Projekt Alpha
Alphabetisierung auf Französisch spaltet Luxemburgs Bildungslandschaft
Die Möglichkeit einer Alphabetisierung auf Französisch, Anfang Dezember mit großer Mehrheit im Parlament angenommen, soll das Bildungssystem gerechter gestalten, indem es an die sprachliche Realität des Landes angepasst wird. Doch wie so oft läuft die Politik der Gesellschaft hinterher.
Die Vielfalt und Mehrsprachigkeit ist ein luxemburgisches „Alleinstellungsmerkmal“ und ein Standortvorteil, aber auch eine ständige Herausforderung für das hiesige Schulsystem Illustration: Tageblatt/Kim Kieffer
Claudia ist schwer zu überzeugen. „Für uns ist der Zug abgefahren“, sagt die zweifache Mutter, als sie nach der Meinung zur sogenannten Alpha-Reform gefragt wird. Ihr Sohn Maurizio hatte sich bei der Einschulung mit Deutsch immer schwergetan. „Das hat ihn bis zum Lycée verfolgt“, sagt sie. „Mit seinen Fähigkeiten etwa in Mathematik wäre er sicher ins klassische Lyzeum gekommen. Aber im Nachhinein bin ich froh, dass er im Lycée général ohne Probleme durchkam.“ Was bei Clara nicht der Fall war: Die Tochter portugiesischer Eltern war in der Luxemburger Schule gescheitert und besuchte danach das Lycée in Arlon. Ihr Vater meint: „Die Mehrsprachigkeit ist eine große Stärke Luxemburgs. Doch wer nicht damit klarkommt, hat im schlimmsten Fall keinen Schulabschluss.“