Centre national de l‘audiovisuel
Kulturminister reagiert auf Vorwürfe: „Emotionalität aus der Diskussion herausbekommen“
Im CNA sorgt ein Modernisierungsprozess für Konflikte: Der ehemalige Mitarbeiter Joy Hoffmann kritisiert eine autoritäre Führung und die Vernachlässigung wertvoller Bestände – das CNA reagiert mit Reformversprechen. Kulturminister Eric Thill stellt sich hinter die Leitung und Mitarbeiter des „Centre national de l‘audiovisuel“.
Kulturminister Eric Thill stellt sich hinter die Leitung des CNA Fotos: Editpress/Julien Garroy, Fabrizio Pizzolante
Der ehemalige Leiter des Filmdepartements im „Centre national de l’audiovisuel“ (CNA) in Düdelingen, Joy Hoffmann, übte in einem Forum-Beitrag im Tageblatt scharfe Kritik an den Zuständen vor Ort. Das Personal leide unter autoritärer Führung, langjährige Kuratoren seien verdrängt und die Teutloff-Fotosammlung durch technische Fehlentscheidungen beschädigt worden. Die teuren Investitionen in das Ciné Starlight seien unverantwortlich und das Archiv sei seit mehr als einem Jahr geschlossen. Dem Ministerium wirft er vor, die Probleme nicht ausreichend zu beachten.
Kulturminister Eric Thill reagierte am Montag bei Radio 100,7 auf die Vorwürfe: Er nehme diese ernst, sie seien jedoch auch eine persönliche Meinung in Form eines Leserbriefs. Jeder sei frei, seine Meinung zu sagen, doch es sei wichtig, „bei den Fakten zu bleiben“ – diese werde das CNA noch am Montag liefern. Im CNA finde derzeit ein Modernisierungsprozess statt und dieser sei nicht immer einfach – er stehe hinter der Direktion.
Das CNA nahm tatsächlich in einem ausführlichen Presseschreiben Stellung, ohne allerdings wirklich auf die konkreten Kritikpunkte einzugehen. Seit mehreren Jahren würden strukturelle Reformen und Modernisierungen umgesetzt, darunter ein neues Organigramm, interne Leitfäden, ein Verhaltenskodex, Mitarbeiterbefragungen und die Digitalisierung der Bestände. Die vorzeitige Schließung der Teutloff-Ausstellung im Juli 2025 sei eine vorsorgliche Maßnahme zum Schutz der Werke gewesen, verursacht durch außergewöhnliche klimatische Bedingungen. Ein unabhängiges Gutachten zur Klimatisierung laufe und ein rigoroses Restaurierungsprotokoll sei bereits umgesetzt. Zugleich arbeite das CNA an einem langfristigen Monitoring-System für die Lagerbedingungen und an der Modernisierung der Arbeitsabläufe.
„Von oben herab“
„Sie schreiben in der Mitteilung das, was sein soll, nicht das, was ist“, kritisierte Joy Hoffmann am Dienstagmorgen gegenüber Radio 100,7. Dass seine Vorwürfe wie von Minister Thill dargestellt eine persönliche Meinung seien, beschrieb er als „von oben herab“. Denn: Das Lëtzebuerger Land habe am selben Tag einen „richtigen Artikel“ zu den Problemen im CNA veröffentlicht. Was die Teutloff-Exponate angeht, bestätige das CNA-Schreiben zudem seine Kritik: Nachdem der neue Direktor das bestehende Monitoring-System abgeschafft hatte, wolle das CNA nun ein neues einführen.
Auf Tageblatt-Nachfrage schrieb das CNA am Dienstag, dass derzeit Sensoren im Ausstellungsraum die Temperatur und Luftfeuchtigkeit aufzeichnen. Die Daten seien manuell auslesbar, ein Echtzeit-Warnsystem existiere jedoch nicht. Das System sei nicht in der Lage, in dringenden Fällen Alarm zu schlagen. In Bezug auf die Teutloff-Fotos hätte „der Vorfall der plötzlichen Erhöhung der Luftfeuchtigkeit zum Zeitpunkt des Geschehens nicht erkannt werden können“. Mit dem neuen System sei eine Echtzeit-Überwachung der Werte hingegen möglich.
Verteidigung der Maßnahmen
Auch der Kulturminister dementierte am Dienstag im Gespräch mit dem Tageblatt den Vorwurf, das Ministerium habe jahrelang nichts unternommen. „Das Ministerium hat den Kopf nicht in den Sand gesteckt“, sagte Thill entschieden – und verwies auf eine Reihe von eingeleiteten Schritten. So soll künftig ein neu geschaffener „Guide de l’agent“ Regeln festhalten und mehr Klarheit in den Abläufen schaffen. Außerdem sei ein „Business Project Manager“ eingestellt worden, um Prozeduren und Prozesse zu verbessern. Darüber hinaus habe das CNA eine interne Umfrage zur Zufriedenheit der Mitarbeiter durchgeführt. Daraus sei hervorgegangen, dass „verbessert intern und auch nach außen kommuniziert“ werden muss. Mitarbeiter müssten stärker in Entscheidungsprozesse eingebunden und die Aufteilung der Verantwortlichkeiten klarer definiert werden.
Die Mobbingvorwürfe beschrieb Thill als „inakzeptabel“, sei es im CNA oder in anderen Kulturhäusern. Das Ministerium sei über „transformationsbedingte Spannungen“ informiert gewesen. Vor dem Hintergrund der umfangreichen Modernisierungsprozesse seien derartige zwischenmenschliche Spannungen jedoch nicht ungewöhnlich. „Wo Menschen sind, da menschelt es auch“, so Thill. Für ihn sei auch klar, dass manche Entscheidungen dazu führen können, dass sich einige Mitarbeiter im neuen Organigramm nicht mehr dort wiederfinden, wo sie es sich erhofft hatten.
Trotz Kritik stellt sich der Kulturminister hinter die Leitung des CNA: „Die Direktion weiß, was sie zu tun hat.“ In den vergangenen Monaten sei viel passiert – das müsse nun seine Früchte tragen. Er vertraue nicht nur dem eingeschlagenen Weg, sondern auch den Mitarbeitern. Auf der anderen Seite halte sich das Ministerium „alle Möglichkeiten offen, um in Zukunft bestmöglich zu handeln und das CNA fit für die Zukunft zu machen“.
Hoffmanns Kritik an der geplanten Investition von mehr als 600.000 Euro in das Ciné Starlight teilt der Kulturminister nicht. Die hohen Ausgaben für die neuen Atmos-Toninstallationen seien verständlich – es sei eine „wichtige, antizipative Investition in die Zukunft“, die langfristig Kosten reduziere. Für die aktuellen Systeme sei es zunehmend problematisch, Ersatzteile zu beschaffen. Die neuen technischen Tools seien außerdem wichtig für Luxemburgs audiovisuelle Industrie – und diese sei mit Arbeitsplätzen verbunden.
Für Thill sei es wichtig, „dass wir eine gewisse Emotionalität aus der Diskussion herausbekommen“. Dass das nicht einfach ist, sei ihm bewusst – insbesondere angesichts der Vorgeschichte des CNA. Es gehe darum, „bestmöglich mit Ruhe und Gelassenheit nach vorne zu schauen“ und die Baustellen gemeinsam anzugehen.
Thill habe zudem am Montagmorgen einen Antrag an die Kulturkommission gestellt, um diese über das Dossier und seine Entwicklungen zu informieren.