Muttertag
Warum Luxemburg den „Mammendag“ im Juni feiert
Am 14. Juni ist „Mammendag“. Doch wer hat den Muttertag eigentlich erfunden? Und warum feiern die Luxemburger ihre Mütter erst im Juni, während anderswo die Blumen längst verschenkt wurden?
Pünktlich zum Muttertag hat die Stadt Grevenmacher nun wieder einen Blumenladen: das Atelier Verde von Isabelle Bastian Foto: Marco Goetz
Die Spur des Muttertags führt in die USA des frühen 20. Jahrhunderts. Dort setzte sich die Amerikanerin Anna Jarvis für einen offiziellen Ehrentag für Mütter ein. 1914 erklärte US-Präsident Woodrow Wilson den zweiten Sonntag im Mai zum nationalen Muttertag. Die Idee verbreitete sich anschließend weit über die Grenzen der USA hinaus.
Erfinderin des Muttertags wird seine schärfste Kritikerin
Mit Blumen, Pralinen und Frühstückstabletts hatte die ursprüngliche Idee allerdings wenig zu tun. Anna Jarvis wollte vor allem die Leistungen von Müttern würdigen. Umso größer war später ihr Ärger, als ihr Feiertag zunehmend von Floristen, Süßwarenherstellern und Grußkartenfirmen entdeckt wurde. Die Erfinderin des Muttertags wurde schließlich zu einer seiner schärfsten Kritikerinnen.
Luxemburgs eigener Weg
Luxemburg übernahm zwar die Idee des Muttertags, nicht aber dessen Datum. Seit 1927 wird der „Mammendag“ am zweiten Sonntag im Juni gefeiert. Warum man sich damals für einen anderen Termin entschied, ist heute nicht mehr eindeutig nachvollziehbar. Damit ist das Großherzogtum innerhalb der Europäischen Union ein Sonderfall.
Besonders interessant ist Deutschland. Dort wurde der Muttertag erstmals am 13. Mai 1923 gefeiert. Eingeführt vom Verband Deutscher Floristen, die dabei einen bemerkenswerten Geschäftssinn bewiesen.
Die Nationalsozialisten erklärten den Muttertag 1933 zum offiziellen Feiertag und stellten ihn in den Dienst ihrer Familien- und Bevölkerungspolitik. Die Mutter wurde zum Symbol ihres Frauenbildes. Nach dem Zweiten Weltkrieg verschwand diese politische Instrumentalisierung wieder.
Warum es unterschiedliche Termine für den Vatertag gibt
Auch die Väter haben bekanntlich ihren Ehrentag. Allerdings wird es beim Vatertag noch unübersichtlicher als beim Muttertag. Anders als dieser kennt er weltweit keinen einheitlichen Termin. In Luxemburg wird er am ersten Sonntag im Oktober gefeiert. In Deutschland fällt er traditionell auf Christi Himmelfahrt. In Frankreich wiederum steht er im Juni im Kalender.
Der Grund dafür ist einfach: Mutter- und Vatertag entstanden unabhängig voneinander. Während sich der Muttertag von den USA aus in vielen Ländern verbreitete, entwickelten sich die Traditionen rund um den Vatertag oft eigenständig. Eine internationale Regelung, die einen gemeinsamen Termin festgelegt hätte, gab es nie.
Feiertag mit vielen Gesichtern
Der Muttertag ist längst ein weltweites Phänomen. In Thailand wird er am 12. August gefeiert, in Indonesien am 22. Dezember. In Äthiopien ist er Teil eines mehrtägigen Familienfestes nach der Regenzeit. Australien wiederum folgt wie die USA dem zweiten Sonntag im Mai.
Die spannendste Entwicklung betrifft vielleicht weder den Mutter- noch den Vatertag selbst, sondern die Vorstellung von Familie. Als der Muttertag entstand, war das gesellschaftliche Familienbild klar umrissen: Mutter, Vater, Kinder.

Orchideen liegen dieses Jahr offenbar stark im Trend Foto: Marco Goetz
Wie sich die Bedeutung des Muttertags verändert hat
Heute leben Kinder in Patchworkfamilien, bei Alleinerziehenden oder in Regenbogenfamilien. Dadurch hat sich auch die Sicht auf den Muttertag verändert. Für viele Menschen steht längst nicht mehr allein die biologische Mutter im Mittelpunkt, sondern jene Person, die Fürsorge, Geborgenheit und Verantwortung übernimmt.
Und falls noch jemand auf der Suche nach einem passenden Geschenk ist: Besonders gefragt seien in diesem Jahr Orchideen, sagt Isabelle Bastian vom erst Anfang dieser Woche eröffneten Atelier Verde in Grevenmacher.