Family of Man
Parlamentarische Kulturkommission befasst sich erneut mit der gefährdeten Ausstellung
Die Kulturkommission befasst sich am Mittwoch mit der Klimaaffäre rund um die „Family of Man“. Thill und Zeimet müssen Farbe bekennen.
Der Abgeordnete Marc Baum hat den Minister in die Kulturkommission einbestellt Foto: Editpress/Julien Garroy
Die parlamentarische Kulturkommission tagt am Mittwoch ab 14.00 Uhr in öffentlicher Sitzung. Auf der Tagesordnung steht unter Punkt drei ein Austausch über die vom Kulturministerium übermittelten Dokumente im Dossier „Family of Man“. Der Abgeordnete Marc Baum („déi Lénk“) hatte die Klimadaten der Ausstellung, die Verträge mit den Wartungsfirmen und die Sicherheitsprotokolle des „Centre national de l’audiovisuel“ (CNA) angefordert. Das CNA ist Kurator der Ausstellung.
Es ist das erste Mal, dass die Kommission das Thema in öffentlicher Sitzung behandelt. Dem voran ging eine Sitzung unter Ausschluss der Öffentlichkeit am 11. März.
Hintergrund ist eine monatelange Auseinandersetzung über den Zustand der Unesco-prämierten Fotoausstellung im Schloss Clerf. Die Sammlung „The Family of Man“ – 503 Fotografien aus 68 Ländern, 1955 von Edward Steichen zusammengestellt und seit 2003 im Register des Weltdokumentenerbes eingetragen – besteht aus Gelatine-Silber-Abzügen, die auf Holzplatten aufgezogen sind. Dieses Verbundmaterial reagiert außergewöhnlich empfindlich auf Schwankungen von Luftfeuchtigkeit und Temperatur.
Falsche Angaben des Kulturministers
Im vergangenen Sommer hatte die Klimaanlage im Schloss Clerf versagt. Eine Anfrage der CSV-Abgeordneten Stéphanie Weydert beantwortete Kulturminister Eric Thill (DP) am 6. März inzwischen nachgewiesenermaßen falsch. CNA-Direktor Gilles Zeimet präsentierte der Kommission dann am 11. März dem Vernehmen nach eine Auswertung, die auf Tagesdurchschnittswerten über alle Ausstellungsräume basierte. Dieses Verfahren verschleiert die tatsächlichen Extremwerte in einzelnen Räumen. Thill räumte im RTL-Interview erstmals ein, dass die Grenzwerte überschritten worden seien, bekräftigte jedoch, die kritischen Werte seien lediglich „zu minimalen Zeitpunkten“ und nur für „Minuten“ überschritten worden.
Eine exklusive Datenanalyse des Tageblatt auf Basis von 585.000 Messwerten aus neun Ausstellungsräumen widerlegt auch diese Darstellung. An 138 Tagen zwischen Juli und Dezember 2025 überschritt mindestens ein Raum den vom CNA selbst definierten Grenzwert für relative Luftfeuchtigkeit. Die Temperaturschwankungen in den einzelnen Räumen betrugen teilweise 8 Grad an einem einzigen Tag. Die Analyse wurde durch einen unabhängigen Datenwissenschaftler verifiziert. Es ist anzunehmen, dass Marc Baum den Parlamentskollegen morgen eine eigene Analyse präsentieren wird.
Weiterhin ungeklärt bleibt, ob die Sammlung durch die monatelangen Schwankungen von Temperatur und Luftfeuchtigkeit dauerhaften Schaden genommen hat. Internationale Konservierungsstandards, darunter die Norm ISO 18920 für fotografische Abzüge und die Richtlinien des ICOM-CC, des internationalen Museumsrats, verlangen bei derartigen Überschreitungen eine Inspektion durch unabhängige Restauratoren. Eine solche hat bislang nicht stattgefunden.
Kulturminister Thill nimmt an der Sitzung teil. CNA-Direktor Zeimet soll dem Vernehmen nach ebenfalls teilnehmen. Auf ihre Interpretation der eigentlich unmissverständlichen Datenlage darf man gespannt sein.