Gescheiterte Konvention zwischen AMMD und CNS
Mars Di Bartolomeo: „Ist überhaupt noch ein Pilot an Bord?“
Seit 37 Jahren beschäftigt sich Mars Di Bartolomeo (74) mit Gesundheitspolitik. Im Tageblatt-Interview erklärt er, wieso die Forderungen der AMMD bei den Verhandlungen mit der CNS über eine neue Konvention zu einer Zwei-Klassen-Medizin führen würden, spricht sich für eine selektive Erhöhung der Arzttarife aus und wünscht sich mehr politische Steuerung in der Gesundheitspolitik.
Von 2004 bis 2009 war Mars Di Bartomoleo unter CSV-Premier Jean-Claude Juncker Gesundheitsminister, seitdem ist er gesundheitpolitischer Sprecher der LSAP im Parlament Foto: Editpress/Julien Garroy
Tageblatt: Die AMMD hat die neue Konvention mit der CNS nicht unterzeichnet, die Schlichtung hat am Donnerstag ohne Ergebnis geendet. Die liberale Ärzteschaft fordert zusätzlich zur höchstmöglichen Aufbesserung der Tarife und Abschaffung der Anti-Kumul-Regeln bei der Abrechnung von Behandlungsakten, die Bestimmungen zu den „convenances personnelles“ aus der Konvention zu streichen. Welche Folgen hätte das für das Gesundheitssystem?
Mars Di Bartolomeo: Ursprünglich hatte die AMMD gefordert, dass Ärzte ihre Tarife frei festlegen können und die CNS lediglich entscheidet, was sie davon rückerstattet. Nach kritischen Reaktionen von fast allen Seiten hat sie diese Forderung nun neu verpackt: Zwar will die AMMD die Tarife der Konvention respektieren, würde sie sie unterzeichnen, doch im Gegenzug sollen die „Sonderleistungen“, die nicht immer Sonderleistungen sind, von den Ärzten selbst festgelegt werden können. Würde ein Patient zum Beispiel kurzfristig eine Konsultation wollen, obwohl keine mehr frei ist, könnte der Arzt ihm einen Termin geben, doch als Gegenleistung einen Aufschlag verlangen, der nicht von der CNS bezahlt würde und dessen Höhe er frei bestimmen könnte. Das könnte ernsthafte Folgen für die Patienten haben.