Kein „West against the Rest“
Bettel empfängt Indiens Außenminister Jaishankar
Im vergangenen Oktober hatte Xavier Bettel die Bedeutung von Dialog und Austausch gerade mit russlandfreundlicheren Mächten betont, wenige Monate später ist sein indischer Kollege Dr. Subrahmanyam Jaishankar auf Arbeitsbesuch in Luxemburg.
Selfie-Diplomatie: Außenminister Xavier Bettel posiert mit seinem indischen Kollegen Dr. Subrahmanyam Jaishankar vor winterlicher Kulisse Foto: MAE Luxembourg
Bevor sich Premierminister Luc Frieden an diesem Dienstag nach Paris verabschiedete, um dort dem Treffen der „Koalition der Willigen“ beizuwohnen, stand ein Termin auf dem Plan, der zwar auf den ersten Blick nicht direkt im Kontext des Krieges in der Ukraine stand – im Hinblick auf die sich neu formierende geopolitische Weltordnung jedoch von Bedeutung war: Der Außenminister der Republik Indien, Dr. Subrahmanyam Jaishankar, stattete dem winterlichen Luxemburg einen Arbeitsbesuch ab.
Auf dem Programm standen neben einem Gespräch mit Premierminister Frieden auch eine Audienz beim Großherzog sowie eine Arbeitssitzung mit Amtskollege Xavier Bettel, bei der die guten bilateralen Beziehungen zwischen Luxemburg und Indien bekräftigt wurden. Bei seiner Rede zur Außenpolitik im vergangenen Oktober hatte Bettel angekündigt, dass man 2026, spätestens 2027, eine offizielle Staatsvisite in Indien plane. Auch die Beziehungen zwischen der EU und Indien waren Thema. Bettel hob erneut – wie auch im vergangenen Oktober – die Bedeutung von Partnerschaft und die Notwendigkeit eines ständigen Dialogs hervor: „Die Beziehungen zwischen der Europäischen Union und Indien sind vielfältig. Es ist wichtig, die Chancen dieser Partnerschaft zu nutzen.“
Freihandelsabkommen zwischen EU und Indien
Im vergangenen Jahr hatte der Außenminister proklamiert, als europäischer Akteur müsse Luxemburg den Dialog mit Indien suchen und man dürfe das Land „nicht direkt als Freund Russlands sehen“, so der Außenminister. „Wir dürfen uns nicht in das Narrativ hineindrängen lassen: The West against the Rest.“ Indien und China könnten eine wichtige Rolle bei der Lösung globaler Probleme spielen, vom Ukrainekrieg bis zur Klimakrise. An diesem Dienstag betonte Bettel in seiner Funktion als Minister für Außenhandel außerdem, dass Luxemburg einen raschen Abschluss eines Freihandelsabkommens zwischen der Europäischen Union und Indien befürworte und äußerte die Hoffnung, dass beide Seiten in den Verhandlungen vorankommen, um die Unterzeichnung dieses Abkommens zu erreichen.
Die Gespräche drehten sich auch um die Bereiche nachhaltige Finanzen, Digitalisierung und Raumfahrt, in denen beide Länder ein großes Potenzial für eine weitere Vertiefung ihrer Zusammenarbeit sehen. Besonderes Lob gab es an diesem Tag für die gute Integration der indischen Diaspora in Luxemburg, sowohl von Jaishankar als auch von Bettel. Mit derzeit 5.474 Einwohnern ist diese Diaspora die zehntgrößte ausländische Gemeinschaft im Land.