Fußball
Boykott oder Bluff? UEFA vor dem Ernstfall
Während sich Donald Trump in den FIFA-Machtkampf einmischt, steht die UEFA mit ihrer Boykottdrohung vor einem Realitätscheck.
Am FIFA-Hauptsitz in Zürich war es schon mal sonniger Foto: AFP
Für all das, was gerade auf seinen taumelnden Kumpel Gianni Infantino einprasselt, hat Donald Trump kein Verständnis. Ein Sturz des FIFA-Chefs wäre ein „schrecklicher Fehler“, betonte der US-Präsident, der Infantino im schmutzigen Machtkampf am Dienstag erstmals zur Seite sprang. Der Schweizer sei schließlich „fantastisch“, und ohne ihn werde eine WM „nie wieder so erfolgreich und profitabel sein“.
Erster Realitätscheck
Trumps Unterstützung, die sich Infantino durch fragwürdige Schmeicheleien gesichert hat, wird ihm aber nur wenig helfen. Inzwischen ist klar: Hält die Allianz der Kontinentalverbände aus Europa, Asien sowie Nord- und Mittelamerika, die den Druck mit ihrem Offenen Brief am Montag erhöhten, wäre die Zeit des FIFA-Alleinherrschers spätestens beim Kongress am 18. März 2027 abgelaufen. Das Oppositionstrio hält 136 der 211 Wahlstimmen – sollte es keine Abweichler geben. Sicher ist das jedoch nicht.
Vor allem die UEFA drängt verstärkt auf einen Rückzug Infantinos. Zwar nicht explizit, doch der Subtext der jüngsten Mitteilungen ist eindeutig. Zugleich kämpft UEFA-Chef Aleksander Ceferin darum, die Reihen geschlossen zu halten. Nicht zuletzt, weil die Drohung, FIFA-Turniere zu boykottieren, vor dem ersten Realitätscheck steht. Und Infantino, der mit dem inzwischen verworfenen WM-Investorenplan eine Eskalation im Streit mit Teilen der Fußballwelt herbeigeführt hatte, noch immer um seinen Posten kämpft.
„Fehler“
In weniger als einem Monat soll die U20-WM der Frauen in Polen beginnen (ab 5. September). Mit sechs europäischen Startern? Der Gastgeber meldete am Montag seinen Kader und Frankreich werde – Stand jetzt – teilnehmen, teilte der Verband am Freitag mit. Ceferin, so ist zu hören, werde am Rande des Supercups am Mittwoch in Salzburg um eine einheitliche Linie werben. Auch die Einberufung eines außerordentlichen FIFA-Kongresses, bei dem ein neuer FIFA-Präsident gekürt werden könnte, wird dort diskutiert.
Die FIFA-Führung hatte zuletzt nach einer Krisensitzung ihrer Spitzenfunktionäre in Marokko „Fehler“ eingeräumt und für das Investorenvorhaben, von dem auch die Familie Trump profitiert hätte, um Entschuldigung gebeten. Der UEFA genügte das nicht. Am Samstag teilte die FIFA umgehend mit: „Es wird immer deutlicher, dass einige gezielt und kontinuierlich versuchen, die FIFA und ihren Präsidenten zu untergraben.“
Drohungen und Unterstützung
Die große Frage bleibt: Wie ernst meinen es die Europäer mit ihrer Ankündigung? Bislang ist offen, ob die UEFA nur bei einem Infantino-Sturz von ihrer Drohung abrückt, Ceferin kann die europäischen Verbände jedoch nicht zu einem Boykott zwingen. Mehrere Medien berichteten, dass UEFA, Concacaf und AFC über eigene Wettbewerbe als Alternative diskutiert hätten. Nach SID-Informationen fanden derartige Gespräche jedoch noch nicht statt. Bei der UEFA wird gehofft, dass diese auch nicht nötig sein werden.
Ansonsten wird Infantino noch andere Unterstützer als Trump finden müssen.