„Bankrotterklärung der liberalen Politik“

Boucherie Kaiffer gibt Standort im Bahnhofsviertel auf – „déi gréng“ fordern Aktionsplan

Die Boucherie Kaiffer schließt ihr Geschäft im Luxemburger Bahnhofsviertel. Betreiberin Anne Kaiffer kritisiert die Situation im Viertel scharf. „déi gréng“ fordern einen Aktionsplan.

déi gréng Politiker zustimmen Metzgeremeisterin Anne Kaiffer bei Kritik an Fleischindustrie und Nachhaltigkeit

Die Grünen stimmen der Kritik von Metzgermeisterin Anne Kaiffer zu Foto: Editpress-Archiv/Didier Sylvestre

Die Boucherie Kaiffer hat ihr Geschäft im hauptstädtischen Bahnhofsviertel endgültig geschlossen. Metzgermeisterin und DP-Gemeinderätin Anne Kaiffer hatte den Betrieb erst 2022 eröffnet – als Zweitstandort neben ihrem Geschäft in der „Groussgaass“. Das Engagement im „Garer Quartier“ bewertet sie rückblickend als Fehlentscheidung.

„Ich glaube nicht mehr an das Bahnhofsviertel“, sagte Kaiffer gegenüber dem Luxemburger Wort. Die Gründe für die Entscheidung seien einerseits wirtschaftlicher Natur, andererseits jedoch auch die Situation im Viertel. Kaiffer berichtet von Obdachlosen und Drogenabhängigen, die regelmäßig im Hauseingang Müll und Exkremente hinterlassen. Sich selbst sieht sie als Geschäftsfrau und Kommunalpolitikerin in einer schwierigen Doppelrolle. Sie fordert Verbesserungen, betont jedoch, dass es keine einfachen Lösungen gibt. Die Stadt stoße bereits an die Grenzen ihrer Möglichkeiten.

„déi gréng“ unterstützen Kaiffers Kritik

„déi gréng“ reagierten am Montag mit einer Pressemitteilung auf Kaiffers Aussagen und unterstützen deren Kritik. Ihre Feststellungen zeugten „von Resignation sowie Ideenlosigkeit der derzeitigen Verantwortlichen, um die Lebenssituation auf der Gare zu verbessern“. Die Partei spricht von einer „Bankrotterklärung der liberalen Politik für das Viertel Gare“ und von einem „lokal- wie nationalpolitischen Scheitern der DP/CSV-Koalition“.

Seit mehr als 50 Jahren stelle die DP den Bürgermeister in Luxemburg-Stadt und sei auch im Parlament stark vertreten. Ein überzeugendes Konzept zur Aufwertung des Viertels fehle jedoch weiterhin. Stattdessen gebe es „immer wieder dieselben Ausreden“ zum Leerstand und zur Verwahrlosung. Andere Städte wie etwa Zürich zeigten, dass es konkrete Lösungsansätze gebe – gegen Drogenprobleme, Obdachlosigkeit und Prekarität sowie zur Verbesserung von Sicherheit und Wirtschaft. Es sei eine Frage des politischen Willens.

„déi gréng“ fordern einen „Aktionsplan Gare“, der gemeinsam mit allen Beteiligten erarbeitet und laufend angepasst wird. Er soll die Drogenproblematik durch bessere und dezentralisierte Hilfsangebote angehen, Obdachlosigkeit durch hohe Investitionen in Housing-first-Projekte reduzieren und die Sicherheit durch mehr Polizeipräsenz verbessern. Eine „dringende Umgestaltung“ soll das Viertel wirtschaftlich beleben. Gegen den Leerstand soll eine Steuer auf ungenutzte Geschäftsflächen eingeführt werden. (les)

0 Kommentare
Das könnte Sie auch interessieren

Erster Schritt des langen Weges zur Unesco

Schiefergruben in Obermartelingen wollen Weltkulturerbe werden

;