Luxemburg

Nationaler Hitzeaktionsplan: Zahl der Anmeldungen hat sich 2026 mehr als verdoppelt

Der nationale Hitzeaktionsplan soll ältere und besonders gefährdete Menschen bei großer Hitze schützen. Doch wie gut erreicht das Angebot diejenigen, die Hilfe benötigen?

Der nationale Hitzeaktionsplan soll gefährdete Menschen bei hohen Temperaturen unterstützen

Der nationale Hitzeaktionsplan soll gefährdete Menschen bei hohen Temperaturen unterstützen Symbolfoto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

Die Hitzewelle im Juni hat den nationalen Hitzeplan in Luxemburg deutlich stärker gefordert als in den vergangenen Jahren. 2026 haben sich bislang 436 Menschen für das Programm angemeldet – mehr als doppelt so viele wie 2024 und 2025. Das geht aus der Antwort von Gesundheitsministerin Martine Deprez (CSV) auf eine parlamentarische Anfrage des LSAP-Abgeordneten Mars Di Bartolomeo hervor.

Der „Plan Canicule“ (nationaler Hitzeaktionsplan) wurde nach der Hitzewelle von 2003 eingeführt und soll insbesondere ältere, gefährdete oder isoliert lebende Menschen während extremer Hitze unterstützen. Bei einer Aktivierung des Plans können je nach Situation tägliche Besuche, telefonische Kontakte oder bei Bedarf auch eine Überweisung in die Notaufnahme erfolgen.

Mehr als 4.700 Kontakte im Juni

Besonders stark wurde der Plan während der Hitzewelle vom 18. bis zum 29. Juni des aktuellen Jahres beansprucht. Nach Angaben der Ministerin kam es in diesem Zeitraum zu mehr als 4.700 Kontakten mit den eingeschriebenen Personen. Deprez spricht dabei von mindestens 436 Einsätzen täglich.

Eine exakte Zahl der einzelnen Einsätze im Laufe der Jahre lasse sich allerdings derzeit nicht ermitteln. Die verfügbaren Daten basieren laut Deprez auf einem pauschalen Abrechnungssystem. Dadurch könne nicht nachvollzogen werden, wie viele einzelne Besuche, Telefonate oder andere Einsätze tatsächlich durchgeführt wurden. Eine laufende Digitalisierung des Systems soll künftig eine detailliertere Erfassung ermöglichen.

Der Hitzeaktionsplan wurde seit seiner Einführung bislang viermal wegen großer Hitze beziehungsweise einer roten Warnstufe aktiviert: am 4. Juli 2015, am 24. Juli 2019, am 8. August 2020 und zuletzt am 18. Juni 2026.

Zahl der Anmeldungen hat sich verdoppelt

Auch bei den Anmeldungen zeigt sich in diesem Jahr eine deutliche Entwicklung. 2024 hatten sich 211 Menschen für den Plan registriert, 2025 waren es 199. 2026 stieg die Zahl auf 436.

Als Gründe nennt Deprez unter anderem eine Aktualisierung der Datenbank, die für den Versand von Informationsschreiben genutzt wird. Hinzu kamen bereits ab Mai mehrere Hitzeperioden, die frühzeitig auf die Bedeutung des Angebots aufmerksam machten.

Trotz des starken Anstiegs sieht die Ministerin derzeit noch keine Kapazitätsprobleme. Die vorhandenen personellen Ressourcen könnten demnach potenziell rund 700 Menschen betreuen – also etwa doppelt so viele, wie derzeit eingeschrieben sind.

Keine großen regionalen Unterschiede

Der Plan gilt für das gesamte Land. Die verfügbaren personellen Ressourcen werden nach Angaben der Ministerin entsprechend der Bevölkerungszahl der einzelnen Kantone verteilt.

Signifikante regionale Unterschiede bei der Nutzung oder der Abdeckung des Angebots seien laut Deprez nicht erkennbar. Die Verteilung der Anmeldungen entspreche grundsätzlich der Bevölkerungsverteilung. Eine Ausnahme bildet nur der Kanton Luxemburg: Dort leben 24 Prozent der Landesbevölkerung, gleichzeitig kommen 31 Prozent der eingeschriebenen Personen aus diesem Kanton.

Die steigende Zahl an Hitzewellen wirft zugleich die Frage auf, ob der bisherige Ansatz des Plans noch ausreicht. Di Bartolomeo stellte zudem die Frage, ob der Plan künftig stärker proaktiv ausgerichtet werden sollte, damit auch gefährdete Menschen erreicht werden, die sich bislang nicht freiwillig registriert haben.

Ausweitung des Plans wird geprüft

Eine grundsätzliche Neuausrichtung kündigt Deprez zwar nicht an. Sie erklärt jedoch, dass derzeit gemeinsam mit den beteiligten Akteuren darüber nachgedacht werde, den Kreis der möglichen Empfänger auszuweiten. Im Gespräch seien unter anderem Menschen mit schweren chronischen Erkrankungen, Menschen mit Behinderung sowie Personen, die sozial isoliert leben.

Gemeinden und Sozialämter sind laut der Ministerin bereits in die Umsetzung des Hitzewellenplans eingebunden. Auch Apotheken werden regelmäßig mit Informationsmaterial versorgt und sollen potenziell gefährdete Kunden auf das Angebot aufmerksam machen. Die Betreuung der eingeschriebenen Personen übernehmen vor allem die Netzwerke der häuslichen Hilfe und Pflege.

Angesichts früher einsetzender, länger andauernder und intensiverer Hitzeperioden sowie einer alternden Bevölkerung seien jedoch eine kontinuierliche Wachsamkeit hinsichtlich der Maßnahmen sowie eine regelmäßige Anpassung der eingesetzten Instrumente notwendig, betont Deprez.

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