Editorial
Sportmonat Januar: Volle Kulissen, große Euphorie
Große Events, volle Tribünen. Der Januar war im luxemburgischen Sport alles andere als langweilig. Eine Euphorie, die die Klubs auch zu gerne mit in ihren Alltag nehmen würden.
Das Gymnase der Coque war bei den Halbfinalspielen des Basketballpokals „on fire“ Gerry Schmit Gerry Schmit
Von wegen ruhiger Januar: Wer in den letzten Wochen im luxemburgischen Sport unterwegs war, dem dürfte nicht entgangen sein, dass es mit dem Beginn des neuen Kalenderjahres kaum Zeit zum Durchschnaufen gab. In den letzten 28 Tagen reihte sich ein sportlicher Höhepunkt im Großherzogtum an den anderen. Längst vorbei sind die Zeiten, in denen sich die Sportwelt hierzulande zu Jahresbeginn im Winterschlaf befand, die Zuschauer vielmehr den Meisterschaftsentscheidungen im Frühling entgegenfieberten. Dass nicht nur König Fußball die Menschen von den Sitzen reißt, das haben die letzten 28 Tage einmal mehr bewiesen.
So strömten am Wochenende der Halbfinalspiele im Basketballpokal mehr als 5.000 Zuschauer ins Gymnase der Coque. Schon freitags, als die Endspiele in der Coupe FLBB, dem Pokal der untersten Divisionen, ausgetragen wurden, waren es 1.400. Am gleichen Wochenende fanden sich auch rund 1.000 Zuschauer an der Cyclocross-Strecke in Diekirch ein, um die nationalen Titelentscheidungen mitzuverfolgen. Eine bemerkenswerte Zahl, blieb das Wetterthermometer an diesem Sonntag doch immerhin die ganze Zeit im Minusbereich. Auch das CMCM-Meeting in der Leichtathletik durfte sich einmal mehr über einen großen Zuschauerzuspruch freuen und übertraf den bisherigen Zuschauerrekord von 2.580 Fans. Dabei dümpelte die Leichtathletik, was das Zuschauerinteresse betrifft, vor der Corona-Krise eher im Niemandsland vor sich hin. Mit dem EuroMeet im Schwimmen, dem Davis Cup – im letzten Jahr übrigens ausverkauft – und den Endspielen im Basketballpokal stehen auch an den nächsten beiden Wochenenden Events auf dem Programm, die für volle Hallen sorgen dürften.
Erklärungen für diese Beliebtheit gibt es einige. Beim Basketballverband ist seit mehr als 20 Jahren bekannt, wie attraktiv die entscheidenden Pokalbegegnungen in der Coque sind. Nachdem die Zahlen zwischenzeitlich zurückgegangen waren, hat es der Vorstand um Präsident Samy Picard in den letzten Jahren, auch dank einer viel besseren Vermarktung und eines größeren Fokus auf den Eventcharakter, geschafft, das Zuschauerinteresse wieder deutlich zu wecken. Auch der VC Diekirch hat im Vorfeld der Cyclocross-Meisterschaften ordentlich die Werbetrommel gerührt. Das CMCM-Meeting wird seit 2025 beim Weltverband derweil als Silber-Label klassiert, lockt damit auch mehr internationale Topathleten an. Die rezenten Leistungen einer Patrizia Van der Weken oder eines Ruben Querinjean helfen natürlich zusätzlich.
Cyclocross-Landesmeister Loïc Bettendorff kam nach den gelungenen Meisterschaften schon auf die Idee, auf dem Gelände in Diekirch einen internationalen Wettkampf zu organisieren. Hier dürfte sich aber einmal mehr die Frage der Manpower stellen. Denn während sich die freiwilligen Helfer um Aufgaben beim CMCM-Meeting rissen, sieht dies im Vereinsalltag ganz anders aus und gerade auf die vielen „Bénévoles“ kommt es eben auch an. Es gilt, sich die Frage zu stellen, wie die Euphorie der großen Events auch mit in die Klubs genommen werden kann. Denn hier ist die Geisterkulisse leider zu oft bitterer Alltag.