Krätzmilben im Strafvollzug?

„Eran, eraus ... an elo?“ sieht strukturelle Probleme in Schrassig

Ist unter den Häftlingen in Schrassig die Krätze ausgebrochen? Die Gefängnisverwaltung wiegelt ab, während die Vereinigung „Eran, eraus an elo“ ein strukturelles Problem sieht.

Aktivisten protestieren gegen schlechte Hygienestandards in Gefängnis, Verwaltung weist Kritik zurück

Aktivisten befürchten schlechte Hygienestandards, Gefängnisverwaltung wiegelt ab Editpress / Alain Rischard

Vergangene Woche wurde der Tageblatt-Redaktion die Information zuteil, dass im Schrassiger Strafvollzug die Krätze ausgebrochen sein soll. Die hygienischen Bedingungen seien schlecht, wodurch sich die ansteckende Krankheit, die sich durch Krätzmilben via Hautkontakt überträgt und starken Juckreiz auslöst, innerhalb der Gefängnismauern verbreitet habe.

Die Gefängnisverwaltung erklärt auf Tageblatt-Nachfrage jedoch, dass dem „Service médical“ nur zwei mutmaßliche Fälle bekannt seien. „Solche Fälle treten regelmäßig auf und sind mit der richtigen Behandlung effektiv therapierbar“, schreibt die Gefängnisverwaltung auf Tageblatt-Nachfrage. Dem Personal werde in solchen Fällen genau erklärt, wie es sich verhalten müsse. Eine gefängnisinterne Abteilung kümmere sich um die Behandlung ansteckender Insassen. Die Zellen der betroffenen Insassen würden den Normen entsprechend behandelt. Die Bettwäsche im Gefängnis werde alle zwei Wochen ausgetauscht. Pro zwölf Insassen stünden eine Waschmaschine und ein Trockner zur freien Verfügung.

Strukturelles Problem

Für Gregory Fonseca von der Vereinigung „Eran, eraus … an elo?“ liegt jedoch ein strukturelles Problem vor. „Die Bedingungen in den Sanitäranlagen, darunter auch Schimmel, sind in Schrassig seit Jahren ein bekanntes Problem“, meint Fonseca gegenüber dem Tageblatt. Zudem könne stark kalkhaltiges Wasser bei einigen Häftlingen Juckreiz auslösen. Des Weiteren befürchtet Fonseca, dass ein Isolieren der Häftlinge einer Disziplinarstrafe gleichkommen könnte.

Fonseca sieht in der Häftlingssituation jedoch ein grundsätzliches Problem. „Es stellt sich die Frage, wie wir mit Menschen umgehen, deren Stimme in unserer Gesellschaft kein Gewicht hat“, sagt er und verweist auf die Situation in den Luxemburger Flüchtlingseinrichtungen. „Würde ist ein Menschenrecht – und dazu gehört auch, in würdigen Rahmenbedingungen leben zu können. Als Gesellschaft dürfen wir hier nicht selektiv urteilen.“

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