Präsidentschaftswahlen
1.444 Brasilianer stimmen in Esch über neues Staatsoberhaupt ab
Wenn die Brasilianer am Sonntag wählen, erfolgt die Stimmabgabe über das bewährte System der „elektronischen Wahlurnen“. Doch nicht nur in Brasilien stimmen am 4. Oktober etwa 156 Millionen Wählerinnen und Wähler über die politische Ausrichtung des größten südamerikanischen Landes für die nächsten vier Jahre ab. Auch in Luxemburg.
Im Escher Rathaus können die in Luxemburg registrierten Brasilianer am Sonntag ihre Stimme abgeben Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante
Bei den Präsidentschafts-, Kongress-, Gouverneurs- und Landesparlamentswahlen werden nicht nur das Staatsoberhaupt und sein Vize, sondern die gesamte Abgeordnetenkammer (513 Sitze) und zwei Drittel des Senats (54 Sitze) sowie 27 Gouverneure und die Parlamente in den 26 Bundesstaaten und dem Bundesdistrikt neu gewählt. Sollte bei der Präsidentschafts- und Gouverneurswahl kein Kandidat die absolute Mehrheit erreichen, findet am 25. Oktober eine Stichwahl statt. Favoriten für die Präsidentschaftswahl sind der Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva (Partido dos Trabalhadores) und Senator Flávio Bolsonaro (Partido Liberal). Es gilt übrigens Wahlpflicht für alle Brasilianer von 18 bis 70 Jahren.
Zur Wahl aufgerufen sind jedoch auch die Brasilianer, die im Ausland leben. Sie wählen allerdings nur den Präsidenten. Die 1.444 in Luxemburg lebenden und zugleich als Wähler registrierten Brasilianer werden im Escher Rathaus an die Wahlurne gerufen. Das Wahllokal ist von 8.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Nach Angaben des brasilianischen Generalkonsulats in Brüssel wurde der neue Ort aufgrund des starken Wachstums der Wählerschaft ausgewählt. Denn die Zahl der brasilianischen Wähler hierzulande ist im Vergleich zur letzten Wahl 2022 um 82 Prozent gestiegen. Esch gehört zu den Gemeinden mit der höchsten Anzahl brasilianischer Staatsbürger.
Die Brasilianer, die ihren Wohnsitz in Luxemburg haben, müssen also nach Esch reisen. 2022 konnten sie ihre Stimme in der Hauptstadt abgeben. Der Aufenthaltsstatus hat dabei keinen Einfluss auf das Wahlrecht. Wer den ersten Wahlgang versäumt, kann zudem in der eventuellen Stichwahl wie gewohnt wählen. Für Brasilianer, die nicht wählen können oder ihren Wahlausweis nicht übertragen haben, besteht die Möglichkeit, sich per einer eigens geschaffenen App abzumelden. Sie müssen dies allerdings begründen.
Betrugssichere elektronische Wahlurnen
Abgestimmt wird übrigens mit einer „Urna eletrônica“. Dies erlaubt nicht zuletzt die schnelle Übertragung der Wahlresultate. Das elektronische Wahlsystem des „Voto eletrônico“ hat übrigens mittlerweile eine 30-jährige Tradition in Brasilien. Zum ersten Mal eingesetzt wurde es 1996. Die Identifizierung der Wähler erfolgt durch einen Abgleich des Fingerabdrucks und des biometrischen Fotos. Die Wahlurnen selbst verfügen während der Stimmabgabe über keine Internet-, WLAN- oder Bluetooth-Verbindung, sodass Eingriffe von außen verhindert werden können. Nach der Schließung des Wahllokals wird das Boletim de Urnas (Wahlurnenprotokoll) mit den Stimmen des Lokals ausgedruckt. Die Daten werden an das Tribunal Superior de Eleitoral (TSE), das Oberste Wahlgericht, in Brasilien übermittelt. Das TSE hat bestätigt, dass es seit 1996 keinen Fall von Betrug bei der Auszählung oder bei der Stimmabgabe gab. Das System wird nach Angaben des Gerichts sowohl vor als auch nach jeder Wahl geprüft und einem Sicherheitstest unterzogen.
Im Jahr 2021 waren es noch 5.142 in Brasilien geborene Menschen, die in Luxemburg lebten, 891 davon besaßen die luxemburgische Nationalität. Über eine historische Abstammungsregelung, die für Brasilianer mit Luxemburger Vorfahren gilt, stieg die Zahl der eingebürgerten Brasilianer – und die keine andere europäische Staatsbürgerschaft besitzen – hierzulande in zehn Jahren laut Statec von 1.784 auf 3.677 (Stand 1. Januar 2026). Insgesamt erhielten über die Sonderregelung bislang 13.000 bis 14.000 Brasilianer die luxemburgische Staatsbürgerschaft. Viele von ihnen leben aber noch in Brasilien. Die Zahl der in Brasilien lebenden Luxemburger stieg von 2018 bis 2026 von 2.844 auf mehr als 33.000.