Kritik vom SEW
Luxemburgs Schüler schwitzten während der Hitzewelle bei durchschnittlich 32,2 Grad
Schwitzen und lernen – das war für Luxemburgs Schüler während der Hitzwelle Alltag. Das Syndikat Erziehung und Wissenschaft (SEW) vom OGBL sieht darin ein strukturelles Problem.
Ein Klassenzimmer im „Lycée de garçons“ in Luxemburg-Stadt Foto: Editpress/Alain Rischard
Die Extrem-Hitzewelle hat ganz Luxemburg zugesetzt – auch den Schülern. Während vereinzelte Grundschulen zumindest nachmittags schulfrei ausgerufen hatten, musste der Großteil der Kinder und Jugendlichen den ganzen Tag anrücken. Die Temperaturen stiegen in den Klassenzimmern dabei teilweise auf über 35 Grad, wie das Syndikat Erziehung und Wissenschaft (SEW) vom OGBL am Donnerstag mitteilte.
Mehr als 35 Grad
Das SEW hat Lehrkräfte gebeten, am 27. Juni die Temperaturen in ihren Klassenzimmern zu messen. Mehr als 1.200 Messungen gingen daraufhin ein. Das Resultat: eine durchschnittliche Temperatur von 32,2 Grad. In 17 Prozent der Räume lag die Temperatur sogar bei mehr als 35 Grad.
„Schüler und Lehrkräfte mussten unter inakzeptablen Arbeits- und Lernbedingungen leiden“, fasst das SEW die Situation in den Schulen in der Hitzewelle zusammen. Die Zahlen würden zeigen, dass es sich nicht um Einzelfälle, sondern um ein strukturelles Problem handele. Das Luxemburger Schulsystem sei nicht auf Hitzewellen vorbereitet. Der Bildungsminister habe zudem die Bewältigung der Krise an die Gemeinden und die Schulleitungen abgewälzt.
Ein paar Hundert Ventilatoren
Die fehlende einheitliche Linie wurde bereits während der Hitzwelle kritisiert. Bildungsminister Claude Meisch (DP) relativierte diese allerdings im RTL-Interview: Warm sei es für alle, egal ob in der Schule, auf dem Weg dorthin oder zu Hause. Ein generelles Hitzefrei stelle Familien und Arbeitswelt vor große Probleme: Man würde das Land lahmlegen, wenn alle Kinder daheimblieben, denn dann könnten auch die Eltern nicht mehr arbeiten gehen. Nationale Regeln brauche es nicht, die Situationen seien zu unterschiedlich, die Gebäude auch.
Für die Bekämpfung der Hitze hat die Gemeinde Luxemburg-Stadt „ein paar Hundert Ventilatoren“ in ihren Grundschulen aufgestellt. Nach der Hitzewelle im vergangenen Jahr hatte die Hauptstadt diese Maßnahme vorgenommen. Der Abgeordnete und Schöffe Paul Galles (CSV) gab am Dienstag in einem Interview mit 100,7 aber zu, dass das nicht mehr ausreicht. Für nächstes Jahr soll ein richtiger Hitzeplan stehen.
Keine Ausnahme mehr
Die Opfer dieser Politik seien die Schüler, schreibt das SEW. Die Temperaturen für effizientes Lernen – und den Schutz ihrer Gesundheit – seien weit überschritten worden. Auch die Lehrkräfte und das gesamte Bildungspersonal seien gezwungen gewesen, unter besonders belastenden Bedingungen zu arbeiten.
Weil Hitzewellen keine Ausnahmeerscheinungen mehr sind, fordert das SEW einen nationalen Plan zur Anpassung der Schulen an Hitzewellen. „Es ist illusorisch, jede Hitzewelle weiterhin im Notfall zu bewältigen oder es jeder lokalen Behörde zu überlassen, eigene Lösungen zu improvisieren“, steht in der Mitteilung. Es müssten einheitliche Verfahren sowie objektive Kriterien festgelegt werden, die den Schutz der Gesundheit der Schüler und des Personals gewährleisten. Denn der Klimawandel sei mittlerweile Realität.