Luxemburg-Stadt
Nun also doch: Wie die Stadt Luxemburg für mehr Grün sorgen will
Nach Kritik während der Hitzewelle hat die Stadt Luxemburg am Mittwoch ihr neues Begrünungskonzept vorgestellt. Geplant sind zusätzliche Maßnahmen an 37 Standorten und zunächst sieben Schlüsselprojekte – einige davon müssen jedoch erst ihre Machbarkeit unter Beweis stellen.
Die Verantwortlichen der Stadt Luxemburg haben am Mittwoch ein neues Begrünungskonzept präsentiert – nach Diskussionen in den vergangenen zwei Wochen Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante
Die hauptstädtische Bürgermeisterin Lydie Polfer (DP) war während der Hitzewelle Ende Juni stark kritisiert worden. Auslöser war ihre Antwort auf die Frage bei einer Pressekonferenz, welche Maßnahmen die Stadt gegen die Hitze und für mehr Begrünung ergreift. Am Mittwoch stellte die Gemeinde nun ein Begrünungskonzept vor, das mit einem Planungs- und Ingenieurbüro aus Bonneweg innerhalb von zwei Jahren ausgearbeitet wurde. Der Abschlussbericht war dem Schöffenrat im Juni präsentiert worden.
Grün und lebenswert
„Dieses Begrünungskonzept ist eine direkte Konsequenz unserer Schöffenratserklärung und unserer Bemühungen, die Stadt so grün und lebenswert wie möglich zu gestalten“, begann Lydie Polfer am Mittwochmorgen eine Pressekonferenz im hauptstädtischen Rathaus. Dort stellten fünf Verantwortliche der Stadt Luxemburg gemeinsam mit dem Geschäftsführer eines Planungs- und Ingenieurbüros das neue Begrünungskonzept vor.
Das Dokument identifiziert 37 Standorte in der Hauptstadt, die in den kommenden Jahren zusätzlich begrünt werden sollen. Dazu zählen unter anderem der Boulevard Royal und der Theaterplatz in der Oberstadt sowie die rue de Hollerich und die rue de Strasbourg im Bahnhofsviertel. „Das Konzept ist ein Fahrplan. Es wird nicht von heute auf morgen alles integral begrünt. Für manche Standorte wurden eigene Begrünungsprojekte entwickelt, an anderen wurden bestehende Planungen optimiert“, erklärte Pierre Schmitt, Umweltbeauftragter der Stadt.
Sieben Schlüsselprojekte
Ihm zufolge geht es nicht nur darum, „überall nur neue Bäume zu pflanzen“, sondern auch bestehende Grünflächen miteinander zu vernetzen, sie zu ergänzen und zu schützen. „Wir wollen diese Grünräume erreichbarer machen, damit jeder einen Platz im Schatten finden und sich erholen kann“, sagte der Umweltbeauftragte. In einem ersten Schritt sollen sieben Schlüsselprojekte in verschiedenen Stadtvierteln umgesetzt werden.

Nicht besonders grün: Auf dem Knuedler, der außer an den Rändern kaum Bäume aufweist, zeigte das Thermometer am 26. Juni 41 °C Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante
In der Oberstadt sollen so an den Zugängen zur „Groussgaass“ und zur rue Notre-Dame Sitzgelegenheiten mit zusätzlicher Begrünung entstehen. Allerdings muss noch geprüft werden, wie Lieferwagen die Bereiche passieren können, betonte Pierre Schmitt. Des Weiteren soll das Zentrum von Bonneweg neugestaltet werden. Erste Maßnahmen werden dort bereits ab Donnerstag im Rahmen der Aktion „Mäi Quartier – Meng Plaz“ auf der place Léon XIII testweise umgesetzt.
An insgesamt vier Standorten in der Hauptstadt sollen während der Sommermonate im Rahmen der genannten Aktion unter anderem zusätzliche Bäume und Pflanzen in Kübeln für mehr Grün sorgen. Insgesamt werden bei der Sommerinitiative 48 Bäume und 46 Pflanzen in Kübeln aufgestellt. Sonnensegel, Schirme und Wasserfontänen sorgen für mehr Komfort, während Bänke, Liegestühle oder Picknicktische eine gesellige Atmosphäre schaffen. Pétanque-Felder, Tischtennisplatten und zusätzliche Fahrradständer sollen mehr Aktivität in die Viertel bringen.
Langfristiger Fahrplan
Ein weiteres von sieben Schlüsselprojekten ist die mögliche Begrünung des kommunalen Verwaltungsgebäudes „Rocade“. Ob die gläserne Fassade tatsächlich begrünt werden kann, muss laut Pierre Schmitt allerdings zunächst geprüft werden. Vorgesehen ist zudem, die Rocade de Bonnevoie kurzfristig mit bepflanzten Elementen aufzuwerten, bevor diese später dauerhaft umgestaltet wird. Zu den weiteren Vorzeigeprojekten zählen die dritte Phase der Renaturierung des Petruss-Tals, die Neugestaltung der place de France in Belair sowie neue Erholungsbereiche an Gemeinschaftsgärten auf Cents.
Ob alles letztlich wie geplant umgesetzt wird, bleibt abzuwarten. Die Verantwortlichen der Stadt betonten während der Pressekonferenz nämlich mehrfach, dass viele Maßnahmen zunächst getestet und auf ihre Machbarkeit hin überprüft werden müssen. Während manches bereits in der kommenden Woche getestet wird, wird anderes erst in den nächsten fünf bis zehn Jahren realisiert. „Es ist ein Rahmenprogramm für die kommenden Jahre, das ständig angepasst wird“, erklärte Lydie Polfer.
Allgemein sollen unter anderem begrünte oder mit Fotovoltaik ausgestattete Dächer sowie hellere Parkflächen zu einer lebenswerteren Stadt beitragen. Zudem will die Stadt die Bevölkerung dazu ermutigen, selbst zur Begrünung beizutragen – etwa durch begrünte Dächer und Fassaden. Wie viele zusätzliche Grünflächen durch die Maßnahmen tatsächlich entstehen werden, konnten die Verantwortlichen am Mittwoch nicht beziffern.