Nach Social-Media-Shitstorm
Warum Léon Gloden bei einer Patrouille auf der „Gare“ eine Schutzweste trug
Nach dem Spott im Netz rechtfertigt sich Innenminister Léon Gloden: Eine Schutzweste im Bahnhofsviertel trug er auf Empfehlung der Polizei – und unter realen Einsatzbedingungen.
Szenen aus dem Video „Mat der Police ënnerwee am Garer Quartier“ Screenshots: Instagram/Léon Gloden
Eine Gruppe von Politikern und Polizisten steht unter einer Unterführung und leuchtet mit Taschenlampen in die dunklen Ecken. Anschließend ziehen sie im Instagram-Video durch die Straßen des Luxemburger Bahnhofsviertels. Mittendrin: Innenminister Léon Gloden (CSV) und Bürgermeisterin Lydie Polfer (DP). Bei Gloden fällt eine dunkle Weste ins Auge. Eine Schutzweste.
Die Spottreaktionen im Netz ließen nicht lange auf sich warten. „Großes Kino“, „lächerlich“ und „armselig“ ist unter dem Video mit dem Slogan „Mat der Police ënnerwee am Garer Quartier“ auf den Kanälen von Gloden und des Innenministeriums zu lesen. In einer Antwort auf eine parlamentarische Frage von Dan Biancalana (LSAP) erklärt Gloden am Donnerstag, warum er die Weste trug.
Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an
Er habe an einer Polizeistreife im Bahnhofsviertel unter realen Einsatzbedingungen teilgenommen, rechtfertigt sich Innenminister Gloden. „Falls die Streife zu einem Einsatz gerufen worden wäre, hätte ich sie begleitet.“ Auf Wunsch der Polizei und auf Empfehlung seines Sicherheitsbeauftragten habe er deswegen eine Schutzweste getragen. Diese Empfehlung gelte für jede Teilnahme an einer Streife. Denn diese könne jederzeit durch unvorhergesehene oder potenziell gefährliche Einsätze unterbrochen werden.
Gloden hat auch eine Erklärung, warum Bürgermeisterin Polfer keine Schutzweste getragen hat. „Es obliegt jedem Teilnehmer, zu entscheiden, ob er eine Schutzweste tragen möchte oder nicht“, schreibt er. Es verstehe sich von selbst, dass er als zuständiger Minister die Anweisungen der Polizei befolge.
„Gare“-Politik in der Kritik
Die „Gare“ Politik der Gemeinde Luxemburg unter Bürgermeisterin Polfer steht immer wieder im Kreuzfeuer. Die DP-Abgeordnete Barbara Agostino hatte Ende Juni im Tageblatt scharfe Kritik geübt. Im Mai kritisierte bereits DP-Gemeinderätin Anne Kaiffer nach der Schließung ihrer Metzgerei die Politik der blau-schwarzen Mehrheit.
Auch „Law and Order“-Innenminister Gloden hat bisher keine wirksamen Lösungsansätze für die Probleme des Bahnhofsviertels gefunden – trotz Bettelverbot, „Platzverweis renforcé“, verstärkter Polizeipräsenz, Aushilfe aus Rumänien und dem Ausbau der Videoüberwachung.
Das greifen auch die Social-Media-Nutzer unter Glodens Video auf. „Um im Bahnhofsviertel herumzulaufen, benötigt man also eine kugelsichere Weste und Polizisten – danke für die Bestätigung“, schreibt ein Nutzer. „Heißt das, dass man bei einem Umzug auf die ‚Gare‘ eine Schutzweste erhält?“, fragt ein anderer. Ein weiterer Nutzer wirft auf, dass man Maßnahmen ergreifen könnte, damit in Zukunft im Bahnhofsviertel keine Polizei mehr nötig sei.
„Beleidigung für alle Bewohner“
Auch der Luxemburger Kriegsberichterstatter Philippe Schockweiler kommentierte auf Facebook die Aktion. „Politik als Kriegs-Cosplay ist eine Beleidigung für alle Leute, die jeden Tag im Bahnhofsviertel oder in Bonneweg leben“, schreibt er. In der Ukraine würden die Menschen kugelsichere Westen tragen, weil russische Raketen, Drohnen und Artillerie sie umbringen wollen – und Gloden trage eine, weil eine Kamera hinter ihm laufe.