Tropenholzschwellen

Warum liegt Holz aus Afrika unter Luxemburgs Schienen – und nicht einfach Beton?

Tropenholz statt Eiche oder Beton: Die CFL hat Tausende ihrer Bahnschwellen mit afrikanischem Hartholz ausgetauscht. Luxemburgs Nachbarn machen das anders.

Schwellen aus tropischem Holz bei Olingen

Schwellen aus tropischem Holz bei Olingen Foto: Editpress/Alain Rischard

Die CFL hat in den vergangenen Jahren Zehntausende Bahnschwellen aus Tropenholz verbaut – aus „legaler und nachhaltiger Forstwirtschaft in Gabun“, erklärte die Bahngesellschaft. Das Holz sei „FSC-zertifiziert“ – mit einem Ökolabel also, das den Holzabbau als nachhaltig und sozialverträglich auszeichne. Doch Dokumente über diese Zertifizierung, die die CFL nach monatelanger Tageblatt-Recherche vorlegte, können das nicht belegen.

Kein unbekanntes Material im Bahnbau

Holz aus den Tropen ist im Bahnbau kein Unbekannter. Laut dem Tropenholz-Verband ATIBT wird in Europa unter anderem die Sorte Azobé verbaut. Allerdings für „Weichen und Bahnübergänge“. Auch Okan wird erwähnt, das sei in Frankreich die führende Spezies für Bahnschwellen. Holz allgemein komme noch bei „spezifischen Anwendungsfällen“ wie dem „gelegentlichen Austausch“ auf Gleisen, auf denen bereits Holz verwendet wurde, zum Einsatz.

Weshalb in Luxemburg kein heimisches Holz benutzt wird, hat ein CFL-Sprecher im Laufe der Tageblatt-Recherche so erklärt: „Das Tropenholz ist im Vergleich zu Eichenholz um circa 30 bis 40 Prozent langlebiger. Die Schwellen aus Tropenholz müssen zudem nicht mit Fungiziden behandelt werden.“ Denn Schwellen aus Buche und Eiche müssen imprägniert und haltbar gemacht werden. Und dafür wird Kreosot eingesetzt, ein hochgiftiges Teeröl. Kreosot ist in der EU mittlerweile verboten. Damit behandelte Bahnschwellen dürfen in Ausnahmefällen aber noch bis Oktober 2029 verbaut werden.

Leichtes Tropenholz

Eine weitere Alternative: Beton. Laut CFL würde der Einbau von Betonschwellen dort, wo vorher Holz lag, allerdings zusätzliche Arbeiten und längere Unterbrechungen verursachen. Denn Schwellen aus tropischem Hartholz wiegen nur 100 Kilogramm, Betonschwellen bringen 300 Kilogramm auf die Waage. Wozu gegriffen werde, sei deshalb von der „Tragfähigkeit des Erdplanums“ und den zeitlichen Möglichkeiten, die Strecke schließen zu können, abhängig. Das erklärte die CFL gegenüber dem Tageblatt im März.

Ein Mitarbeiter des mit dem Bau der Tropenholz-Strecken in Luxemburg beauftragten Unternehmens erklärt gegenüber dem Tageblatt allerdings, dass es „nicht oft vorkomme“, dass sein Unternehmen Holz verbaue. Normalerweise werde Beton eingesetzt.

Beton liegt auf vielen Luxemburger Strecken

Und es ist auch nicht so, als ob die CFL gar keine Betonschwellen verbauen würde. Die Bahn bewirbt die Vorzüge des Baustoffs sogar selbst. Zwischen Luxemburg-Stadt und Rodange wurden vor zwei Jahren 10.000 Holzschwellen durch Beton ersetzt. „Holzschwellen werden auf den Hauptstrecken des Netzes vollständig verschwinden, da sie seit mehreren Jahren schrittweise durch moderne Betonschwellen ersetzt werden“, heißt es auf der CFL-Website dazu. „Die Herstellung aus Beton bietet eine größere Festigkeit, insbesondere für längere Züge (die mehr Sitzplätze für die Kunden bieten) und somit schwerere Züge.“

Das legen die Nachbarn unter die Gleise

Belgien fährt seinen Verbrauch des Tropenholzes Azobé seit Jahren runter, fertigt inzwischen sogar Weichen – traditionell mit Holz gebaut – aus Beton. Frankreich hat nach langer Pause 2017 erstmals wieder Tropenholz-Schwellen beschafft. Die SNCF gibt an, diese würden nur in „zones sensibles“ verbaut werden. In Deutschland sind Schwellen aus Tropenholz seit Jahren nicht mehr zugelassen.

2 Kommentare
Grober J-P. 09.09.202609:10 Uhr

"allerdings zusätzliche Arbeiten und längere Unterbrechungen verursachen" Neue Strecken müssen her, nein? Stelle mir den TGV vor wie er über Hartholzschwellen dahingleitet, mit über 120 .........

RCZ 09.09.202607:07 Uhr

Die Bahn ist überhaupt nicht Umweltfreundlich, sogar Klimaschädlich!.....

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