Vor dem zweiten Gruppenspiel
„Die Stunde von Lamine Yamal“: Spanien steht unter Druck
Nach dem verpatzten WM-Auftakt diskutiert Spanien über seinen Superstar: Muss Lamine Yamal ab jetzt von Anfang an spielen?
Spanische Fans und Medien fordern seinen Einsatz: Lamine Yamal (r.) Foto: Erik S. Lesser/dpa
Im Trainingsspielchen sah Lamine Yamal wieder aus wie das Genie, das die ganze Fußball-Welt fürchtet. Zwei Übersteiger, ein blitzschneller Antritt – schon war Spaniens Superstar an Verteidiger Marc Pubill vorbei und schob den Ball lässig in die lange Ecke. Durch den verpatzten WM-Start des Europameisters wächst der Druck auf Trainer Luis de la Fuente, den Heilsbringer mit dem Zauberfuß endlich von Anfang an von der Leine zu lassen.
Nach dem peinlichen 0:0 gegen Kap Verde und vor dem zweiten Gruppenspiel am Sonntag (18.00 Uhr) in Atlanta gegen Saudi-Arabien soll „die Stunde von Lamine Yamal“ schlagen, fordert Marca: „Spanien braucht seinen Star, damit er bei einer Weltmeisterschaft, bei der die Stars von Beginn an glänzen, nun sein Können unter Beweis stellt.“ Statt eine Hauptrolle zu spielen, steht Yamal bislang im Schatten von Kylian Mbappé, Erling Haaland, Harry Kane oder Lionel Messi.
Blamage droht
Weil der 18-Jährige vom FC Barcelona gerade erst eine Oberschenkelverletzung überstanden hatte, war er gegen Kap Verde lediglich nach 71 Minuten ins Spiel gekommen. Einige gute Dribblings reichten angesichts der spanischen Offensivschwäche schon, damit vor Saudi-Arabien nun die Forderungen nach einem Startelfeinsatz lauter werden. „Ich glaube, Lamine wird spielen. Das ist eine Weltmeisterschaft, und wenn man ein Risiko eingehen muss, dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt dafür“, sagte Santi Denia, bis 2025 Spaniens U21-Trainer, im Podcast „La Tribu“.
Alles andere als ein Sieg gegen die Saudis wäre auf der Jagd nach dem zweiten WM-Titel nach 2010 die nächste Blamage, weshalb de la Fuente unter Zugzwang ist. Eigentlich wollte er Yamal und auch dessen ebenfalls rekonvaleszenten Sturmpartner Nico Williams behutsam aufbauen. Der 64-Jährige kündigte aber nach dem Spiel gegen Kap Verde bereits an, dass schon bald mehr von seinen Ausnahmekönnern zu sehen sein dürfte. „Sie werden sich sicher verbessern, zum Beispiel gegen Saudi-Arabien, im nächsten Spiel und auch in den folgenden Partien“, sagte der Coach.
Yamal selbst hatte nach dem bitteren Auftakt versucht, die Kritik an der gesamten Mannschaft aus der Heimat abzumoderieren. Es werde letztlich „alles so laufen, wie wir es uns wünschen – daran besteht kein Zweifel“, schrieb er auf Instagram. Um den Kopf frei zu kriegen, fuhr er an einem freien Tag zuletzt mit seiner Mama, seiner Freundin und Co. nach Nashville, die Wiege der Countrymusik, rund zweieinhalb Autostunden vom Teamcamp in Chattanooga/Tennessee entfernt. Dort ließ es sich die Familie in einem persischen Restaurant schmecken.
Alles für das gute Gefühl. Alles für die erste große WM-Show des Lamine Yamal.