Creos/DataThings

Künstliche Intelligenz für Luxemburgs Stromnetz: Wie Luxemburg die Energiewende schaffen will

Wie kann Luxemburgs Strominfrastruktur die Energiewende schaffen? Mit Künstlicher Intelligenz, sagen Creos und DataThings, die ihre Applikation Alva im Beisein von Energieminister Claude Turmes am Freitag vorgestellt haben. 

In der Applikation sind alle sogenannten „Assets“ eingetragen und ermöglichen es, digitale Simulationen im Stromnetz vorzunehmen

In der Applikation sind alle sogenannten „Assets“ eingetragen und ermöglichen es, digitale Simulationen im Stromnetz vorzunehmen Screenshot: Werbevideo Alva/DataThings

Künstliche Intelligenz, die über das Luxemburger Stromnetz wacht. Was sich für die einen nach einer wahr gewordenen Dystopie anhört, ist für die anderen der Weg in Richtung Zukunft und Fortschritt. Für Luxemburg ist es mit der Applikation Alva, die von der Firma Datathings entwickelt wurde und bei Creos zum Einsatz kommt, Realität. Teilweise zumindest, denn: Die Applikation Alva wacht über einen digitalen Zwilling des Creos-Stromnetzes und soll somit helfen, das Netz effizienter zu verwalten und zukünftig resilienter zu gestalten. „Ein KI-Modell hilft uns dabei, den Verbrauch des Netzes anhand von 50 Billionen Datapoints besser zu verstehen“, erklärt Grégory Nain, Betriebsleiter von DataThings. Auch soll es künftig möglich sein, den Einfluss des Wetters auf das Stromnetz besser zu verstehen und anstehende Wartungsarbeiten und deren Auswirkungen im digitalen Zwilling zu simulieren – damit es im realen Stromnetz nicht zu größeren Störfällen kommt.

„Es war eigentlich immer relativ einfach vorherzusagen, was im Stromnetz passiert: Strom wird von der Produktionsstätte zum Verbraucher transportiert“, sagt Robert Graglia, Leiter der Abteilung Grid Support bei Creos. Das habe sich aber mit der Installation von Fotovoltaik-Zellen auf Dächern der Endverbraucher und Wärmepumpen beträchtlich verändert. „Die KI wird es uns ermöglichen, das Stromnetz noch besser und effizienter zu verwalten.

Mit der Anwendung soll im Stromnetz ein Monitoring bis ins kleinste Detail möglich werden

Mit der Anwendung soll im Stromnetz ein Monitoring bis ins kleinste Detail möglich werden Screenshot: Werbevideo Alva/DataThings

Yves Reckinger, Smart Grids Manager von Creos, erklärt die Vorteile im Detail. „Die Applikation ist eine simulierte Kopie des Stromnetzes in Luxemburg“, sagt Reckinger. „In dieser digitalen Kopie sind alle ‚Assets’, also Umspannwerke, Verbraucher und Kabel, allesamt enthalten.“ Das Modell wurde demnach mit historischen Daten, Wetterdaten und auch den Preisen des Stromes gefüttert – Informationen, die Auswirkungen auf das Stromnetz haben, die ein Mensch jedoch unmöglich verarbeiten kann. Mit den zukünftigen Herausforderungen sei es jedoch mit historischen Daten allein nicht mehr getan, weswegen bereits an einer „Real time“-Datenübertragung gearbeitet werde. 

DataThings

DataThings wurde 2017 von ehemaligen Forschern des Interdisziplinären Zentrums für Sicherheit, Zuverlässigkeit und Vertrauen (SnT) der Universität Luxemburg gegründet und hat sich auf die Entwicklung effizienter KI-gestützter digitaler Zwillinge spezialisiert. Das nun entwickelte Produkt Alva soll laut Grégory Nain lediglich zwei Konkurrenzprodukte auf dem Weltmakt haben. Um international Fuß zu fassen, hat man sich bereits mit dem slowenischen Unternehmen Iskraemeco zusammengeschlossen. Neben einem digitalen Zwilling des Stromnetzes will DataThings den Einsatzbereich künftig auf Wasser-, Gas-, Transport- und Logistiknetzwerke ausweiten.

Energieminister Claude Turmes unterstreicht die Wichtigkeit der nun vorgelegten Applikation. „Zusätzliche Fotovoltaikanlagen und immer mehr elektrische Fahrzeuge werden das Stromnetz in Zukunft weiter belasten“, sagt Turmes. Mit der jetzt vorliegenden Lösung könne genaustens analysiert werden, wo die Infrastruktur zukünftig ausreiche und an welcher Stelle man eventuell auf Speicherkapazitäten zurückgreifen müsse. „Das Stromnetz wird es ermöglichen, die Energiewende zu schaffen.“ Luxemburg sei Spitzenreiter, was die Installation von „smarten“ Messgeräten anbelange. Wie wichtig die Digitalisierung sei, zeige das Beispiel Deutschland. „Unter Merkel und Altmaier wurde wenig Wert auf die Digitalisierung gelegt – jetzt, wo die derzeitige Koalition die Digitalisierung schnell vorantreiben will, tauchen Probleme auf“, sagt Turmes. Damit dies gelinge, sei es wichtig, auch die Effizienz der dafür nötigen Datenzentren zu fördern – ein Bereich, in dem Luxemburg laut Turmes ebenfalls EU-Spitzenreiter ist.

Energieminister Turmes (Dritter von links) wohnte der Vorstellung von Alva bei

Energieminister Turmes (Dritter von links) wohnte der Vorstellung von Alva bei Foto: Editpress/Alain Rischard

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