Als verpflichtende Integrationssprache

Einmal Luxemburgisch für alle: Petition sammelt mehr als 6.000 Unterschriften

Laut einem Petenten soll Luxemburgisch zur verpflichtenden Integrationssprache werden. Und damit steht er nicht allein: Seine Petition hat binnen knapp zwei Wochen die nötigen 5.500 Unterschriften sammeln können und wird in der Chamber gehört. Worum es geht.

Teilnehmer beim Luxemburgischkurs im Institut national des langues Luxembourg (INLL) lernen Sprache und Kultur.

Luxemburgischkurs am „Institut national des langues Luxembourg“ (INLL) Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

Neben der Wohnungsbaukrise und den Verkehrsproblemen gehört das Thema zu den größten Aufregern des Landes. Die ADR bedient sich regelmäßig dieses Zündstoffs. Gemeint ist die Luxemburger Sprache. Während einige seit Jahrzehnten das angebliche Verschwinden – oder eher die Verdrängung des Luxemburgischen durch das Französische – beklagen, verweist die Regierung auf eine steigende Zahl von Luxemburgischsprechenden und auf ausgebuchte Sprachkurse.

Dass die Debatte kein Verfallsdatum hat, zeigt die Petition Nr. 4004. Binnen 14 Tagen erreichte die Petition am Mittwochnachmittag die nötigen 5.500 Unterschriften, um in der Chamber gehört zu werden. Am Donnerstag waren es bereits 6.005 Unterschriften (Stand: Donnerstag, 10.40 Uhr). Der Titel lautet: „Stäerkung vum Lëtzebuergeschen als verpflichtend ze féierend Integratiounssprooch zu Lëtzebuerg“.

Der Petent kritisiert, dass die Kommunikation auf Luxemburgisch hierzulande oft „schwierig oder sogar unmöglich“ sei – obwohl es eine der offiziellen Nationalsprachen ist. Besonders in sensiblen Bereichen sei das problematisch: in Krankenhäusern und Gesundheitseinrichtungen, in Apotheken, in Alters- und Pflegeheimen, in Schulen und Betreuungseinrichtungen sowie in öffentlichen Verwaltungen. Auch Geschäfte und Dienstleistungen zählt er dazu.

„Viele Bürger, insbesondere ältere Menschen oder Kinder, haben nicht immer die Möglichkeit, auf andere Sprachen auszuweichen. Eine gemeinsame Sprache im Alltag erleichtert die Kommunikation, vermeidet Missverständnisse und stärkt den sozialen Zusammenhalt“, schreibt der Petent.

Er stellt vier Forderungen: Luxemburgisch soll verpflichtende Integrationssprache für Menschen werden, die dauerhaft im Land leben oder arbeiten. Das Angebot an Sprachkursen soll ausgebaut und besser zugänglich werden. Arbeitgeber sollen ermutigt oder verpflichtet werden, ihren Beschäftigten das Erlernen der Sprache zu ermöglichen. Zudem soll Luxemburgisch als Standard im Schulunterricht verankert werden.

Die Petition kann noch bis zum 9. Mai unterzeichnet werden.

Projekt Alpha

Die im kommenden Schuljahr mögliche Alphabetisierung auf Französisch in Luxemburgs Grundschulen heizte die Diskussionen um den Stellenwert der Luxemburger Sprache im Großherzogtum zusätzlich an. Bildungsminister Claude Meisch (DP) sieht darin einen wichtigen Schritt in Richtung Bildungsgerechtigkeit, da bisher vor allem Kinder aus franko- und lusophonen Haushalten durch das Bildungssystem benachteiligt wurden. Meisch nannte das Projekt eine grundlegende wie auch notwendige Anpassung an die Realität des Landes und der Klassenzimmer – in zwei von drei Familien wird weder Luxemburgisch noch Deutsch gesprochen.

Die Reform gilt jedoch in gleich mehreren Hinsichten als umstritten: darunter fehlende Langzeitstudien, die Befürchtung einer stärkeren Segmentierung nach Sprachgemeinschaften, der allmählichen Verdrängung der deutschen Sprache aus dem Schulsystem, eine Abwertung des Luxemburgischen usw.

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