Editorial

Die Auseinandersetzung um Unisex-Toiletten wirft kein gutes Licht auf die Regierung

Bei der Einführung von Unisex-Toiletten lässt die CSV sich von der ADR vor den Karren spannen und geht gegen ihren Koalitionspartner DP. Premier Luc Frieden hat nur noch ein Ziel: Das verloren gegangene Vertrauen in ihn und seine Partei zurückzugewinnen, damit die CSV auch nach 2028 an der Macht bleibt.

Ricardo Marques rettet „neie Luc“ nach ADR-Vorwürfen zur Einführung von Unisex-Toiletten an Schulen

Ricardo Marques (rechts) hatte die Ehre des „neie Luc“ gerettet, nachdem die ADR den Premier verdächtigt hatte, Unisex-Toiletten an Schulen einführen zu wollen Foto: Editpress/Didier Sylvestre

„Wir sind die, die von der ADR scharf attackiert wurden. Das scheint aber nicht mehr die Debatte zu sein. Sie haben aber stundenlang in den sozialen Medien geschrieben, dass ‚der neue Luc‘ separate Toiletten abschaffen will“, klagte der CSV-Abgeordnete Ricardo Marques am Samstag im Wort. Als Gleichstellungsministerin Yuriko Backes und Bildungsminister Claude Meisch von der DP ihre Pläne zur Einführung von Unisex-Toiletten in den Schulen am Dienstag in der Kammerausschusssitzung vorstellten, hatte die CSV sie noch mit Interesse und Wohlwollen aufgenommen. Fred Keup von der ADR hatte die Regierung zwar gewarnt, sie solle auch die „Werte“ derer beachten, die der Meinung seien, es gebe nur zwei Geschlechter; von „Wokeness“ und „Umerziehung in ihrer Ideologie“ sprach er jedoch erst nach der Sitzung in den sozialen Netzwerken, wo die ADR eine Hetzkampagne initiierte. Was auch die CSV dazu veranlasste, sich plötzlich auf Facebook „KLOER GÉINT UNISEX VESTIAIREN AN UNISEX TOILETTEN AN DE SCHOULEN!“ auszusprechen und diese inklusive Maßnahme zu verwerfen, die sich in erster Linie an Trans-Personen und nicht-binäre Menschen richtet, denen die CSV in ihrem Wahlprogramm noch eine „stärkere Akzeptanz“ versprochen hatte. Es ist nicht das erste Mal, dass die CSV sich von Rechtspopulisten vor den Karren spannen lässt.

Die Auseinandersetzung um Unisex-Toiletten wirft kein gutes Licht auf die Regierungskoalition – im Besonderen auf die CSV. Anders als etwa in der Abtreibungsdebatte, war es diesmal nicht ein einzelner Abgeordneter, der mit der Parteilinie und der Koalitionsräson brach. Es war die CSV als Partei, die sich den Plänen der Regierung „kloer“ entgegenstellte.

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