Temperaturen
Unter der Hitze-Glocke: So warm ist das Jahr 2026 in Luxemburg tatsächlich
Warm, wärmer, 2026? Wir haben die Temperaturen der vergangenen Jahrzehnte analysiert und mit den Daten bis Juli verglichen. Bis jetzt deutet tatsächlich einiges darauf hin: Luxemburg steuert abermals auf ein Rekordjahr zu.
Die Sonne knallt in diesem Sommer unerbittlich auf Luxemburg. Erst am Mittwoch wurde für die kommenden Tage wieder Alarmstufe orange ausgerufen. Grafik: Louis Elsen/AFP
Es ist eine Meldung, die nicht überrascht hat – aber dennoch schockierend ist: Westeuropa hat gerade den heißesten Juni und Juli seit Beginn der Wetteraufzeichnungen erlebt. 21,62 Grad im Durchschnitt wurden gemessen, teilt der EU-Klimadienst Copernicus am Montag mit. Für Copernicus ist „Westeuropa“ ein rechteckiges Gebiet von der Iberischen Halbinsel bis nach Nordostdeutschland. Luxemburg? Liegt also mittendrin.
Mittendrin in der Hitze
Dass auch das Großherzogtum in den vergangenen Monaten unter wiederholten Hitzewellen gelitten hat, wird wohl den wenigsten entgangen sein. Aber sind die Temperaturwerte auch bei uns so dramatisch ausgefallen wie im Rest des Copernicus-Erfassungsgebiets? Ja, sind sie. „Das Bild aus Westeuropa findet sich in Luxemburg wieder“, erklärt Luca Mathias von Meteolux gegenüber dem Tageblatt.
Hitzerekorde am Findel
- 39 Grad – 25. Juli 2019
- 38,2 Grad – 26. Juni 2026
- 37,9 Grad – 8. August 2003
- 37,9 Grad – 12. August 2003
- 37,8 Grad – 27. Juni 2026
- 37,7 Grad – 24. Juli 2019
- 37,2 Grad – 9. August 2003
- 36,6 Grad – 11. August 1998
- 36,5 Grad – 6. August 2003
- 36,5 Grad – 7. August 2003
Der Hitzerekord vom 18. Juli 1964 (35,1 Grad), der 30 Jahre lang Bestand hatte, ist auf dieser Liste auf dem 27. Platz.
Der absolute Hitzerekord in Luxemburg wurde ebenfalls 2026 gebrochen – eine Agrimeteo-Wetterstation des Landwirtschaftsministeriums maß in Remich am 26. Juni sagenhafte 41,4 Grad.
Im Mittel wurden im Juni und Juli 20,6 Grad Celsius an der Meteolux-Wetterstation am Flughafen Findel gemessen. Dieser Wert liegt nur knapp unter dem Westeuropa-Durchschnitt. Juni und Juli 2026 kratzten auch in Luxemburg an der Rekordmarke. Sie waren – gleichauf mit 2006 – zusammengerechnet die wärmsten seit Messbeginn am Findel im Jahr 1947, wie Luca Mathias erklärt.
Im Vergleich zum Sommer 2006 gab es in diesem Jahr aber einen Unterschied. „Damals kam der Rekord über einen extremen Juli“, sagt Meteorologe Luca Mathias. Der Juli 2006 halte mit 23,5 Grad im Durchschnitt bis heute den Rekord. 2026 bewegten sich beide Monate dagegen auf „gleichmäßig hohem Temperaturniveau“. Der Juni 2026 war mit 19,9 Grad der wärmste Juni überhaupt, der je am Findel gemessen wurde. Der Juli mit 21,2 Grad immer noch der fünftwärmste.
Was 1976 ein Jahrhundertsommer war, liegt heute im oberen Normalbereich
Luca Mathias
Meteorologe
Was vielen Menschen sicherlich ebenfalls zu schaffen macht, sind dabei auch die Temperaturen, die nachts vorherrschen. Sinkt die Temperatur nicht mehr unter die 20-Grad-Marke, sprechen Meteorologen von einer Tropennacht. „Zwischen 1961 und 1990 traten Tropennächte im Schnitt alle fünf Jahre einmal auf – in der heutigen Zeit bereits zweimal jährlich“, sagt Luca Mathias. 2026 wurden an der Meteolux-Wetterstation am Findel bereits sechs Tropennächte gemessen – alle im Juni.
Hitzenächte in Luxemburg
Aber es gibt noch einen weiteren Ausschlag auf der Skala, der vor Augen führt, wie real der Anstieg der Temperaturen in unseren Breiten ist. Mathias: „Januar bis Juli 2026 war mit einem Temperaturmittel von 11,4 Grad die wärmste Januar-Juli-Periode, die am Findel je gemessen wurde – gleichauf mit 2007.“ Der Langzeit-Trend bei Temperatur und Sonnenscheindauer sei eindeutig, sagt Mathias. „Die Sommer haben sich seit 1947 um gut 0,4 Grad pro Jahrzehnt erwärmt.“
Rekorde im Tagesrhythmus
Wie warm das Jahr 2026 tatsächlich ist, zeigt auch ein tieferer Blick in die Datenreihen von Meteolux. Seit fast 80 Jahren werden dort für jeden Tag die am Findel gemessenen Tageshöchsttemperaturen festgehalten. 2026 lag dieser Wert bis jetzt 19 Mal über der 30-Grad-Marke. Das gab es noch in keinem Jahr zuvor – und dabei reichen die Daten bis jetzt nur bis Ende Juli, beinhalten bisher nicht einmal die Werte vom August.
Hitzetage in Luxemburg
Tage, an denen die 35-Grad-Marke überstiegen wird, werden ebenfalls immer häufiger. Am 18. Juli 1964 zeigte das Thermometer am Findel erstmals mehr als 35 Grad an – 35,1. Ein nationaler Hitzerekord, der Jahrzehnte lang Bestand haben sollte. Erst am 21. Juli 1995 wurde er mit 35,7 Grad geknackt. In Juni und Juli 2026? Stand das Quecksilber bereits fünfmal über der 35-Grad-Marke.
Dass sogar die 38-Grad-Marke gerissen wird, kam bis jetzt nur zweimal vor. Einmal am 25. Juli 2019, dem derzeitigen Hitzerekord, als am Findel sagenhafte 39 Grad gemessen wurden. Und einmal am 26. Juni dieses Jahres. Mit 38,2 Grad.
„Was 1976 ein Jahrhundertsommer war, liegt heute im oberen Normalbereich – und diese Verschiebung wird sich sehr wahrscheinlich fortsetzen“, sagt Mathias.
Kein Unterschied beim Niederschlag – aber bei der Trockenheit

Unser Foto des Tages vom Mittwoch zeigte einen trockenen Acker bei Lauterborn Foto: Editpress-Archiv/Fabrizio Pizzolante
Beim Niederschlag ist dagegen kein statistisch signifikanter Trend nachweisbar, weder auf ein Jahr bezogen noch für die Sommerperiode. Allerdings, sagt Meteorologe Luca Mathias: „Was entscheidend ist, ist das Zusammenspiel der Temperatur mit der Bodenfeuchte.“ Auch bei gleichbleibender Niederschlagsmenge steige mit der höheren Temperatur die Verdunstung, sodass die Böden schneller austrocknen und Trockenphasen häufiger kritisch würden. „Einen Sommer, wie wir ihn gerade erleben, werden in den nächsten Jahrzehnten zusehends wahrscheinlicher.“