Editorial
Luxemburgs Aufstieg im Ranking der Finanzplätze ist ein Weckruf für Europa
Laut der neuesten Version des „Global Financial Centres Index“ rutscht der Finanzplatz Luxemburg weltweit um einen Platz nach hinten, auf Rang 17. Innerhalb der EU reicht das jedoch für einen Aufstieg auf Platz eins. Gut für Luxemburg – für Europa aber ein Zeichen der Schwäche.
Im Wettbewerb der Finanzzentren verliert Luxemburg einen Platz – und wird trotzdem neue Nummer eins in der EU Foto: Editpress/Hervé Montaigu
Laut der neuesten Ausgabe des GFCI-Rankings der globalen Finanzplätze rutscht Luxemburg weltweit um einen Platz nach hinten, auf nunmehr Rang 17. Innerhalb Europas jedoch verbessert sich das Land deutlich und gilt nun als wichtigster Finanzplatz der EU.
Noch vor sechs Monaten hielt die deutsche Finanzmetropole Frankfurt das Zepter als wichtigstes Finanzzentrum des Staatenbundes. Doch während die Wettbewerber weltweit attraktiver wurden, hat die Heimatstadt von Europas Zentralbank Bewertungspunkte eingebüßt und belegt nur noch den 29. Platz weltweit.
In den Top 20 der weltweiten Finanzplätze ist heute, abgesehen von Luxemburg, keine andere Stadt aus der EU vertreten. Europaweit gilt London (Rang zwei weltweit nach New York) als bedeutendster Standort. Auf den guten Plätzen zehn und zwölf folgen die beiden Schweizer Städte Zürich und Genf.
Das Problem bei der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Finanzindustrie ist nicht Luxemburg. Das Land schlägt sich gut: Die Zahl seiner Bewertungspunkte steigt. Dass es trotzdem einen Platz verliert, zeigt nur, wie schnell die Konkurrenz geworden ist.
Auch langfristig braucht sich Luxemburg nicht zu verstecken: Beim ersten Ranking im März 2007 belegte es Platz 26 weltweit. Europäische Finanzzentren wie Frankfurt und Paris lagen damals hingegen mit dem sechsten bzw. elften Platz klar vor Luxemburg in den globalen Top Ten.
Ihre Spitzenpositionen haben Frankfurt und Paris jedoch nach und nach abgegeben und befinden sich nun nur noch, zusammen mit Amsterdam, Kopenhagen und Dublin, in den globalen Top 30. Die großen Gewinner der letzten Jahrzehnte sind Asien und der Nahe Osten. Sieben der zehn bestplatzierten Finanzzentren liegen im asiatisch-pazifischen Raum.
Dass der Finanzplatz Luxemburg jetzt als Nummer eins in der EU gilt, ist demnach weniger eigenen Verbesserungen als vielmehr der Schwäche seiner Wettbewerber zu verdanken.
Für Europa ist diese Schwäche jedoch ein Problem. Die Wirtschaft der Staatenunion bräuchte Hunderte Milliarden Euro an Investitionen, um sich fit für die Zukunft zu machen. Doch Europas Sparer, die genügend Geld dafür auf ihren Bankkonten liegen hätten, investieren lieber in den USA. Dort ist der Markt größer, attraktiver und weniger fragmentiert.
Über eine Lösung wird seit mehr als zehn Jahren diskutiert und verhandelt. Anfangs hieß das Projekt „Kapitalmarktunion“. Nun hofft man, bis Jahresende die in „Spar- und Investitionsunion“ umbenannte Initiative tatsächlich zu starten. Streit löst derzeit Frankreich aus, das möglichst viel Macht in Paris ansiedeln will.
Doch der Binnenmarkt hat nichts davon, wenn Nationalstaaten einander das Geschäft abjagen, während sie von Singapur, Dubai und Schanghai abgehängt werden. Erst wenn Ersparnisse einfacher in europäische Unternehmen, Infrastruktur und Innovationen fließen können, wird der ganze Kontinent stärker.
Wie dringend das ist, zeigt der Blick nach Washington. Donald Trump scheint alles daranzusetzen, die EU-Wirtschaft zu schwächen. Auf die ursprünglichen Zölle folgen immer neue Hindernisse. Der Krieg, den er gegen den Iran begonnen hat, hat die EZB bereits zu zwei Zinserhöhungen veranlasst und belastet die Wirtschaft. Nun erwägt er „sehr ernsthaft“ ein Diesel-Exportverbot, das Europa besonders träfe. Auf die angekündigte Zusammenarbeit Europas mit Kanada reagiert er mit neuen Zoll-Drohungen.
Luxemburg darf sich über seine Spitzenposition freuen. Es kann sich international behaupten. Für die EU jedoch ist es beschämend: Der beste Finanzplatz der Union steht weltweit nur auf Rang 17.
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