Fußball
Kampfansage ohne Kandidatur: Ceferin greift Infantino an
Aleksander Ceferin erhöht den Druck auf Gianni Infantino. Der UEFA-Boss verzichtet auf eine Kandidatur, will aber einen Gegenkandidaten stellen.
Aleksander Ceferin wird nicht gegen Gianni Infantino bei der kommenden Wahl des FIFA‑Präsidenten antreten Foto: AFP/Franck Fife
Aleksander Ceferin sprach mit ruhiger Stimme, doch seine klare Botschaft hallte nach. Der Anführer der Rebellion gegen Gianni Infantino gab den Sturz des Präsidenten vom FIFA-Thron unmissverständlich als Ziel aus, will diesen danach aber nicht selbst besteigen. Das bestätigte der UEFA-Boss am Montag und begründete die Entscheidung damit, dass seine Glaubwürdigkeit als lauter Infantino-Kritiker „viel, viel größer“ sei, wenn er nicht als Herausforderer antrete.
Zwei Optionen
Für den schwer angeschlagenen FIFA-Chef, der nach dem gescheiterten Investorenplan um seine Zukunft an der Spitze des Weltverbandes kämpft, gebe es daher zwei Optionen, sagte Ceferin im britischen Podcast „The Rest is Politics“. Infantino müsse erkennen, „dass er nicht über die nötige Unterstützung verfügt“ – und somit quasi selbst zurücktreten. Sollte er sich beim Kongress im März 2027 dennoch zur Wiederwahl stellen, werde es wohl einen Gegenkandidaten geben.
Beim Besuch eines E-Sport-Events im mondänen Grand Palais von Paris überspielte Infantino am Wochenende einmal mehr seine missliche Lage. Er lächelte und lächelte, neben Cristiano Ronaldo, an der Seite von Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron und mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman. Und das, obwohl sein großer Widersacher nochmals den Ton verschärfte.
Er wisse noch nicht, wer ein möglicher Gegenkandidat sein werde, sagte Ceferin, eine eigene Kandidatur für den Posten an der FIFA-Spitze schloss der Slowene aber aus. Er sei nicht interessiert, versicherte der 58-Jährige, dessen Amtszeit bei der Europäischen Fußball-Union (UEFA) im nächsten Jahr endet.
Herausforderer aus Kanada?
Ceferin bezweifelt dazu, dass der Katarer Nasser Al-Khelaifi, mächtiger Klubboss von Paris Saint-Germain, antreten wird. Vieles deutet inzwischen darauf hin, dass Victor Montagliani aus Kanada, Chef der Verbände aus Nord-, Mittelamerika und der Karibik (CONCACAF), bis zum Ende der Nominierungsfrist am 18. November als Herausforderer ins Rennen gehen könnte, um Infantino zu Fall zu bringen.
Weltweit riefen Fanorganisationen unlängst zum Sturz Infantinos auf, Südamerika und Afrika verwiesen dagegen auf die anstehenden Wahlen. Selbst in den Reihen der Kritiker aus Europa, Asien und der CONCACAF sind aber Abweichler zu erwarten. Wie ernst es etwa die UEFA mit ihrer Drohung, FIFA-Turniere boykottieren zu wollen, meint, wird sich erstmals bei der U20-WM der Frauen in der kommenden Woche zeigen. Das Stimmungsbild in der Fußballwelt bleibt ziemlich diffus.
Diffuses Stimmungsbild
Infantino gibt sich auch deshalb nicht geschlagen. Er kämpft vor allem um die Gunst kleinerer Verbände, die er über Jahre mit finanziellen Zuwendungen auf seine Seite gezogen hat. In den vergangenen Wochen sei „viel passiert, und es ist wichtig, zuzuhören, aufmerksam zu sein und auch die eigenen Gefühle ausdrücken zu können“, sagte er am Rande eines U14-Turniers in der Dominikanischen Republik, bei dem er nach Montaglianis Willen gar nicht hätte erscheinen sollen.
Infantino sprach von einer „Kluft“ zwischen den ganz großen Nationen und anderen Ländern, und er kritisierte all jene, die den Fußball nicht weltweit fördern wollten. Für Ceferin ist die Taktik durchschaubar. „Sie argumentieren nach dem Motto: ‚Das arrogante Europa ist gegen uns, die haben genug Geld, aber ich helfe den Kleinen und den Armen‘.“ Jemand müsse Infantino daher daran erinnern, „dass er selbst Europäer ist und von der UEFA unterstützt wurde“, sagte Ceferin.
Infantino dürfte trotzdem allerorts weiter lächeln. Noch?