Kommentar
Warum Schengen 25.000 Euro für einen Tourismusberater ausgibt
Ein externer Blick soll helfen, eingefahrene Denkmuster aufzubrechen. Entscheidend wird sein, was die Gemeinde anschließend aus den Vorschlägen macht.
Ein Tourismusberater aus Hamburg soll helfen, die Stärken der Moselgemeinde besser sichtbar zu machen Foto: Editpress/Claude Lenert
Braucht Schengen wirklich einen Tourismusberater aus Hamburg? Warum 25.000 Euro ausgeben, damit ein Fremder erklärt, was vor der eigenen Haustür liegt?
Vielleicht, weil genau dieser Blick von außen seinen Reiz hat. Wer neu kommt, sieht Dinge, die Einheimischen längst selbstverständlich geworden sind. Oder, um im Bild der Moselwinzer zu bleiben: Wer den ganzen Tag im eigenen Keller arbeitet, läuft Gefahr, irgendwann kellerblind zu werden.
Ein externer Berater kann unbequeme Fragen stellen. Warum bleiben viele Besucher nur eine Stunde? Weshalb erkennen sie nicht, wie vielfältig das Angebot ist? Was fehlt, damit aus einem Zwischenstopp ein Tagesausflug oder gar ein Wochenende wird? Ein Außenstehender spricht solche Punkte womöglich offener an als jemand, der seit Jahren Teil des Systems ist.
Der Tourismusberater ist allerdings kein Unbekannter. Der Hamburger kennt Luxemburg aus seiner früheren Arbeit für das Luxembourg City Tourist Office (LCTO). Den Kontakt stellte der heutige Schengener Oppositionsrat Tom Bellion her, der das LCTO damals leitete.
Entscheidend ist ohnehin etwas anderes. Ideen zu entwickeln, gehört zum Beruf eines Tourismusberaters. Die eigentliche Frage lautet vielmehr: Was geschieht anschließend mit diesen Ideen?
Darüber entscheidet nicht der Berater, sondern der Schöffen- und Gemeinderat. Genau dort wird sich zeigen, ob die Analyse mehr ist als eine Bestandsaufnahme. Zu oft verschwinden Expertengutachten nach ihrer Präsentation in der Schublade. Mal fehlt das Geld, mal der politische Wille, mal gilt eine Idee als nicht realisierbar. Dann bleibt am Ende: Außer Spesen wenig gewesen.
Möchte Schengen seinen Tourismus wirklich weiterentwickeln, reicht es nicht, über neue Konzepte zu sprechen. Es braucht den Mut, Bestehendes zu hinterfragen, Gewohntes anzupassen und Entscheidungen zu treffen. Der Hamburger kann zeigen, wo die Baustellen liegen. Beseitigen muss sie Schengen selbst.