Vom Piraten zum Marlboro Man

Tommy Klein nimmt Stelle als Tabaklobbyist an

Vor drei Jahren galt der frühere Ilres-Meinungsforscher Tommy Klein als Hoffnungsträger der Piraten. Inzwischen hat er nicht nur die Partei verlassen, sondern auch seine Stelle als politischer Berater von Marc Goergen aufgegeben. Seine Fähigkeiten stellt er seit dieser Woche in den Dienst der Tabakindustrie.

Tommy Klein bei Piraten-Wahlveranstaltung in Petingen vor drei Jahren, Rede auf politischem Event

Tommy Klein vor drei Jahren auf einer Wahlveranstaltung der Piraten in Petingen Foto: Editpress/Alain Rischard

Tommy Klein hat seine Stelle als politischer Berater des Piraten-Abgeordneten Marc Goergen aufgegeben und ist seit dieser Woche als „External Affairs Manager Luxembourg“ des in Lausanne angesiedelten Tabakkonzerns Philip Morris International (Marlboro, Chesterfield) tätig. Den Jobwechsel verkündete der 41-jährige Soziologe am Sonntag auf LinkedIn. Vor drei Jahren war Klein den Piraten beigetreten, nachdem er ihnen als Meinungsforscher bei Ilres Fraktionsstärke prognostiziert hatte. Im Oktober 2023 kandidierte der neue Hoffnungsträger im Zentrumsbezirk, wurde jedoch nur Siebter. Die von der Malt-Affäre, zahlreichen Austritten und dem Streit zwischen den Abgeordneten Sven Clement und Marc Goergen gebeutelte Piratenpartei habe er schon vor über einem Jahr wieder verlassen, sagte Klein am Dienstag dem Tageblatt. Seine neue Stelle sei mit parteipolitischem Engagement nicht vereinbar, eine politische Karriere komme für ihn einstweilen nicht mehr infrage.

„Insights“

Für Philip Morris soll Tommy Klein nun Lobbyismus und Imagepflege bei luxemburgischen Regierungsmitgliedern, Abgeordneten von Mehrheit und Opposition, Wirtschaftsverbänden und anderen Stakeholdern betreiben. Schon im Oktober 2024 hatte er sich neben seinem Job bei den Piraten mit dem Projekt „Insights by Klein“ selbstständig gemacht, um „frühere Kunden“ zu beraten, die ihn darum gebeten hätten, sagte Tommy Klein.

Mit dem rezenten Sonderbericht der „Cour des comptes“ über Mängel bei der Verwaltung öffentlicher Gelder bei den Piraten und der anschließenden Entscheidung der Abgeordnetenkammer, den Fall an die Staatsanwaltschaft weiterzuleiten, habe sein Jobwechsel nicht direkt etwas zu tun, beteuert Klein. Er habe eine neue berufliche Herausforderung angeboten bekommen, die er angenommen habe.

„Letzpact“

Seit seiner Zeit bei Ilres ist Tommy Klein Verwaltungsratsmitglied der Lobbyisten-Organisation „Letzpact“, deren Mitglieder zum größten Teil aus der Tabak- und Pharmaindustrie (Landewyck, Japan Tobacco International, British American Tobacco, Philip Morris, GlaxoSmithKline) und der „Public Affairs“-Branche (Apollo Strategists, Zen Innovation) kommen. Letzpact organisiert regelmäßig Diskussionsrunden über Datenschutz und Transparenzregister sowie Mittagessen mit Abgeordneten aus dem luxemburgischen und dem Europaparlament, Vertretern aus der Wirtschaft und von EU-Institutionen. Das nächste Mittagessen findet am 19. März statt. Gast ist dieses Mal Sven Clement.

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