Internationale Beziehungen
Der Finanzplatz wird Teil der Luxemburger Diplomatie
Luxemburg stellt das Netz seiner diplomatischen Vertretungen in der Welt neu auf. Das haben Außenminister Xavier Bettel und Finanzminister Gilles Roth am Mittwoch in einer gemeinsamen Pressekonferenz erklärt. Neben der Eröffnung von sieben neuen Vertretungen und der Schließung von drei Botschaften werden an einigen Standorten künftig Experten des Finanzministeriums eingesetzt.
Die beiden Minister Xavier Bettel und Gilles Roth stellen Neuerungen beim Netzwerk der Luxemburger diplomatischen Vertretungen vor Foto: Editpress/Hervé Montaigu
Mittels Botschaften, Generalkonsulaten und professionellen Diplomaten ist der Luxemburger Staat traditionell im Ausland vertreten. Es sind dies 36 aktuelle bilaterale Botschaften, 13 ständige Vertretungen bei internationalen Organisationen und sechs Generalkonsulate.
Seit einigen Jahren hilft daneben auch ein Netzwerk von aktuell zehn „Trade and Investment Offices“ den Luxemburger Unternehmen beim Knüpfen von Kontakten. Dieses untersteht seit kurzem nicht mehr dem Wirtschafts-, sondern dem Außenministerium.
Doch „Luxemburg hat Nachholbedarf“, so Xavier Bettel am Mittwoch. Im Gegensatz zu Wettbewerbern habe Luxemburg nämlich keine spezialisierten Vertreter des Finanzplatzes in den diplomatischen Vertretungen. Das soll sich nun ändern.
Das Finanzministerium wird in den nächsten beiden Jahren eine Reihe Fachexperten in zehn ausgewählte Vertretungen delegieren. Es gelte, den für das Land so wichtigen Sektor besser zu vertreten, so der Minister. „Das Netzwerk muss an die Realität angepasst werden.“
Finanzminister Gilles Roth fügt hinzu, dass Wettbewerber Irland solche Experten in 19 seiner Vertretungen habe, und selbst Jersey verfüge über sieben Vertretungen. „Im Ausland sollen nicht nur die Interessen der Politik vertreten sein, sondern auch die von Wirtschaft und Finanzplatz. (…) Wir müssen unsere Präsenz verstärken. (…) Es ist eine Investition in die Zukunft.“
Diese Konstellation sei zudem nicht neu, so Roth weiter. „Bereits jetzt sind Mitarbeiter des Finanzministeriums zur Ständigen Vertretung bei der Europäischen Union in Brüssel abgeordnet.“
Sieben neue diplomatische Vertretungen
Zu den Vertretungen, in denen diese neuen Posten geschaffen werden, zählen einerseits etablierte Finanzzentren und andererseits Standorte mit Zukunftspotenzial, erklärt er. Das sind: London, Singapur, Mumbai, São Paulo, Honkong, Zürich und vier Standorte in den USA, darunter Austin, Texas.
Zum großen Teil überschneidet sich diese Liste mit der Liste der sieben Standorte, an denen das Außenministerium zwischen 2026 und 2028 neue Vertretungen errichten will. Dabei geht es um neue Botschaften in Kenia, Singapur und Südafrika, sowie um Generalkonsulate in São Paula, Austin, Mumbai und Hongkong.
Die Errichtung von Botschaften in Südkorea, Kanada, Benin, Ruanda und Costa Rica in den letzten beiden Jahren sei nur ein erster Schritt zur Stärkung des diplomatischen Netzwerks gewesen, so Bettel.
Dass der Standort USA, trotz der aktuellen geopolitischen Spannungen, weiter ausgebaut wird, erklären beide Minister damit, dass man die wirtschaftliche Realität nicht ignorieren könne. „Auch wollen wir eine starke transatlantische Beziehung“, so Roth. „Das Schlimmste wäre, den Dialog abzubrechen“, so Bettel. „Vor allem für kleine Länder wie Luxemburg ist der Respekt des internationalen Rechts mehr als wichtig.“ Man werde sich nicht verneigen und nichts sagen, aber auch die wirtschaftlichen Interessen nicht fallen lassen, unterstreicht er.
„Wir sind dort nicht mehr willkommen“
Zu den drei Botschaften in der Sahel-Zone, die geschlossen werden, und die in den Vorjahren großzügige Entwicklungshilfe bekommen haben, sagt der Außenminister: „Dort ist das Militär an der Macht. Wir sind dort nicht mehr willkommen. Das hat man uns deutlich gesagt.“ Luxemburg will nun versuchen, die Kontakte auf dem afrikanischen Kontinent über die anderen Botschaften zu organisieren, etwa über die künftige im Kenia.
Die Luxemburger Botschaft in Moskau wolle man nicht schließen, so Bettel auf Nachfrage. Auch wenn der Botschafter derzeit „nicht viel“ zu tun habe. Zumachen mache jedoch keinen Sinn, sonst müsse man sie später wieder eröffnen.
Weiter erklärt Xavier Bettel, dass Diplomaten künftig nicht mehr als zwei oder drei Mandate an einem Standort bleiben sollen. „Die Botschafter sollen nicht vergessen, dass sie aus Luxemburg kommen“, so seine Begründung. Es sei ungesund, wenn ein Vertreter 20 Jahre an einem Standort lebt, und nur manchmal einen Urlaub in Luxemburg macht.
Auch hofft der Außenminister darauf, dass die Zahl der Botschaften anderer Länder in Luxemburg zulegen wird. Nur knapp mehr als 20 Botschaften zählt das Land. Viele Länder organisieren Luxemburg über ihre Botschaft in Brüssel. Zuletzt hatten Südkorea und Rwanda eigene Vertretungen im Großherzogtum eröffnet. „Über eine aus Indien würde ich mich auch freuen“, so Bettel, der am Dienstag den Außenminister des Landes empfangen hatte. Er hofft, dass dies im Rahmen einer zukünftigen Staatsvisite im bevölkerungsreichsten Land der Erde erreicht werden kann. Hoffen tut er ebenfalls auf eine Botschaft Brasiliens in Luxemburg.
