Leichtathletik

Historischer Moment: Ruben Querinjean gewinnt EM-Silber

Ruben Querinjean hat bei der Europameisterschaft in Birmingham sensationell die Silbermedaille gewonnen. Im Finale der besten Hindernisläufer belegte der 24-Jährige am Sonntagabend hinter dem europäischen Rekordhalter Frederik Ruppert Rang zwei und schrieb ein Kapitel Luxemburger Leichtathletik-Geschichte.

Ruben Querinjean schreibt ein Stück Luxemburger Leichtathletik-Geschichte

Ruben Querinjean schreibt ein Stück Luxemburger Leichtathletik-Geschichte Foto: FLA

Ein Jubelschrei in die Kamera, ein Kuss für die Medaille und die Ehrenrunde durchs ausverkaufte Alexander Stadium von Birmingham: Ruben Querinjean kam gar nicht mehr aus dem Strahlen heraus. Er hat es tatsächlich geschafft und bei der Europameisterschaft die Silbermedaille über 3.000 Meter Hindernis gewonnen.

„In meinem Kopf geht gerade sehr viel vor. Ich bin ehrlich gesagt einfach nur glücklich“, sagte er unmittelbar nach seinem großen Erfolg in der Interviewzone. „Das Rennen war nahezu perfekt. Ich habe genau das gemacht, was nötig war, um im richtigen Moment am richtigen Platz zu sein. Ich wusste, dass das Rennen entweder 1.200 oder 800 Meter vor dem Ziel an Fahrt aufnehmen würde. Ich war bereit und habe es davor geschafft, allen Rangeleien auszuweichen. Ich hatte wirklich hervorragende Beine.“

Es war ein Rennen, bei dem es zunächst taktisch zuging und ein mäßiges Tempo eingeschlagen wurde. In den ersten Runden hielt sich der 24-Jährige im hinteren Teil des Feldes auf, in dem erst einmal kein Läufer herausfallen sollte. Damit ging es an den Hindernissen recht eng zu und der eine oder andere Rempler gehörte dazu. Doch Querinjean schaffte es, diesen größtenteils aus dem Weg zu gehen.

Zweite luxemburgische Medaille

Der Spanier Arce und der Deutsche Europarekordler Ruppert gingen das Rennen an der Spitze an. 800 Meter vor dem Ziel orientierte sich Querinjean dann langsam, aber sicher nach vorn, ging als Dritter in die letzte Runde und war perfekt positioniert. Der Luxemburger attackierte dann vor dem letzten Wassergraben den Spanier, überholte diesen und griff sogar noch Ruppert an, der am Ende aber in 8:25,33 Minuten knapp vor Querinjean (8:25,61) ins Ziel kam.

Der Vize-Europameistertitel des 24-Jährigen ist einer der bedeutendsten Erfolge in der Geschichte der luxemburgischen Leichtathletik. Querinjeans Medaille ist erst die zweite luxemburgische bei einer Freiluft-EM überhaupt – exakt 20 Jahre nach David Fiegens Silber über 800 Meter. In der Medaillenbilanz des Großherzogtums bei großen internationalen Meisterschaften stehen zudem das historische Olympiagold von Josy Barthel über 1.500 Meter von 1952 sowie Bronze von Patrizia Van der Weken über 60 Meter bei der Hallen-EM und -WM 2025.

„Ich bin sehr glücklich, und es bedeutet mir enorm viel, dieses Stück luxemburgische Geschichte zu schreiben“, betonte Querinjean, der aber auch sagte: „Ich bin mir bewusst, dass es Kritik geben wird.“

„Es wird Kritik geben“

Der 24-Jährige ist gebürtiger Belgier und ist in Malmedy aufgewachsen, hat aufgrund seiner Vorfahren im Großherzogtum aber auch die luxemburgische Staatsbürgerschaft und startet international für Luxemburg. „Es werden Leute sagen: ‚Er ist Belgier‘, während die Leute in Belgien wiederum sagen werden: ‚Er ist Luxemburger.‘ Aber ich sage: Ich stelle mich allen zur Verfügung, die sich mit mir identifizieren können. Das ist das Wichtigste. Alle Luxemburger, die diese Medaille annehmen möchten: Sie ist für euch. Ich mache das mit großer Freude.“

Ich stelle mich allen zur Verfügung, die sich mit mir identifizieren können. Das ist das Wichtigste. Alle Luxemburger, die diese Medaille annehmen möchten: Sie ist für euch.

Für Querinjean selbst markiert die Medaille den nächsten Höhepunkt in einer bemerkenswerten Entwicklung. Noch vor zwei Jahren gehörte er zu den letzten Hindernisläufern, die sich überhaupt für die EM qualifizierten. 2024 schied er bei seinem ersten großen internationalen Auftritt im Vorlauf aus. Im selben Jahr qualifizierte er sich dann aber noch für die Olympischen Spiele in Paris. Auch dort war im Vorlauf Schluss – doch der FLA-Athlet hatte damit die Tür zum internationalen Niveau aufgestoßen.

Ruben Querinjean attackierte auf den letzten Metern auch noch einmal den deutschen Topfavoriten Frederik Ruppert

Ruben Querinjean attackierte auf den letzten Metern auch noch einmal den deutschen Topfavoriten Frederik Ruppert Foto: FLA

2025 folgte dann der große Durchbruch: Studenten-Weltmeister, Top Ten bei der WM in Tokio und der völlig überraschende Sieg beim Diamond-League-Meeting in Brüssel in der Weltklassezeit von 8:09,47 Minuten.

Damit zählte der Luxemburger plötzlich auch bei der EM in Birmingham zu den Medaillenanwärtern. Seine Vorbereitung verlief wegen kleinerer Verletzungen und Erkrankungen allerdings nicht optimal. Trotz der drittschnellsten Meldezeit gehörte er daher nicht unbedingt zu den Topfavoriten. Sein Ziel verlor er jedoch nicht aus den Augen. „Es ist verrückt, dass ich jetzt die Medaille habe.“

Ergebnisse

3.000 Meter Hindernis, Finale:

1. Frederik Ruppert (D) 8:25:33 Minuten, 2. Ruben Querinjean 8:25:61, 3. Karl Bebendorf (D) 8:26:65, 4. Daniel Arce (ESP) 8:27:02, 5. Pierre Boudy (F) 8:28:90, 6. Alejandro Quijada (ESP) 8:29:15, 7. Rémi Shyns (B) 8:29:25, 8. Nicolas-Marie Daru (F) 8:29:46

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