Wilmes-Affäre
Suspendierter Chirurg spricht von „finsterer Intrige“
Mehrere Patientinnen werfen dem Orthopäden Philippe Wilmes unnötige Operationen vor. Der Mediziner spricht von einer „finsteren Intrige“, sieht politische Motive und will seine Suspendierung notfalls vor Gericht anfechten.
Der Orthopäde Philippe Wilmes will seine Suspendierung notfalls vor Gericht anfechten Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante
CSV-Gesundheitsministerin Martine Deprez hat in der vergangenen Woche den Orthopäden Philippe Wilmes für drei Monate suspendiert – wegen mutmaßlich unnötiger Knieoperationen. Mehrere Patientinnen erheben schwere Vorwürfe gegen den Chirurgen. Auch die „Patientevertriedung“ verzeichnet eine auffällige Häufung von Meldungen: Bis Montag seien rund ein Dutzend Beschwerden eingegangen. Wilmes’ Anwalt versucht derweil, die Öffentlichkeit von der Unschuld seines Mandanten zu überzeugen.
Wie das Luxemburger Wort am Dienstag berichtete, hat Wilmes ein Schreiben an seine Patienten verfasst. Darin informiere er nicht nur über die Suspendierung, sondern weise die gegen ihn vorliegenden Vorwürfe zurück: Die Anschuldigungen seien anonym und unbegründet.
Worum es geht
Dem Orthopäden Philippe Wilmes wird vorgeworfen, dass bei von ihm durchgeführten Kreuzbandoperationen an den Knien von Patienten Abweichungen zwischen Anamnese, klinischer Untersuchung, präoperativer Bildgebung und gewählter Operationsmethode festgestellt wurden. Er soll darüber hinaus Operationen zur Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes durchgeführt haben, die medizinisch nicht indiziert gewesen seien.
Wilmes fordert Aufhebung der Suspendierung
Die aktuelle Affäre beschreibe er in dem Brief als „politisch motiviert“ – sein politisches Engagement für eine Verbesserung des Gesundheitssystems habe „offensichtlich gestört“. Nun würden rechtsstaatliche Instrumente benutzt, um „zu versuchen, einen politischen Gegner aus dem Weg zu räumen“. Der Orthopäde fordert eine sofortige Aufhebung seiner Suspendierung.
Gegenüber dem Wort sagte Wilmes am Dienstag zudem, dass, sollte die Gesundheitsministerin die Suspendierung nicht rückgängig machen, er diese notfalls vor dem Verwaltungsgericht anfechten werde – sowohl im regulären Verfahren als auch im Eilverfahren. Die Vorwürfe seien „grotesk“ und „absurd“. Es handele sich um eine „finstere Intrige“ mit dem Ziel, ihn „beruflich und menschlich zu zerstören“.
Auch die Gesundheitskommission der Chamber befasst sich am Mittwoch mit der Affäre. „déi gréng“ hatten in einem Antrag gefordert, dass „so schnell wie möglich“ eine Sitzung stattfinden solle, um das Thema zu besprechen. Allerdings steht der Termin auf wackligen Beinen: Gesundheitsministerin Martine Deprez (CSV) sitzt wegen technischer Probleme derzeit auf Zypern fest.
Zehn Suspendierungen in fünf Jahren
Auf Nachfrage von RTL gab die „Santé“ bekannt, dass in den vergangenen fünf Jahren zehn Ärzte in Luxemburg suspendiert wurden. Diese Suspendierungen könnten gesetzlich auf maximal zwei Jahre verlängert werden. 2023 und 2024 gingen darüber hinaus nach RTL-Angaben insgesamt 260 Beschwerden von Patienten oder öffentlichen Einrichtungen beim „Collège médical“ ein. Beanstandungen von Ärzten gegen Kollegen seien hingegen selten. (les)