„Taskforce“ gegen invasive Art
Stadt Luxemburg entfernt Nester der Asiatischen Hornisse künftig kostenlos
Mit einer eigens eingerichteten Spezialeinheit verstärkt Luxemburg-Stadt die Maßnahmen gegen die Asiatische Hornisse. Diese soll Nester gezielt entfernen und damit die Ausbreitung eindämmen.
Asiatische Hornissen sitzen auf ihrem Nest Foto: Boris Roessler/dpa picture alliance via AFP
Sie gilt als aggressiv, hat kaum natürliche Feinde und breitet sich seit 2004 unaufhaltsam in ganz Europa aus. Auch in Luxemburg ist die Asiatische Hornisse längst etabliert. Als Fressfeind von Honigbienen und anderen Bestäubern gefährdet die invasive Tierart vor allem das ökologische Gleichgewicht und die lokale Biodiversität. Luxemburg-Stadt will der zunehmenden Ausbreitung der invasiven Tierart nun ein Ende bereiten – mit einer eigens innerhalb des Sicherheitsdienstes eingerichteten „Taskforce“.
Eine Hornissenkönigin beim Ausbau eines Primärnests Foto: Jérôme Morbé
Wie die Stadt am Mittwoch bei der monatlichen Pressekonferenz „City Breakfast“ mitteilte, hat die spezialisierte Einheit die Aufgabe, die Nester von Asiatischen Hornissen im gesamten Gebiet der Stadt Luxemburg zu entfernen. Die Einsätze erfolgen nicht nur im öffentlichen Raum – auch Privatpersonen können die kostenlose Leistung anfordern. Auf Privatgrundstücken entfernen die Einsatzkräfte Nester, wenn diese leicht zugänglich sind, unabhängig von ihrer Größe.
Wer künftig also in der Hauptstadt auf das Nest einer Asiatischen Hornisse stößt, kann dieses bei der zuständigen Behörde melden – per E-Mail (vespavelutina@vdl.lu), per Telefon (+352 47 96 38 39), über das System „Report-it“ oder über die „cityapp“.
Bei einer Meldung per E-Mail müssen der genaue Fundort sowie ein Foto des Nests und des Tieres beigefügt werden, um Verwechslungen zu vermeiden. Die Stadt ruft die Bürger außerdem zur Vorsicht auf und bittet darum, Nester Asiatischer Hornissen aus Sicherheitsgründen nicht selbst zu entfernen.
Informationsveranstaltung
Die Stadt Luxemburg organisiert im Juni eine Informationsveranstaltung zur Asiatischen Hornisse als invasive Art, ihren Auswirkungen auf die Biodiversität sowie zum Umweltschutz. Teilnehmern wird vermittelt, wie sie bei der Entdeckung eines aktiven Nests vorgehen sollen, um die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten und bei der Eindämmung der Ausbreitung der Hornisse helfen können.
- Wann? Mittwoch, 3. Juni 2026 um 18.30 Uhr
- Wo? Kulturzentrum Cessingen (1, rue St-Joseph, L-1838 Luxemburg)
- Interessenten müssen sich bis zum 22. Mai per E-Mail (vespavelutina@vdl.lu) anmelden
Auch Schengen setzt auf direkte Hilfe
Ähnlich wie in Luxemburg-Stadt behandelt auch die Gemeinde Schengen das Problem. Um Einwohner im Umgang mit der für Mensch und Tier problematischen Art zu unterstützen, setzt der Schöffenrat auf eine einfache und direkte Lösung.

Eine betäubte Königin der Asiatischen Hornisse Foto: Boris Roessler/dpa picture alliance via AFP
Wird ein Hornissennest gemeldet und nach Prüfung als Nest der Asiatischen Hornisse identifiziert, beauftragt die Gemeinde einen spezialisierten Betrieb mit der Entfernung. Die Kosten übernimmt die Gemeinde vollständig, die Rechnung geht direkt an sie. Ziel sei es, den Verwaltungsaufwand für Betroffene so gering wie möglich zu halten und schnelle Hilfe zu gewährleisten, erklärte Bürgermeister Michel Gloden in der Gemeinderatssitzung am Dienstag.
Ergänzend sind Informationsveranstaltungen geplant: eine für das Gemeindepersonal und eine weitere für interessierte Bürger. Damit soll das Wissen über den Umgang mit der invasiven Art vor Ort gestärkt werden.
Notfallplan für 2026
Anfang April hatte die Luxemburger Regierung bereits einen neuen Notfallplan für 2026 angekündigt – mit dem Ziel, schnell und koordiniert zu reagieren, um die invasive Art einzudämmen und die lokale Biodiversität zu schützen. Kern des Notfallplans ist die gezielte Entfernung der sogenannten Primärnester, die von den Königinnen im Frühjahr gebaut werden. Um die frühe Nestvernichtung zu fördern, stellt das Ministerium für Umwelt, Klima und Biodiversität finanzielle Hilfen für Eigentümer von Privatgrundstücken bereit. Je nach Nestgröße können diese bis zu 300 Euro für die professionelle Entfernung von Hornissennestern erhalten.
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Bekämpfung stößt in Deutschland an Grenzen
Im Gegensatz zu Luxemburg hat Deutschland den Kampf gegen die Asiatische Hornisse aufgegeben. Seit dem vergangenen Jahr gilt sie dort als „weit verbreitet“. Seitdem sind die Naturschutzbehörden nicht mehr zur Beseitigung aller Nester verpflichtet. Laut dem zuständigen Ministerium ist eine Ausbreitung trotz aufwendiger Maßnahmen nicht aufhaltbar. Eine intensive Bekämpfung habe kaum Auswirkungen. Auch sei eine flächendeckende Beseitigung von Nestern nicht umsetzbar und mit hohen Kosten verbunden. Besonders in Rheinland-Pfalz hat sich die invasive Art massiv ausgebreitet. So wurden im Jahr 2024 mehr als 700 Nester gezählt und damit nahezu doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Im Jahr 2021 waren es nur sechs Nester. (les)
Vespa velutina nigrithorax

Die asiatische Hornisse (r.) und ihre europäische Verwandte (l.) Foto: Anf
Die Asiatische Hornisse („Vespa velutina nigrithorax“) stammt ursprünglich aus Südostasien. Im Jahr 2004 wurde sie erstmals im Südwesten Frankreichs nachgewiesen – vermutlich eingeschleppt durch den Schiffsverkehr, als eine befruchtete Königin in einer Warenlieferung den Weg nach Europa fand. Alle heute bekannten Nester in Europa lassen sich laut Jérôme Morbé, dem Wespenberater der Gemeinde Bettemburg, genetisch auf diese eine Königin zurückführen. Von den heimischen Hornissen ist sie leicht zu unterscheiden: Die Asiatische Hornisse ist kleiner, hat einen dunklen Körper und gelbe Füße.