Schwer zu beziffern

Russisches Gas soll erst Ende 2027 aus dem Luxemburger Energie-Mix verschwinden

Wann kommt endlich kein russisches Gas mehr nach Luxemburg? Eine Anfrage des Piraten-Abgeordneten Sven Clement zeigt, dass das Großherzogtum in der Hinsicht auf den guten Willen seiner Nachbarn angewiesen ist.

Gasleck an Tank sichtbar, Ursprung unklar, Sicherheit und Wartung bei Gasbehältern beachten

Wo das Gas im Tank genau herkommt, lässt sich schwer herausfinden Foto: AFP

Luxemburg wird auch weiterhin nicht exakt sagen können, wie viel russisches Gas bei den heimischen Verbrauchern ankommt. Wirtschafts- und Energieminister Lex Delles (DP) verweist in einer aktuellen Antwort auf eine parlamentarische Anfrage darauf, dass eine Rückverfolgung einzelner „Gas-Moleküle“ im europäischen Binnenmarkt nicht möglich ist. Stattdessen stützt sich das Ministerium auf nationale Statistiken der Transitländer Belgien und Frankreich – und auf ein geplantes EU-weites Importverbot.

Auslöser ist eine Anfrage des Piraten-Abgeordneten Sven Clement. Er fragt, wie Luxemburg das Ziel „kein russisches Gas bis 2027“ erreichen und überprüfen will, wenn Gas im Binnenmarkt anonymisiert gehandelt und über Drittstaaten neu etikettiert werden kann. Clement verweist dabei auf Statec-Daten, wonach Luxemburg 2023 große Teile seines LNG über Belgien und Frankreich bezog – und auf Eurostat-Zahlen, nach denen EU-weit im zweiten Quartal 2025 weiterhin relevante Anteile von LNG und Pipeline-Gas aus Russland stammten.

Falsch beschriftetes Gas

Delles liefert keine Luxemburg-spezifische Schätzung. Der Minister nennt aber als Indikator die russischen Anteile im belgischen und französischen Gas-Mix: In Belgien habe der Anteil 2023 bei 7,6 Prozent gelegen (2024: 8,7 Prozent), in Frankreich 2023 bei 13,1 Prozent (2024: 17,9 Prozent). Damit macht der Minister erstmals greifbar, dass russisches Gas über Nachbarländer statistisch weiter eine Rolle spielt – auch wenn es im Binnenmarkt nicht als „russisch“ ausgewiesen wird.

Das Tageblatt hatte bereits im Oktober darauf hingewiesen, dass sich im Luxemburger Gasmix immer noch russisches LNG-Gas befindet. Dabei bezogen wir uns auf die Angaben von Enovos, weil das Ministerium, die Regulierungsbehörde und auch Statec keine verlässlichen Zahlen präsentieren konnten. Der zweitgrößte Gaslieferant in Luxemburg, Sudgaz, ignorierte unsere Anfragen vollständig.

Politisch setzt die Regierung laut Delles derweil, wie so oft, auf Brüssel: EU-Rat und Parlament haben am 3. Dezember 2025 eine Einigung für ein EU-Reglement erzielt, das russische LNG- und Pipeline-Gasimporte ab Herbst 2027 vollständig untersagen soll. Spätestens ab diesem Zeitpunkt sei damit auch für Luxemburg garantiert, dass kein russisches Gas mehr im Energiemix landet – weil es dann gar nicht mehr in die EU eingeführt werden dürfe, auch nicht über Belgien oder Frankreich. Für Importe über Drittstaaten sieht der Minister zudem eine Autorisierungsprozedur vor, um die Herkunft zu kennen und russisches Gas gezielt auszuschließen.

Bei den Preisen erwartet das Ministerium nur begrenzte Effekte. Der globale LNG-Markt sei inzwischen stark diversifiziert, und in den kommenden Jahren sei eher mit Überproduktion zu rechnen. Insgesamt bewertet Delles das geplante Ende russischer Gasimporte sogar als stabilisierend, weil die frühere Abhängigkeit Europa anfälliger für Engpässe und Preisschwankungen gemacht habe.

4 Kommentare
Luxmann 08.01.202613:09 Uhr

Wartet noch ein paar jahre...dann beziehen wir US gas aus Groenland und Clement ist happy.
Und wahrscheinlich zum doppelten preis des russischen.

Manfred Reinertz Barriera 08.01.202607:01 Uhr

Luxemburg selbst kann nicht entscheiden was man dem Land liefern tut und unsere Industrie braucht eben Energie, alles geht eben nicht mit nur Solarstrom

Phil 07.01.202622:29 Uhr

Irgendwie haben die Brüsseler EU-Spitzen das Talent den Ast abzusägen auf dem sie sitzen... wie kleine Kinder... nur kann man denen verzeihen, weil ihnen die nötige Übersicht fehlt. Aber wenn es kracht zählen neben den normalen Einwohner auch die Kiddies zu den Leidtragenden.

Guy Mathey 07.01.202617:19 Uhr

Spätestens jetzt, nach dem eklatanten Völkerrechtsbruch durch den faschistischen US-Autokraten Donald Trump gilt es diese Thematik unter Betrachtung der Realitäten neu zu bewerten, oder?

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