PISA-Studie 2025

Luxemburgs Schüler verlieren an Leistung – besonders deutlich bei der Lesekompetenz

Sowohl in Naturwissenschaften und Mathematik als auch bei der Lesekompetenz gehen in vielen Ländern die Leistungen der 15-jährigen Schüler zurück. Dies hat die PISA-Studie 2025 ergeben, die am 8. September vorgestellt wurde. Luxemburg sei in diesem internationalen Trend keine Ausnahme, bestätigte Luc Weis, Direktor des Script, der die Studie hierzulande koordinierte.

Die PISA-Ergebnisse zeigen deutliche Schwächen bei den grundlegenden Kompetenzen der Luxemburger Schüler

Die PISA-Ergebnisse zeigen deutliche Schwächen bei den grundlegenden Kompetenzen der Luxemburger Schüler Symbolbild: Pexels

Bei der von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) seit dem Jahr 2000 durchgeführten Vergleichsstudie werden im Abstand von drei Jahren die Kenntnisse und Kompetenzen von 15-Jährigen weltweit bewertet. Damit soll ermittelt werden, inwieweit Jugendliche, die kurz vor dem Abschluss ihrer Pflichtschulzeit stehen, über die notwendigen Kompetenzen verfügen, um uneingeschränkt am gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben teilzunehmen. Die Studie prüft daher nicht nur, ob sie das in der Schule Gelernte wiedergeben können. Sie untersucht vor allem ihre Fähigkeit, ihr sowohl in der Schule als auch außerhalb der Schule erworbenes Wissen abzurufen und auf realitätsnahe Situationen anzuwenden. Im Jahr 2025 nahmen mehr als 760.000 Schüler aus 91 Ländern an der Studie teil.

Luc Weis, Direktor des Script, präsentierte die Ergebnisse

Luc Weis, Direktor des Script, präsentierte die Ergebnisse Foto: Editpress/Didier Sylvestre

Bewertet wurden dabei die Kompetenzen der Schüler in vier Bereichen: So mussten sie im ersten Bereich wissenschaftliche Fragestellungen verstehen, Wissen abrufen und dieses nutzen, um fundierte Entscheidungen zu treffen; mathematische Aufgaben lösen und mathematische Konzepte formulieren, anwenden und interpretieren, um Probleme zu lösen; und sie mussten im Bereich der Lesekompetenz Texte verstehen, nutzen und bewerten, über sie nachdenken und sich mit ihnen auseinandersetzen. Schließlich ging es im vierten Bereich darum, Probleme mithilfe von digitalen Mitteln und Verfahren zu lösen. Dabei wurde die computergestützte Problemlösung bewertet. Im Jahr 2025 bildeten die Naturwissenschaften den Schwerpunktbereich. In den meisten Ländern wurden die Tests – eine Kombination aus Multiple-Choice-Fragen und der Formulierung von Antworten – am Computer durchgeführt und dauerten zwei Stunden. Außerdem füllten die Schüler einen Fragebogen zum sozio-kulturellen Kontext aus, der sich insbesondere auf ihr familiäres Umfeld, ihre Einstellungen, ihre Wahrnehmungen sowie ihre Schul- und Lernerfahrungen bezieht.

6.078

Schüler aus 49 Schulen nahmen in Luxemburg an der PISA-Studie teil

In Luxemburg nahmen 6.078 Schüler aus 49 Schulen teil, die rund 91 Prozent der Schüler zwischen 15 Jahren und 3 Monaten und 16 Jahren und 2 Monaten repräsentieren. Einmal mehr liegen die Luxemburger Schüler mit einem Mittelwert von 474 Punkten unter dem OECD-Durchschnitt von 482 Punkten (Platz 35 von 91 Ländern und Volkswirtschaften), allerdings knapper als 2018, als sie einen Mittelwert von 477 Punkten bei einem OECD-Durchschnitt von 489 erreichten (Luxemburg nahm 2022 nicht an der Studie teil).

Auch in Mathematik lagen die luxemburgischen 15-Jährigen mit 458 Punkten unter dem OECD-Schnitt (463) und belegten damit Platz 34. Bei der letzten Teilnahme waren es 483 von 489. Einen deutlicheren Rückstand hatten sie 2025 in puncto Lesekompetenz mit 443 Punkten gegenüber einem OECD-Schnitt von 461 (Platz 35) – 2018 waren es 470 bei einem Durchschnitt von 487 Punkten. Signifikant ist der allgemeine Leistungsabfall im Durchschnitt aller teilnehmenden OECD-Staaten, Partnerländer und Volkswirtschaften.* Verlernt die Jugend das Lesen?

Unterhalb von Kompetenzniveau zwei

Zugleich steigt in Luxemburg in allen drei Testbereichen der Anteil der Schüler unterhalb des Kompetenzniveaus zwei, das bei PISA als Referenzpunkt für die Kompetenzen dient, die junge Menschen für eine aktive gesellschaftliche Teilhabe benötigen. In den Naturwissenschaften liegt dieser Anteil bei 32 Prozent (OECD-Durchschnitt: 26 Prozent), in Mathematik bei 37 Prozent (OECD: 35 Prozent), beim Lesen bei 38 Prozent (OECD: 31 Prozent).

Wie in den vergangenen PISA-Studien, an denen Luxemburg teilnahm, sind die Leistungsunterschiede zwischen Schülern je nach sozioökonomischem Hintergrund hierzulande besonders groß: So ist der Unterschied in den Naturwissenschaften zwischen denen mit einem hohen und jenen mit einem niedrigen sozioökonomischen Hintergrund bei sage und schreibe 130 Punkten (2018 waren es noch 2018): Der durchschnittliche Unterschied auf OECD-Ebene beträgt 85 Punkte. Auch in Mathe (114) und in der Lesekompetenz (108) sind die Differenzen gewaltig. Wahrlich kein Ruhmesblatt für das hiesige Schulsystem.

Bekannt ist, dass Luxemburg eine Sonderstellung im internationalen Vergleich hat, was den Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund an der gesamten Schülerschaft betrifft. Dieser beträgt 64,6 Prozent (im Vgl. dazu 51,6 Prozent vor zehn Jahren). Die Leistungsunterschiede zwischen Schülern mit und ohne Migrationshintergrund belaufen sich hingegen nur auf 21 Punkte bei den Naturwissenschaften (OECD-Durchschnitt: 44), 15 in Mathematik (OECD: 41) und nur sieben Punkte im Bereich der Lesekompetenz (OECD: 32), im digitalen Lernen liegt die Differenz bei zehn Punkten (OECD: 25).

„Computational Thinking“

Ein weiterer Lichtblick für Luxemburg stellt das Resultat im neuen Bereich „Lernen in der digitalen Welt“ dar, was sich als Stärke erwiesen hat. Hier liegt das Großherzogtum mit 506 Punkten über dem OECD-Durchschnitt von 500 und belegt den 25. Platz. Luxemburg hat sich folglich im „Computational Thinking“ im Vergleich zu 2018 deutlich verbessert.

Vergleicht man die Ergebnisse der luxemburgischen Schüler seit 2012, so ist in den Naturwissenschaften ein kontinuierlicher Leistungsabfall von 491 auf 474, in Mathematik von 490 auf 458 festzustellen – ein regelrechter Absturz bei der Lesekompetenz von 488 auf 443 Punkten. Verlernen die luxemburgischen Schüler allmählich das Lesen? Jedenfalls hat laut Ministerium die Förderung und Stärkung der Lesekompetenz absolute Priorität. Im Schuljahr 2026/2027 soll eine nationale Aktionsplanung diesbezüglich erarbeitet werden.

Die insgesamt negative Entwicklung müsse sehr ernst genommen werden, heißt es in einer Pressemitteilung des Bildungsministeriums. Sie zeige, dass die Stärkung grundlegender Kompetenzen eine zentrale Aufgabe des luxemburgischen Bildungssystems bleibe. Als Schlussfolgerung wird unter anderem auch festgehalten, dass weitere Maßnahmen für die Einschränkung des Gebrauchs von Smartphones neben der Förderung der Lesekompetenzen zu den zentralen Punkten gehören.

*Zu den OECD-Staaten gehören 38 Mitgliedstaaten. Als Partner gelten darüber hinaus B-S-J-Z (China), das für bestimmte chinesische Provinzen und Regierungsbezirke steht, aber auch Hongkong und Macao sowie 17 von 27 ukrainischen Regionen.

1 Kommentare
Grober J-P. 08.09.202610:00 Uhr

"ein regelrechter Absturz bei der Lesekompetenz" Sogar bei Beamten des höheren öffentlichen Dienstes gibt es erhebliche Mängel, nicht nur bei Schülern. Pflichtlektüre an alle, Tintin, Asterix, Schtroumpfs, Max und Moritz, Nick Knatterton.??

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