Editorial

Es ist höchste Zeit, Hass und politische Polarisierung in Luxemburg zu stoppen

Der politische Diskurs entfernt sich immer weiter von dem, was zählt: den Menschen. Warum wir den Populismus ernst nehmen und Solidarität über allem stehen muss.

Einer der Orte, an denen sich der politische Diskurs abspielt: die Abgeordnetenkammer in Luxemburg-Stadt (Symbolbild)

Einer der Orte, an denen sich der politische Diskurs abspielt: die Abgeordnetenkammer in Luxemburg-Stadt (Symbolbild) Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

Der politische Wochenrückblick in Luxemburg ist zum Verzweifeln. Die ADR-Abgeordneten bezeichneten ihre politische Gegenseite als Freaks, spielten die Hitzewelle als Panikmache herunter und lehnten Pläne zur Wiedereingliederung von Gefängnisinsassinnen mit fremdenfeindlichen Argumenten ab.

Provokationen, denen man keine Bühne geben sollte? In diesem Fall schon, denn die Partei vertritt im Parlament Teile der Luxemburger Bevölkerung und somit eine politische Meinung, die offensichtlich ankommt. Noch dazu zeigen die Debatten, die sie anstößt und nährt: Die Menschlichkeit im öffentlichen Diskurs geht verloren und damit der Glaube daran, dass ein gutes Leben für alle möglich ist.

Ein Beispiel dafür ist die Stimmungsmache gegen die Luxembourg Pride, die am Wochenende in der Hauptstadt endet. Die ADR Stad stellt auf Social Media absurde Bezüge zwischen der grassierenden Wohnungskrise in Luxemburg und dem Budget der Veranstaltung zur Verteidigung der Rechte von LGBTIQ+-Menschen her. Das Organisationsteam erhält 250.000 Euro von der Gemeinde Luxemburg, „während andere eine Wohnung suchen“, so die ADR Stad. Der Minister für Wohnungsbau, Claude Meisch (DP), und die Regierung bedanken sich mit Kusshand. Endlich ist die Lösung für die Wohnungskrise in Luxemburg gefunden – es braucht nur läppische 250.000 Euro.

Spaß beiseite. Momente wie diese sind äußerst bedenklich, weil der Vergleich suggeriert: LGBTIQ+-Menschen nehmen uns etwas weg. Sie bekommen Geld. Wir nicht. Sie dürfen auf dem Knuedler feiern. Wir nicht. So entstehen Feindbilder. Hass. Ausgrenzung. Entmenschlichung. Der Rechtspopulismus lebt seit jeher von diesem Gegeneinander-Ausspielen – und die Geschichtsbücher sowie die News halten etliche Beispiele dafür bereit, wie das endet.

Wer sich durch die Kommentarspalten auf den sozialen Netzwerken liest, wird den Eindruck nicht los, dass trotzdem vielen Menschen das Bewusstsein dafür fehlt, dass wir alle zusammen in dieser Misere stecken. Unabhängig von unserer Herkunft, unserer sexuellen Orientierung oder unserer Identität.

Auch wenn die Beiträge nur ein Stimmungsbild liefern, befinden sie sich dennoch im öffentlichen Raum. Dort können sie die politische Sozialisierung von Menschen prägen und das gesellschaftliche Klima aufheizen. Aus dem Grund darf der politische Austausch allgemein weder zum Kräftemessen noch zur bloßen Bestätigung von Klischees verkommen.

Denn wenn wir ehrlich sind: Wenn das Gesundheitspersonal und die Kranken in den Kliniken wegschmelzen, ist es egal, ob wir an den Klimawandel glauben oder nicht. Selbst wenn die Gemeinden kein Geld mehr in die Luxembourg Pride stecken, landen immer noch Menschen auf der Straße. Und haben Frauen nach ihrer Haftstrafe keine Zukunftsperspektive, ist niemandem damit geholfen.

Was wir jetzt brauchen, ist eine Rückbesinnung darauf, dass Hass und Hetze keine Probleme lösen, sondern sie verstärken. Das heißt nicht, dass wir uns als Gesellschaft immer einig sein müssen. Doch die unnötige Polarisierung sollte einem gemeinsamen Ziel, hin zu einer besseren Gesellschaft für alle, weichen. Oder um es mit dem Autor Jean-Philippe Kindler zu sagen: „[D]ie Verbindung mit Menschen, vor allem aber die sich daraus ergebende Solidarität ist es, [was] das politische Leben lebenswert macht.“

3 Kommentare
Norbert Campagna 11.07.202616:18 Uhr

Ich habe im Duden nachgesehen und festgestellt, dass man im heutigen Sprachgebrauch das Wort ´freak’ gebraucht, um jemanden zu bezeichnen, der sich von den bürgerlichen Werten und Idealen distanziert. Also genau das, was die als ´freaks’ bezeichneten Menschen tun. Man kann Herrn Keup in vielerlei Dingen widersprechen, aber man sollte nicht unter die Gürtellinie schlagen. Das ehrt weder den Schlagenden, noch hilft es im Kampf gegen den Geschlagenen.

CG 11.07.202610:29 Uhr

Leider gehen viele Leute diesen rechtsgerichteten Pseudopolitikern auf den Leim und sollten dieses braune Gesindel gewählt werden und sich an die Macht hieven dann ist es mit der Herrlichkeit vorbei. Pressefreiheit, Meinungsfreiheit ist dann passé und sollte sich jemand gegen die braunen Gesellen stellen wird er sofort angegriffen und verprügelt wie in Deutschland gesehen beim Kongress der AfD, wo sogar Journalisten angegriffen wurden.

Guy Mathey 11.07.202609:27 Uhr

Die Autorin spricht ein wichtiges Thema an, nämlich den aufkeimenden Hass in unserer Gesellschaft, befeuert durch menschenverachtende Rechtsextreme Zeitgenossen. Wie ist es erklärbar, dass Menschen diesen braunen Rattenfängern auf den Leim gehen, wo die Faschos doch keinerlei belastbare Argumente vorzuweisen haben? Ausser Hass herrscht bei denen doch gähnende Leere, nicht einen einzigen konstruktiven Vorschlag haben sie bislang eingebracht.
So manche Menschen bevorzugen wohl einfache Lösungen (sprich "Schuldige" zu benennen) auf komplexe Fragen. Ein Blick auf die niveaulosen, von Hass und Fehlern strotzenden social media - Kommentare, lässt zudem Zweifel an der intellektuellen Verfassung deren Autor*innen aufkommen.
Der Respekt vor den Mitmenschen scheint aktuell auf dem Rückzug zu sein, dieser beängstigenden Entwicklung müssen wir als Gesellschaft mit vereinten Kräften gegensteuern.

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