Der Politflüsterer
Onkel Toms Sticker: Alarmstufe Regenbogen
Stickerkrise. Vandalismus. Ben on Tour. Homer staunt. Tourismus an der Sauer. Des Politflüsterers Wochenrückblick.
Kein Fan von Regenbögen: Tom Weidig. Foto: Editpress/Julien Garroy
Wie Dracula auf Sonnenlicht. So reagieren die neuen Luxemburger Rechten auf alles, was in Regenbogenfarben leuchtet. Kaum flattert irgendwo eine Regenbogenflagge, beginnt die Balz der Berufsempörten.
Ein bunter Pride-Sticker prangte auf einer Glasscheibe mit ADR-Logo. Andere hätten darin schlicht Dekoration gesehen. Onkel Tom erkannte eine Staatskrise und sprach von Schaden und Wiedergutmachung. Oh Tom! Der Politflüsterer würde den Sticker übrigens hängen lassen. Er machte das Schild eindeutig hübscher.
Zu beneiden ist Marc Krier nicht. Der erste Schöffe von Grevenmacher muss sich mit echtem Vandalismus beschäftigen, mit beschädigtem Eigentum, mutwilliger Zerstörung und den Kosten für die Allgemeinheit. Nun diffamieren selbst ernannte Sticker-Revolutionäre ihn als Vandalen. Möglicherweise eine Straftat. Spätestens dort hört der Spaß auf.
Beginnen tut der Spaß bei Ben Streff. Die neue Hoffnung der LSAP im Osten geht in ihrem Bezirk auf Kneipentour. Beim Auftakt in Wintringen zeigte Streff, was er unter 200 Prozent Engagement versteht. Während die einen Ham, Fritten und Zalot reinfeierten, hatte Ben draußen an den Tischen ein offenes Ohr für die Jungsozialisten. Ob daraus gute Politik wird, sei dahingestellt, aber es erzählt etwas über unterschiedliche Vorstellungen von Volksnähe.
Empörung über Christopher Nolans „Odyssee“. Helena dürfe keine schwarze Hautfarbe haben, heißt es – unter anderem. Homer hätte sich vermutlich nicht träumen lassen, dass seine Figuren fast 2800 Jahre später noch immer Stoff für Kulturkämpfe liefern würden. Der Politflüsterer staunt indes über die erstaunliche Genauigkeit, mit der plötzlich historische Authentizität eingefordert wird. Beim weißen Jesus hat sie jahrhundertelang erstaunlich selten jemanden gestört.
Wasserbillig sucht nach neuen Ideen für den Tourismus an der Sauer. Es wird geredet und geplant. Dabei war die größte Attraktion früher ganz einfach: Die Menschen gingen baden. Heute traut sich das angeblich kaum noch jemand. Die Wiesen entlang der Sauer bleiben leer. Der Politflüsterer vermutet deshalb, dass weniger neue Konzepte als sauberes Wasser helfen würden. Zu dumm nur, dass der Tourismusminister nicht auch noch Umweltminister ist. Eine intakte Natur ist schließlich noch immer das beste Argument, Menschen anzulocken, denkt sich der Politflüsterer und macht sich auf ins Kino. (Marco Goetz)