Editorial

Schule und Religion: Es gibt einen Unterschied zwischen informieren und indoktrinieren

Schule und Religion: Es gibt einen Unterschied zwischen informieren und indoktrinieren

Foto: Pixabay

Aktuell wird in Europa wieder um das Tragen religiöser Symbole diskutiert. Auslöser war ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs, dass etwa ein Kopftuchverbot am Arbeitsplatz grundsätzlich möglich ist. Allerdings müsse es sich dabei um ein Verbot aller religiösen Symbole handeln, für das es eine genaue Begründung brauche. Beispielsweise, weil der Arbeitgeber gegenüber Kunden ein Bild der Neutralität vermitteln wolle. Auf Tageblatt-Anfragen reagiert die Luxemburger Betriebswelt verhalten

Das ist auch gut so. Schließlich gehört der Ausdruck der eigenen Glaubenswelt zur Privatsphäre. Wenn also ein Angestellter oder eine Angestellte tiefgläubig ist und das mit Kippa, Kopftuch oder Kreuzkette zum Ausdruck bringen will, dann sollte man sich nicht daran stören. Zurückzuweisen ist eigentlich nur, wenn der Ausdruck der eigenen Religion auf andere Auswirkungen hat, zum Beispiel ein Kreuz auf der Wand eines an sich neutralen Büros auftaucht, oder die Person versucht, auf der Arbeit ihre Kollegen zu missionieren. 

Pikanter wird die Sache allerdings in der Schule. Mit der Trennung von Kirche und Staat hat Luxemburg 2017 den Religionsunterricht abgeschafft. Stattdessen sollen Schüler im Fach „Vie et société“ über die verschiedenen Weltreligionen, ihre jeweiligen Kulturkreise und allgemeine Ethik aufgeklärt werden. Ein wichtiger Schritt, der es ermöglicht, dass sich die unterschiedlichen Glaubensrichtungen auf Augenhöhe begegnen und die Schüler zwar informiert, aber nicht indoktriniert werden. 

Doch sensibler ist es, wenn Lehrer ihre eigenen Werte und Symbole ihres Glaubens sichtbar am Körper tragen. Vor allem in den USA kommen aus teils sehr rechten Milieus Vorwürfe, dass Kinder etwas aufgezwungen wird, wenn Lehrer selbst religiöse Symbole wie etwa Kopftuch oder Kippa tragen, oder zum Beispiel preisgeben, selbst LGBTQIA+ zu sein. Das Denken fasst sich wie folgt zusammen: Was ist, wenn der Lehrer unserem Kind etwas unterrichtet, an das wir selbst nicht glauben, beziehungsweise was für uns moralisch verwerflich ist? 

Dazu bleibt nur zu sagen: Erstens haben Eltern deutlich mehr Einfluss auf ihr eigenes Kind als ein Lehrer in einem einzigen Fach. Welche Weltanschauungen wir als Kind haben, beruht häufig auf dem, was wir zu Hause immer wieder hören. Wächst man in einem tief katholischen Haushalt auf, kann man noch Jahrzehnte später als Nichtgläubiger das Vaterunser aufsagen. 

Zweitens heißt informieren nicht gleich indoktrinieren. Gibt man Kindern die richtigen Werkzeuge mit auf den Weg, können sie sich ihre eigene Meinung zu Themen bilden. Das natürlich in einem altersgerechten Format. Wenn also die Lehrerin ein Kopftuch trägt und mit ihren Schülern, wenn diese sie darauf ansprechen, offen über ihre Religion spricht, dann ist nichts Verwerfliches daran. Und wenn ein Lehrer, zum Beispiel im Rahmen einer Buchvorstellung, über LGBTQIA+ spricht, heißt das nicht, dass das Kind „auf einmal“ selbst queer wird.

Nur wer gut informiert ist, kann für sich selbst die richtigen Entscheidungen treffen. Statt sich über Kopftuch, Kippa oder Kreuz aufzuregen, sollte man selbst erst einmal prüfen, ob man nicht auf Vorurteile und Missinformation hereingefallen ist. 

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