Kommentar

Kolumbianische Präsidentschaftswahl: Politische Polarisierung schreitet voran

Der linke Kandidat Ivan Cepeda und der rechte Trump-Bewunderer de la Espriella gewinnen den ersten Wahlgang um die kolumbianische Präsidentschaft. Aus der Stichwahl am 21. Juni wird eine Richtungswahl.

Die beiden Kontrahenten in der Stichwahl vom 21. Juni: der linke Kandidat Ivan Cepeda (l.) und der rechte Hardliner Abelardo de la Espriella

Die beiden Kontrahenten in der Stichwahl vom 21. Juni: der linke Kandidat Ivan Cepeda (l.) und der rechte Hardliner Abelardo de la Espriella Fotos: Luis Acosta, Raul Arboleda/AFP

Die politische Polarisierung in Kolumbien schreitet voran. Dies hat sich im ersten Wahlgang um die Präsidentschaft gezeigt. Während Kandidaten, die auf Ausgewogenheit und Mäßigung setzten, bei der Wählerschaft kaum Anklang fanden, haben der ultrarechte Anwalt Abelardo de la Espriella mit 43,7 Prozent der Stimmen und der linke Senator Iván Cepeda mit rund 41 Prozent die Stichwahl am 21. Juni erreicht. In einer Richtungswahl zwischen zwei völlig gegensätzlichen Visionen wird es darum gehen, ob Kolumbien den von dem linken Amtsinhaber Gustavo Petro – der aus Verfassungsgründen nicht noch mal antreten durfte – eingeschlagenen Kurs fortsetzt, der aus höheren Sozialausgaben und Verhandlungen mit diversen bewaffneten Gruppen besteht, oder ob sich de la Espriella durchsetzt, der sich selbst „der Tiger“ nennt, als politischer Außenseiter inszeniert und für einen schlanken Staat sowie eine harte Hand gegenüber besagten Gruppen eintritt: die marxistische ELN-Guerilla sowie Dissidenten der einstigen FARC, Paramilitärs, lokale Netzwerke und Banden, denen es unter anderem um den Drogenhandel und illegalen Bergbau geht.

Unter den insgesamt 14 Kandidaten hatte sich auch Paloma Valencia, die ebenfalls einen strikten Sicherheitskurs forderte, Chancen ausgerechnet. Doch die aus dem Umfeld des früheren Präsidenten Álvaro Uribe stammende konservative Senatorin musste sich geschlagen geben, weil sich viele Uribe-Anhänger für de la Espriella entschieden, um einen Sieg Cepedas im ersten Wahlgang zu verhindern. Laut Umfragen erklärten sich 72 Prozent von Valencias Wählern bereit, für de la Espriella zu stimmen. Bis zum 21. Juni wird sich diese Polarisierung, wie anzunehmen ist, weiter verschärfen. Zwar haben de la Espriella, der Donald Trump und El Salvadors Präsident Nayib Bukele bewundert, und Paloma Valencia zusammen über zwei Millionen mehr Stimmen als Cepeda erhalten. Das will aber nichts heißen. Die angespannte Sicherheitslage wird auch den zweiten Urnengang prägen. Petro war 2022 als erster linker Präsident gewählt worden und hatte einen „paz total“ (totaler Frieden) als Ziel genannt. Während seine Anhänger auf sinkende Armutszahlen und die Erhöhung des Mindestlohns verwiesen, blieb dieses Vorhaben unerfüllt. Im Vorfeld des ersten Wahlgangs kam es zur schwersten Gewaltwelle der letzten Jahre in dem südamerikanischen Land.

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