatten über Migration; in anderen Fällen wird die politische Gegenseite für etwaige Versäumnisse verantwortlich gemacht. Die Betroffenen und die strukturellen Ursachen von Gewalt gegen Frauen geraten dabei in den Hintergrund.

Gleichzeitig wird in den (un)sozialen Netzwerken weiter gegen Frauen gehetzt, die den Mut haben, Gewalterfahrungen mit der Öffentlichkeit zu teilen. Genauso wie gegen Menschen, die sich mit den Überlebenden solidarisieren und das Patriarchat kritisch hinterfragen. Statt sich ernsthaft mit den Folgen von Sexismus, Frauenhass, Gewalt und sozialer Ungleichheit zu beschäftigen, schließen sich gefühlt immer mehr Menschen antifeministischen Bewegungen an – und verhindern so die nachhaltige Aufarbeitung und den Kampf gegen genderspezifische Gewalt.

Doch was drohen wir dabei zu überhören? Die Hilfeschreie von hunderttausenden Frauen, deren Erlebnisse erst dann die nötige Aufmerksamkeit bekommen, wenn aus der Gewalt eine Schlagzeile wird.

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