Sieben Brüderpaare
Eiszeit und Liebe: Wenn Brüder bei der WM zu Gegnern werden
Bei der WM laufen insgesamt sieben Brüderpaare auf. Doch nicht alle davon spielen jeweils im gleichen Team. Wie kommt es dazu?
Desiré Doué spielt für Frankreich, sein Bruder Guéla für die Elfenbeinküste Foto: AFP
Für die Betroffenen ist das Thema nicht immer so simpel, wie das Beispiel von Jérôme und Kevin-Prince Boateng zeigt. Bei gleich zwei Weltmeisterschaften kam es zu dem Duell der in Berlin aufgewachsenen Halbbrüder. Während sich Kevin-Prince für die ghanaische Heimat seines Vaters entschied, bekannte sich Jérôme zu den Wurzeln seiner Jugend – und wurde in Brasilien mit der DFB-Elf Weltmeister.
Vor der Endrunde 2010 hatte ein rüdes Foul – ausgerechnet von Kevin-Prince – dafür gesorgt, dass Jéromes Mitspieler und Kapitän Michael Ballack die komplette WM in Südafrika verletzungsbedingt verpasste. Wirklich verteidigen mochte Jérôme den als Rüpel kritisierten Bruder nicht. „Ich möchte zu Jérôme nichts mehr sagen. Nur so viel: Dass wir keinen Kontakt mehr haben, hat seine Gründe“, konterte Kevin-Prince Boateng damals – es herrschte Eiszeit.
Diesmal sieben Brüder-Paare
Bei der XXL-WM 2026 gibt es gleich sieben Brüder-Paare. Die Duartes aus Kap Verde, die Bacunas von Außenseiter Curaçao sowie die Hernandez-Brüder Theo und Lucas von Vize-Weltmeister Frankreich spielen allesamt für die gleiche Nation. Die weiteren vier Geschwisterpaare spielen – wie die Boatengs damals – für unterschiedliche Nationen. Wie kommt es dazu?
Bei den Fußballern von Athletic Bilbao gibt es seit über einem Jahrzehnt die Williams-Brüder Nico und Inaki. Der jüngere Nico (23) widerstand sogar Angeboten des FC Barcelona und von Real Madrid, er unterschrieb in Bilbao einen Vertrag bis 2035. Für Inaki (32) kommt ein Wechsel ebenfalls nicht infrage.
Inaki: Barfuß durch die Sahara
Während die Brüder im Verein das gleiche Trikot tragen, wählten die beiden Basken im Nationalteam unterschiedliche Wege. Die ghanaischen Eltern hatten sich damals auf den Weg nach Spanien gemacht, als Mutter Maria mit Inaki schwanger war. Barfuß zog das Paar durch die Sahara. Inaki hat seinen Namen von einem spanischen Priester, der den Eltern beim Grenzübergang half.
Der ältere Bruder entschied sich für Ghana. Nico hingegen wählte Spanien und wurde 2024 bereits als Stammspieler Europameister. „Als älterer Bruder bin ich unglaublich stolz darauf, seine Entwicklung zu sehen und seine Fortschritte als Fußballer mitzuerleben. Er hat grenzenloses Potenzial“, sagte Inaki der BBC über seinen neun Jahre jüngeren Bruder.
Derrick Luckassen und Brian Brobbey
Bei Derrick Luckassen (Ghana) und Brian Brobbey (Niederlande) liegt der Fall ähnlich wie einst bei den Boateng-Brüdern. Beide haben die gleiche Mutter, eine Ghanaerin, und sind in Amsterdam geboren. Luckassen durchlief diverse niederländische Jugendteams, ehe er sich für die Heimat seiner Eltern entschied. Brobbey schaffte den Sprung in die Elftal, für die er es in den WM-Kader 2026 schaffte und im ersten Spiel eingewechselt wurde.
Desiré und Guéla Doué
Die Brüder Desiré und Guéla Doué haben einen ivorischen Vater und eine französische Mutter. Beide wuchsen in Frankreich auf und machten bei Stade Rennes ihre ersten Schritte im Profifußball. Desiré ist mit 21 Jahren nicht nur der jüngere, sondern auch der deutlich talentiertere der beiden Brüder. In seiner Vita stehen bereits jetzt zwei Champions-League-Titel mit Paris Saint-Germain.
Demzufolge entschied sich Desiré früh für Frankreich und schaffte es in den WM-Kader des Mitfavoriten. Sein Marktwert wird inzwischen auf 120 Millionen Euro beziffert. Bruder Guéla (23) wechselte 2024 von Rennes zu Racing Straßburg und hatte sich zuvor bereits für die Elfenbeinküste entschieden. Im Gegensatz zu seinem offensiv orientierten Bruder Desiré ist Guéla Doué Außenverteidiger.
Die Souttar-Brüder John und Harry
John und Harry Souttar sind der Nachwuchs eines schottisch-australischen Paares. Vater Jack ist Schotte und war in den 70er-Jahren Profi, während Mutter Heather im australischen Adelaide geboren ist. Aufgewachsen und im Fußball sozialisiert wurden die beiden Fußballer in Schottland, doch Harry entschied sich 2019 für Australien, das Heimatland seiner Mutter.
„Sie unterhalten sich ständig über Spiele. Sie passen immer aufeinander auf, das steht fest“, sagte Vater Jack über seine beiden Söhne. Zum WM-Auftakt gewannen John und Harry mit ihren Teams am selben Tag die jeweils ersten Spiele. Während John beim 1:0 seiner Schotten gegen Haiti 90 Minuten auf der Bank saß, war Harry als Kapitän und Abwehrchef der Australier einer der Garanten für das überraschende 2:0 gegen die Türkei.