Domaine Tageblatt
Die große Abrechnung: So viel hat unser Rivaner (ungefähr) in der Produktion gekostet
Von der Pacht über Arbeitsstunden und Materialkosten bis hin zur Kellerarbeit: Herauszufinden, was unser Rivaner in der Produktion gekostet hat, ist keine einfache Aufgabe. Wir liegen aber wohl über sechs Euro pro Flasche und damit haben wir den Wein noch nicht an den Kunden gebracht.
239 Arbeitsstunden haben wir in unser Projekt investiert: wmarxcohl wenig Effizienz, dafür aber sehr viel Herzblut Foto: Editpress/Alain Rischard
Zahlen, der größte Feind des Journalisten. Noch nie konnte ich diese Aussage so gut nachfühlen wie jetzt. Seit anderthalb Jahren läuft unser Weinprojekt Domaine Tageblatt bereits. Seit etwas mehr als einem Jahr nehmen wir uns vor, eine Kostenrechnung für die Produktion unseres Weines aufzustellen. Jetzt, eine Woche vor dem Launch-Event des Tageblatt-Rivaners, ist es so weit. Und wir mussten relativ schnell feststellen, dass es keine einfache Rechnung ist. Das liegt aber nur zum Teil daran, dass wir das Ganze haben schleifen lassen.
Sie wollen unseren Wein verkosten? Dann melden Sie sich an!
Am 29. April stellen wir ab 18.00 Uhr im Kulturzentrum Machera in Grevenmacher unseren Rivaner vor. Beginnen werden wir mit einer kleinen Vorstellung unseres Projektes und einem kurzen Rundtischgespräch mit Weinbauministerin Martine Hansen (CSV) sowie den Winzern Corinne Kox, Michèle Mannes und Bob Molling. Anschließend gibt es dann den Tageblatt-Rivaner zu verkosten und die Möglichkeit, den Wein zu bestellen. Anmelden können Sie sich über diesen Link.
Da immer mehr Parzellen in den Weinbergen brachliegen, fängt es schon damit an, dass es schwierig ist, einen Pachtpreis festzulegen. Für gute Lagen mit gefragten Rebsorten kann der Preis schon mal bei 2.500 Euro pro Hektar liegen. Das wären 750 Euro für eine Parzelle von 30 Ar, wie wir sie bewirtschaftet haben. Da Rivaner jetzt nicht die gefragteste Rebsorte ist, gehen wir einfach von einem fiktiven Pachtpreis von 500 Euro aus. Bei 2.700 produzierten Flaschen macht das rund 19 Cent pro Flasche, noch bevor wir überhaupt angefangen haben zu arbeiten.
Zwei Euro pro Flasche im Weinberg
Die Arbeiten im Weinberg begannen im Winter mit dem Rückschnitt. Dann ging es weiter mit Binden, Putzen, Entblättern, Proben ins Labor bringen und schließlich der Lese. Pro Hektar Rebfläche kann man mindestens 200 Arbeitsstunden pro Jahr rechnen. Je nachdem, ob Hanglage, Hand- oder maschinelle Lese, variiert es ein wenig. Als absolute Laien benötigten wir vom Winterschnitt bis zur Lese 214 Arbeitsstunden für unsere 30 Ar. Wir waren vielleicht nicht sehr effizient, dafür aber mit umso mehr Herzblut dabei. Das macht in unserem Fall rund 5.600 Euro Lohnkosten und pro Flasche rund zwei Euro. Rechnet man dann noch die Kellerarbeit unmittelbar nach der Lese hinzu sowie das Abfüllen der Flaschen, das Etikettieren und das Verpacken, kommen noch einmal rund 25 Arbeitsstunden und Lohnkosten von rund 650 Euro hinzu. Pro produzierte Flasche macht das noch einmal 24 Cent aus.

Grafik: Tageblatt/Jil Scheuer
Wir haben zwar mit Durchschnittslöhnen gerechnet und nicht auf Saisonarbeiter zurückgegriffen, allerdings haben wir uns nicht selbst um den Pflanzenschutz gekümmert und auch den Ausbau unseres Weines nicht selbst verfolgt. Auch die Kosten für Maschinen sind noch nicht inbegriffen. „Da kommt schon noch was zusammen“, sagt Marc Kohll vom Domaine VitiKohll. Der junge Winzer hat den Familienbetrieb aus der Genossenschaftskellerei herausgenommen und produziert nun seine eigenen Weine. „Ich musste also erst einmal eine ganze Kellerei aufbauen, was mit großen Investitionen verbunden ist.“ Die genauen Kosten hier aufzuschlüsseln, würde zu weit führen. Angefangen mit einer Weinpresse, die gebraucht bereits um die 20.000 Euro kosten kann.

Marc Kohll Foto: privat
Hohe Anschaffungskosten
Edelstahlfässer von 2.500 Litern kosten neu um die 3.500 Euro, halten aber eigentlich ein Leben lang. Bei Holzfässern sieht es anders aus. Unter 1.000 Euro bekommt man eigentlich kein Fass mehr. Hier passen in der Regel nur 250 Liter hinein und damit die Holznote im Wein erhalten bleibt, kann das Fass auch nur einige Jahre genutzt werden. Weshalb im Holz ausgebaute Weine in der Regel auch teurer sind. Dann braucht es noch Schläuche, Pumpen und einiges mehr. „Wer seinen Wein bei einem Kellermeister ausbauen will, der muss wohl mit zwei bis drei Euro pro Flasche rechnen“, schätzt Marc Kohll. Dann sollte der Wein aber auch schon abgefüllt sein. Kohll selbst hat keine eigene Füllanlage, die in der Regel ein paar Hunderttausend Euro kostet. „Dafür produziere ich nicht genug, dass sich diese Anschaffung jetzt schon lohnen würde.“ Er greift also auf einen externen Anbieter zurück. „Unter 14 Cent pro Flasche bekommt man seinen Wein nicht abgefüllt“, so Kohll. Doch bevor abgefüllt werden kann, muss man erst einmal Flaschen beschaffen. Hier liegt man bei rund 60 Cent, dazu kommen 15 Cent für den Verschluss, zehn Cent fürs Etikett und noch einmal fünf Cent fürs Rückenetikett. Macht also 90 Cent.
Viele Variablen
Wenn wir das nun auf unseren Rivaner herunterrechnen, kommen wir auf 2,5 Euro pro Flasche für Pacht und Lohnkosten, Flasche mit Etikett und Verschluss rund 90 Cent und dann noch einmal zwei Euro pro Flasche für den Ausbau des Weines in der Kellerei. Das macht Produktionskosten von 5,4 Euro pro Flasche. Zählt man dann noch den Pflanzenschutz und die Maschinen hinzu, sowie die benötigten Versicherungen ist man wohl näher an sieben als an sechs Euro pro Flasche.

Jeff Konsbrück Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante
Jeff Konsbrück, selbst Winzer und Vizepräsident der „Privatwënzer asbl“, hält diese Rechnung durchaus für plausibel. „Natürlich hängt es von vielen Faktoren ab.“ Pro Hektar könne man aber mit rund 14.000 Euro Kosten rechnen, allein für die Arbeit im Weinberg. „Dann kommt es darauf an, ob man auf einem Hektar 5.000 oder 10.000 Liter produziert. Da wir auf Qualitätsweine setzen, kann man mit 5.000 bis 7.000 Liter pro Hektar rechnen“, sagt Konsbrück. Macht also zwischen zwei und 2,80 Euro pro Liter. Rebsorten wie der Rivaner, die momentan nicht sehr gefragt sind, da gehen Winzer auch schon mal auf 9.000 Liter pro Hektar, was die Kosten natürlich senkt.
Mit rund sechs Euro an Kosten pro Flasche hat der Winzer sie zwar fertig im Keller stehen, aber noch nicht verkauft. Kosten für Marketing, Arbeitsstunden auf Weinmessen und so weiter kommen noch obendrauf. „Und man muss den Leuten den Wein ja auch zur Verkostung anbieten. Ich rechne, dass ich eine Flasche zur Verkostung ausgebe, um 50 Flaschen zu verkaufen“, sagt Konsbrück. Und die Kosten für diese Flaschen muss er schließlich auch noch über den Verkauf einnehmen.