Neue Rückrufe bei Säuglingsmilch

Behörden setzen auf risikobasierte Prüfungen statt pauschaler Alarmierung

Weitere Rückrufe von Babymilch in Luxemburg: Die Behörden untersuchen gezielt Produkte für Säuglinge und prüfen Lieferketten. Viele Tests sind unauffällig – doch eine Entwarnung gibt es nicht.

Luxemburgische Kontrolle von Säuglingsmilch auf Schadstoffe und Kontamination zur Produktsicherheit

Luxemburg prüft gezielt Säuglingsmilch auf Kontamination Foto: Freepik

Neuer Tag, neuer Babymilch-Rückruf: Die Veterinär- und Lebensmittelbehörde (ALVA) hat am Freitagabend weitere Produkte von drei Herstellern zurückgerufen. Das geht aus einer Mitteilung des Landwirtschaftsministeriums hervor. Grund ist erneut eine mögliche Cereulid-Kontamination. Dabei handelt es sich um einen Giftstoff, der vom Mikroorganismus Bacillus cereus produziert wird und normale Kochtemperaturen überstehen kann.

Betroffen sind dieses Mal die Marken Bledina, Aptamil und Gallia. Die neuen Rückrufe sind in der untenstehenden Bildergalerie aufgeführt. Die luxemburgische Veterinär- und Lebensmittelbehörde (ALVA) empfiehlt, alle Rückrufe über das Portal für Lebensmittelsicherheit zu prüfen. Die Informationen werden dort regelmäßig aktualisiert und zusätzlich über LU-Alert verbreitet. Auch ausländische Rückrufsysteme informieren über betroffene Produkte. Betroffene können diese über die jeweiligen nationalen Systeme verfolgen.

Behörden setzen auf risikobasierte Prüfungen statt pauschaler Alarmierung
/

© Screenshot: Portail de la Sécurité alimentaire

Behörden setzen auf risikobasierte Prüfungen statt pauschaler Alarmierung
/

© Screenshot: Portail de la Sécurité alimentaire

Behörden setzen auf risikobasierte Prüfungen statt pauschaler Alarmierung
/

© Screenshot: Portail de la Sécurité alimentaire

Behörden setzen auf risikobasierte Prüfungen statt pauschaler Alarmierung
/

© Screenshot: Portail de la Sécurité alimentaire

Behörden setzen auf risikobasierte Prüfungen statt pauschaler Alarmierung
/

© Screenshot: Portail de la Sécurité alimentaire

Behörden setzen auf risikobasierte Prüfungen statt pauschaler Alarmierung
/

© Screenshot: Portail de la Sécurité alimentaire

Behörden setzen auf risikobasierte Prüfungen statt pauschaler Alarmierung
/

© Screenshot: Portail de la Sécurité alimentaire

Behörden setzen auf risikobasierte Prüfungen statt pauschaler Alarmierung
/

© Screenshot: Portail de la Sécurité alimentaire

Behörden setzen auf risikobasierte Prüfungen statt pauschaler Alarmierung
/

© Screenshot: Portail de la Sécurité alimentaire

Behörden setzen auf risikobasierte Prüfungen statt pauschaler Alarmierung
/

© Screenshot: Portail de la Sécurité alimentaire

Behörden setzen auf risikobasierte Prüfungen statt pauschaler Alarmierung
/

© Screenshot: Portail de la Sécurité alimentaire

Behörden setzen auf risikobasierte Prüfungen statt pauschaler Alarmierung
/

© Screenshot: Portail de la Sécurité alimentaire

Behörden setzen auf risikobasierte Prüfungen statt pauschaler Alarmierung
/

© Screenshot: Portail de la Sécurité alimentaire

Gezielte Kontrollen

Doch wie kommt es, dass seit Januar immer wieder pulverförmige Säuglingsmilchprodukte zurückgerufen werden? Derzeit werden alle Marken dieser Babymilch für Kinder zwischen null und sechs Monaten auf dem Luxemburger Markt gezielt getestet und analysiert, teilt das Landwirtschaftsministerium auf Nachfrage des Tageblatt mit. Diese Altersgruppe gilt als besonders empfindlich. Die bisher festgestellten Verunreinigungen betreffen vor allem Produkte für sehr junge Säuglinge.

Eine allgemeine Warnung für sämtliche Säuglingsmilchprodukte schließen das Ministerium und die ALVA jedoch aus. Dies würde „voraussichtlich zu Versorgungsengpässen führen“. Die Behörde erinnert außerdem daran, dass diese Produkte nicht ohne Weiteres durch andere Milch ersetzt werden können.

Vor allem Säuglinge, die nicht gestillt werden oder zusätzlich auf Säuglingsmilch angewiesen sind, brauchen diese speziell für sie hergestellten Produkte.

Die Behörden setzen daher auf einen risikobasierten und zielgerichteten Ansatz. Nur eindeutig betroffene Produkte würden kommuniziert und vorsorglich zurückgerufen werden. „Eine generelle Warnung ohne nachgewiesenen Risikobezug würde den Eltern daher nicht weiterhelfen und wäre außerdem nicht mit den gesetzlichen Vorgaben vereinbar“, erklärt die ALVA.

Nicht alle sind betroffen

Die zahlreichen Rückrufe sorgen für Verunsicherung bei Eltern und auch wenn weitere Rückrufe möglich sind, fielen zahlreiche Testergebnisse bislang negativ aus. Denn: Wie die ALVA auf Tageblatt-Nachfrage hin bestätigt, „ergaben sich bei vielen untersuchten Produkten negative Befunde“. Demnach besteht nicht bei allen Babymilchprodukten die Gefahr auf eine möglichen Cereulid-Kontamination. In den von der ALVA bis jetzt durchgeführten Analysen – gemäß den Vorgaben der Europäischen Kommission und der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) – sei nur eine von 30 Proben positiv auf Cereulid getestet worden.

Die hohe Zahl an Rückrufen habe unter anderem mit den komplexen Lieferketten zu tun. Behörden und Unternehmen würden Schritt für Schritt prüfen, wo belastete Zutaten eingesetzt wurden. Wird ein betroffenes Produkt entdeckt, müssen alle Vertriebswege zurückverfolgt werden. So tauchen immer wieder neue Produkte auf, die vorsorglich zurückgerufen werden.

Es besteht der Verdacht, dass eine in China hergestellte Substanz, die die für Säuglinge wichtige Arachidonsäure enthält, für die Verunreinigung verantwortlich sein könnte, meldete die AFP am 2. Februar. Der Inhaltsstoff stammt nach Angaben französischer Hersteller von der Firma Cabio Biotech in der Stadt Wuhan. Sie ist weltweit einer der größten Produzenten von Arachidonsäure.

Die Frage, ob es inzwischen Erkrankungen bei Säuglingen in Luxemburg gibt, ließen das Landwirtschaftsministerium und die ALVA unbeantwortet. Die letzte öffentliche Stellungnahme dazu stammt vom 29. Januar. In einer gemeinsamen Mitteilung von Landwirtschafts- und Gesundheitsministerium hieß es damals, es gebe keine bestätigten Krankheitsfälle nach dem Verzehr kontaminierter Säuglingsmilch.

Bacillus cereus

Bacillus cereus kann Lebensmittelvergiftungen auslösen, deren Symptome von der Art des Toxins abhängen. Das Bakterium ist hitzebeständig und kann normale Kochtemperaturen überleben. Typische Beschwerden treten in zwei Formen auf:

Brechreiz, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und manchmal leichter Durchfall, meist 30 Minuten bis 6 Stunden nach dem Verzehr kontaminierter Lebensmittel; Wässriger Durchfall, Bauchkrämpfe und seltener Übelkeit, meist 6 bis 24 Stunden nach dem Verzehr kontaminierter Lebensmittel.

Erbrechen und Durchfall können zu einer schnellen Dehydrierung führen, was für Säuglinge besonders gefährlich sein kann. Betroffene sollen bei Symptomen umgehend einen Arzt aufsuchen, dem sie den Verzehr des Produktes melden.

0 Kommentare
Das könnte Sie auch interessieren

Der Politflüsterer

„Welt am Abgrund“ und großer Wechsel im Escher Schöffenrat