Umfrage
Wie die Luxemburger auf den Zustand der Demokratien in Europa blicken
Eine aktuelle Umfrage des „Zentrum fir politesch Bildung“ zeigt: Die Menschen in Luxemburg stehen hinter der Demokratie, sehen sie aber zunehmend unter Druck.
Die ZpB hat 600 Personen in Luxemburg zu ihrer Wahrnehmung des Zustands der Demokratien in Europa befragt Symbolfoto: Magnific
Die Menschen in Luxemburg stehen hinter der Demokratie. Zugleich wächst die Sorge, dass sie angesichts der aktuellen Herausforderungen unter Druck gerät. Das geht aus einer aktuellen Umfrage des „Zentrum fir politesch Bildung“ (ZpB) zur Wahrnehmung des Zustands der Demokratien in Europa und Luxemburg hervor. Diese wurde zwischen dem vergangenen 19. Juni und dem 2. Juli unter 600 Personen ab 15 Jahren mit Wohnsitz in Luxemburg durchgeführt.
Demokratie genießt weiterhin hohen Rückhalt
Laut ZpB sind die Achtung der Menschenrechte, eine unabhängige Justiz und Meinungsfreiheit für die Befragten die grundlegenden Säulen der Demokratie. Mehr als sieben von zehn Befragten sehen diese in Europa derzeit jedoch mit „echten oder sehr großen Bedrohungen“ konfrontiert. Zugleich sind die Einschätzungen zur Bewältigung der aktuellen Herausforderungen geteilt: 44 Prozent bezweifeln, dass die Demokratien ihnen gewachsen sind, während 52 Prozent optimistisch bleiben.

Grafik: ZpB
Als größte Bedrohungen für die Demokratie gelten laut ZpB der Vertrauensverlust in die Politik (43 Prozent), die zunehmende Verbreitung von Fake News (40 Prozent) sowie wachsende gesellschaftliche und internationale Spannungen (jeweils 34 Prozent). Die Befragten sprechen sich daher vor allem für einen stärkeren Kampf gegen Desinformation (47 Prozent), weniger soziale Ungleichheit (43 Prozent) und eine Förderung des kritischen Denkens (38 Prozent) aus.
Schule soll Demokratie vermitteln
71 Prozent der Befragten sehen zudem Bedarf, die demokratische Kultur in Luxemburg zu stärken. Dabei setzen sie insbesondere auf politische Bildung und die Schule.

Grafik: ZpB
Für 57 Prozent der Über-55-Jährigen sowie 58 Prozent der Personen mit luxemburgischer Staatsangehörigkeit ist die Schule der wichtigste Ansatzpunkt, um die demokratische Kultur zu stärken. Besonders wichtig sind ihnen das Erlernen von gegenseitigem Respekt und Toleranz (63 Prozent) sowie von gewaltfreier Konfliktlösung (54 Prozent).
Mehr erfahren möchten die Befragten vor allem über die Auswirkungen künstlicher Intelligenz, Desinformation, soziale Ungleichheit, Meinungsfreiheit (und ihre Grenzen) und die Rechte und Pflichten der Bürger.
Wunsch nach mehr Engagement von der Regierung
41 Prozent wünschen sich bei der Förderung von Demokratie in der Luxemburger Gesellschaft vorrangig ein stärkeres Engagement der Regierung. Dahinter folgen Schulen mit 35 Prozent und die Bürgerinnen und Bürger selbst mit 32 Prozent.
Das ZpB sieht die Ergebnisse der Umfrage als Ansporn, seine Aktivitäten weiter auszubauen. Mehr als ein Drittel der Bevölkerung ab 15 Jahren kenne die Stiftung, bei den Luxemburgern seien es sogar 53 Prozent. Gleichzeitig müsse es gelingen, Bevölkerungsgruppen stärker einzubeziehen, die bislang weniger am gesellschaftlichen und politischen Leben teilnehmen – insbesondere Menschen ausländischer Herkunft. (les)