Wilmes-Suspendierung
Gesundheitskommission sieht keinen Anlass, am Expertenbericht zu zweifeln
Die Gesundheitskommission der Chamber hat sich am Mittwoch erneut den Fall Wilmes vorgeknöpft – und Gesundheitsministerin Deprez. Die Parlamentarier sehen keinen Anlass, am Expertenbericht und der Verlängerung der Suspendierung des Orthopäden zu zweifeln. Der will aus seiner Suspendierung eine Dokumentation drehen lassen.
Gesundheitsministerin Martine Deprez ist am Mittwoch zu Gast in der Chamber Foto: Editpress/Julien Garroy
Die Gesundheitskommission der Chamber hat sich am Mittwochmorgen noch einmal mit der Affäre um den suspendierten HRS-Arzt Philippe Wilmes beschäftigt. Ursprünglich sollte Gesundheitsministerin Martine Deprez (CSV) die Chamber über die Verlängerung von dessen Suspendierung um 21 Monate informieren. Da diese Informationen – inklusive Gegendarstellung des betroffenen Arztes – bereits am Dienstag ihren Weg in die Öffentlichkeit gefunden hatten, beschäftigte sich die Chamber am Mittwoch eingehender mit der Suspendierung und ihren möglichen Folgen.
„In zehn von zehn Fällen haben die drei Experten einstimmig festgestellt, dass unnötige Behandlungen vorgenommen wurden. Auf Basis dieses Expertenberichtes habe ich die Suspendierung um 21 Monate verlängert“, erklärte Deprez nach der Kommissionssitzung in der Chamber. Einzelne Elemente wie auch die Methodologie wolle sie nicht weiter in der Öffentlichkeit diskutieren. „Meines Wissens nach war für jeden untersuchten Fall eine komplette Dokumentation vorhanden. Die Experten sind für ihre Methodologie verantwortlich und es wurde nicht einseitig analysiert.“ Kritik, dass die Prozedur nicht „kontradiktorisch“ sei, wies Deprez zurück. Wilmes habe ebenso wie das Ministerium einen Experten ernannt. Diese beiden haben ihrerseits einen dritten Experten bestimmt: einen Radiologen. Gemeinsam haben die drei dann die vorliegenden Fälle begutachtet.
Einstimmigkeit der drei Experten
Die drei Experten hätten geurteilt, dass Operationen aus medizinischer Sicht nicht notwendig gewesen seien. „Wenn der Expertenbericht infrage gestellt werden soll, können Gerichte darüber urteilen“, sagte Deprez. Andere von außen herangetragene Expertenmeinungen seien kein integraler Bestandteil der laufenden administrativen Prozedur, aufgrund derer die Suspendierung aller chirurgischen Aktivitäten festgehalten wurde. Sie müsse sich als Gesundheitsministerin auf den vorliegenden Bericht stützen. Auf Basis des Expertenberichtes wurde am Dienstag auch die Staatsanwaltschaft informiert, erklärte Deprez.
Ähnlicher Meinung waren auch die Oppositionspolitiker Mars Di Bartolomeo (LSAP) und Djuna Bernard („déi gréng“). Die Oppositionsabgeordneten bemängelten zwar, dass sie den entsprechenden Expertenbericht noch nicht vorliegen hätten. Jedoch äußerte niemand inhaltliche Zweifel an den Schlussfolgerungen der Experten. „Ich will betonen, dass dies kein Generalverdacht gegen die Ärzteschaft in Luxemburg darstellt, sondern ein Einzelfall ist“, sagte Di Bartolomeo im Anschluss an die Sitzung. Er spreche auch als langjähriger Gesundheitsminister, wenn er sage, dass die Entscheidung im Rahmen der entsprechenden Prozedur im Interesse des Patienten sei.
„Die Experten haben ihre Arbeit gemacht“, schloss sich Bernard an. Nun könne die Disziplinarprozedur, wie sie im Gesetz vorgesehen ist, vom „Collège médical“ vorbereitet werden. „Der betroffene Arzt hat das Recht, die Expertise anzuzweifeln. Wir haben jedoch drei Experten, die einstimmig einer Meinung sind, und das müssen wir so akzeptieren.“ In den kommenden 21 Monaten können sowohl das „Collège médical“ als auch die Staatsanwaltschaft ihrer Arbeit nachgehen, wie das in einem Rechtsstaat der Fall sein müsse.
Demnächst auch im Kino
Das „Collège médical“ und dessen Rechtsberatung Me Lydie Lorang wollten im Anschluss an die Sitzung keine Fragen der anwesenden Journalisten beantworten.
Die Frage, ob oder inwiefern Wilmes juristisch gegen die Verlängerung seiner Suspendierung vorgehen wird, hat dessen Anwaltskanzlei auf Tageblatt-Anfrage bisher noch nicht beantwortet. Die Verteidigung des suspendierten Orthopäden will dennoch medial nicht ruhen. Seine Lebensgefährtin Alexandra Hoesdorff stellte sich am Mittwochmorgen in der Chamber einigen Journalisten vor und erklärte, aus der Affäre eine „Dokumentation“ produzieren zu wollen. Sie war am Mittwochmorgen in der Chamber anwesend, filmte sowohl die Liveübertragung und die anwesende Journalisten-Schar als auch die Interviews mit den Politikern nach der Kommissionssitzung. Hoesdorff ist gemeinsam mit der Schauspielerin Désirée Nosbusch Teilinhaberin der Produktionsfirma Deal SA.