Bericht für 2024

19.940 Verkehrstote in der EU – „Vision Zero“-Ziel ist noch in weiter Ferne

Trotz eines erneuten Anstiegs bei Verkehrstoten bleibt Luxemburg unter dem EU-Durchschnitt. Die Europäische Kommission empfiehlt verstärkte Maßnahmen gegen Alkohol am Steuer, Geschwindigkeit und Ablenkung, um das Ziel „Vision Zero“ zu erreichen.

27 Verkehrstote pro Million Einwohner 2024 auf Luxemburgs Straßen bei Unfällen

18 Menschen haben 2024 ihr Leben bei Verkehrsunfällen auf Luxemburgs Straßen verloren Foto: Julian Stratenschulte/dpa

2024 verzeichnte Luxemburg mit 18 Verkehrstoten (27 pro eine Million Einwohner) den niedrigsten Stand seit Jahrzehnten. 2023 waren es noch 26 und 2022 sogar 36. Mit 27 Toten pro eine Million Einwohner liegt das Land deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 45. Das geht aus einer Mitteilung der Vertretung der Europäischen Kommission in Luxemburg vom Montag hervor.

Die Vertretung der Europäischen Kommission sieht deshalb in ihrem Schreiben auch Anlass zu Optimismus: „Luxemburg hat ermutigende Fortschritte erzielt und ist auf dem Weg, das Ziel für 2030 zu erreichen.“ Die EU will die Zahl der Verkehrstoten bis 2030 halbieren und bis 2050 nahezu auf null senken („Vision Zero“).

Zugleich mahnt die Kommission, Luxemburg müsse „größere Anstrengungen unternehmen“, um die Zahl der Schwerverletzten im Straßenverkehr zu senken. Sie merkt in ihrem Bericht zudem an, dass die ohnehin geringe Anzahl an Verkehrsunfällen zu statistischen Verzerrungen führen kann.

Offizielle Zahlen des Transportministeriums für das Jahr 2025, die in Zusammenarbeit mit Polizei und STATEC erstellt werden, sollen erst Mitte des Jahres veröffentlicht werden, wie das Ministerium auf Tageblatt-Nachfrage mitteilte.

Maßnahmen verstärken und neu bewerten

Die meisten Verkehrstoten in Luxemburg ereignen sich laut der Europäischen Kommission außerhalb von Ortschaften. Die meisten Schwerverletzten gibt es dagegen in urbanen Gebieten.

Der Bericht nennt auch eine wenig schmeichelhafte Zahl: Laut einer Erhebung von 2022 gaben 24,1 Prozent der Autofahrer an, innerhalb der vergangenen 30 Tage am Steuer gesessen zu haben, obwohl sie den zulässigen Promillegrenzwert überschritten hatten. Der EU-Schnitt liegt bei 11,8 Prozent.

Die Europäische Kommission empfiehlt daher zur Verbesserung der Lage in Luxemburg, die Maßnahmen des nationalen Verkehrssicherheitsplans neu zu bewerten und gezielt zu verstärken. Im Fokus stehen die Hauptrisikofaktoren: überhöhte Geschwindigkeit, Fahren unter Alkohol- oder Drogeneinfluss sowie Ablenkung am Steuer.

Mehr als nur ein Accessoire

EU-weit seien zwar Fortschritte zu erkennen, die Entwicklung reiche jedoch nicht aus, um die gesetzten Ziele zu erreichen. Insgesamt 19.940 Menschen hätten 2024 ihr Leben auf europäischen Straßen verloren. Zusätzlich würden rund 100.000 jedes Jahr verletzt werden. Seit 2019 sei die Zahl der Verkehrstoten um zwölf Prozent zurückgegangen. Für das 2030-Ziel wäre jedoch ein jährlicher Rückgang von 4,6 Prozent nötig. Zudem seien deutliche Unterschiede zwischen den jeweiligen Mitgliedstaaten erkennbar. Nur Belgien, Bulgarien, Dänemark, Litauen, Malta, Polen und Slowenien lägen derzeit auf Kurs.

Verkehrstote in der EU 2023, Statistik zu Straßenverkehrsunfällen und Sicherheitsmaßnahmen in Europa

Verkehrstote in der EU im Jahr 2023 Grafik: EU CARE database on road crashes

Etwa 25 Prozent aller tödlichen Verkehrsunfälle in der EU seien auf Trunkenheit am Steuer zurückzuführen. Schätzungsweise 30 Prozent gingen wiederum auf überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit zurück. Ablenkungen beim Fahren sollen bei 10 bis 30 Prozent der tödlichen Unfälle eine Rolle spielen.

Dass mehr als ein Viertel aller bei Verkehrsunfällen getöteten Fahrzeuginsassen keinen Sicherheitsgurt trugen, zeigt, dass der Sicherheitsgurt kein optionales Accessoire ist. In einigen Ländern läge die Einhaltungsquote bei Personen auf den Rücksitzen unter 50 Prozent – eine erhebliche Sicherheitslücke, bemängelt die Europäische Kommission.

Schätzungen zufolge summieren sich die Kosten von Verkehrsunfällen in der EU auf jährlich zwei Prozent des BIP, schreibt die Europäische Kommission.

Gefährdete Gruppen

Auch geographisch und demografisch würden sich klare Muster zeigen: So seien Landstraßen EU-weit nach wie vor die gefährlichste Straßenart. Zudem würden deutlich mehr Männer als Frauen im Straßenverkehr sterben. Besonders besorgniserregend ist laut Bericht der hohe Anteil junger und älterer Menschen unter den Verkehrstoten – vor allem bei Fußgängern und Radfahrern.

Fahrzeuginsassen machen rund 44 Prozent aller Verkehrstoten aus, gefolgt von Fußgängern, Motorradfahrern und Radfahrern. Das höchste Risiko, bei einem Unfall zu sterben, haben jedoch Motorradfahrer – gemessen an ihrer Zahl im Straßenverkehr.

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1 Kommentare
Phil 18.02.202608:41 Uhr

Als sicherstes Transportmittel, noch vor dem Fahrstuhl, gilt anerkannt die Rolltreppe. Bei deren Benutzung verunglücken und sterben prozentual die wenigsten Benutzer.

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