Kommentar

Warum der Knuedler kein Ort zum Zusammenkommen ist

Bei der Luxembourg Pride am Samstag blieb der Großteil des Knuedler in der Hauptstadt leer – die Menschen drängten sich im wenigen Schatten am Rande des Platzes. Damit das Areal auch künftig bei Veranstaltungen genutzt werden kann, muss die Stadt umdenken.

Menschen suchen an heißen Samstagnachmittag im Schatten auf dem Knuedler Schutz vor intensiver Sonne

Den ganzen Samstagnachmittag über suchten die Menschen an den wenigen Schattenplätzen auf dem Knuedler Schutz vor der Sonne Foto: Editpress/Carole Theisen

Der Knuedler soll ein Ort der Begegnung sein – das betont Bürgermeisterin Lydie Polfer (DP) in der Debatte um die Begrünung der Hauptstadt immer wieder. „Wir wollen so viel Begrünung wie nur möglich. Das heißt aber nicht, dass wir überall Parks haben können. Es ist wichtig, dass es auch Orte gibt, an denen Leute zusammenkommen und feiern können“, sagte sie vergangene Woche bei der Vorstellung des neuen Begrünungskonzepts.

Tatsächlich bietet der Knuedler viel Platz. Ein Treffpunkt ist er dennoch nicht. Das zeigte sich am Samstag erneut: Als die Teilnehmenden des Equality March der Luxembourg Pride gegen 14.30 Uhr bei über 30 Grad den Knuedler erreichten, suchten sie sofort die wenigen Schattenplätze auf. Im Laufe des Nachmittags drängten sie sich an Hausfassaden und unter den Bäumen. Der Großteil des Platzes blieb leer.

Dabei waren durchaus viele Gäste bei der Pride unterwegs – sie zogen jedoch die place de Clairefontaine dem Knuedler vor. Große Bäume und Gebäude spendeten dort nämlich Schatten, außerdem staute sich die Hitze dort nicht so stark. Schon im vergangenen Jahr suchten nach der Großdemonstration von OGBL und LCGB Ende Juni zahlreiche Menschen den Schatten oder verließen die Kundgebung wegen der Hitze auf dem großen Platz vorzeitig.

Lydie Polfer hat recht: Städte brauchen Orte zum Zusammenkommen. Doch mit immer häufigeren Hitzewellen reicht viel Freifläche allein nicht mehr aus. Plätze wie der Knuedler brauchen entsiegelte Flächen, Pflanzen als natürliche Schattenspender, Sonnensegel oder ähnliche Maßnahmen. Wegen des unterirdischen Parkhauses und archäologischer Funde sind Lösungen für den Knuedler laut den Stadtverantwortlichen allerdings schwer zu finden.

Umso bedauerlicher ist, dass der Platz im neuen Begrünungskonzept der Stadt keine Rolle spielt und sich künftig dort wohl wenig ändern dürfte. Will die Gemeinde, dass Menschen auch künftig zusammenkommen, muss sie Lösungen finden – für den Knuedler, den Glacis und darüber hinaus. Denn ein Ort wird nicht allein dadurch zum Treffpunkt, dass er viel Platz bietet, sondern auch dadurch, dass Menschen sich gerne dort aufhalten.

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