Der Politflüsterer
Xavier, Yuriko und das Geheimnis der sechs Patronen
Beschäftigungstherapie am Markustunnel. Piusbrüder. Bettels Taktik. Orientierungssichere Jungsozialisten. Des Politflüsterers Wochenrückblick.
Einfach die kompetentesten Frauen der anderen Parteien einsammeln. Xavier, du Schlingel! Foto: Editpress/Hervé Montaigu
Es staunt der Politflüsterer über die Beharrlichkeit, mit der die deutsche Polizei und ihre luxemburgischen Aufpasser die Einfahrt zum Markustunnel bewachen. Immer noch sitzen sie da in ihren Autos und beobachten den Verkehr. Die Autobahn wurde praktischerweise auf eine Spur verengt und das Tempolimit auf 70 km/h reduziert, offiziell wegen Mängeln an Tunnel und Brücke. Welch glückliche Fügung. Nicht auszudenken, wenn Schleuser auf dieser strategisch wichtigen Route schneller unterwegs sein könnten. Am Ende würden sie der Aufmerksamkeit der Beamten noch entgehen. Aber Sicherheit geht vor, manchmal sogar vor dem Verkehrsfluss.
Es sind nicht unbedingt die Piusbrüder, die Höckes, Keups, Vannaccis und andere engstirnige rechte Möchtegerndiktatoren, die einem die größten Sorgen bereiten sollten. Es ist eher Volkes Beifall, der sie trägt. Mal lauter, mal leiser, aber oft erschreckend selbstverständlich. Jedenfalls gibt es auch in Luxemburg angeblich solche Glaubensfanatiker. Ganze Familien. Wer weiß, wozu Menschen fähig sind, wenn es darum geht, ihren Irrglauben zu verteidigen?
Für den Gesangswettbewerb nächstes Jahr in Bulgarien wird wieder mal ein Opfer aus Luxemburg gesucht. Warum nicht Yuriko, dachte der Politflüsterer. Schließlich hat sie in ihren Ministerien die dänische Tradition des gemeinsamen Singens eingeführt. Dreisprachig.
Nicht mehr mitsingen möchte indes Joëlle Welfring, zumindest nicht mehr in der Chamber. Sie geht nicht, um einer jüngeren Grünen die Chance zu geben, sondern wird vom DP-Außenministerium kurzerhand zur Europäischen Investitionsbank weitergereicht. Eigentlich wie Paulette Lenert, die als Riad-Expo-Kommissarin ebenfalls in Bettels Ministerium sitzt. Xavier, Xavier, da steckt doch System dahinter. Einfach die kompetentesten Frauen der anderen Parteien einsammeln. Du Schlingel!?
Und was tut man mit einer Pistole, die einem der türkische Präsident als Gastgeschenk überreicht? Die Staats- und Regierungschefs beim NATO-Gipfel wirkten jedenfalls leicht ratlos. Sollten sie damit aufeinander schießen? Besonders rätselhaft: sechs Patronen. Erdogan wird sich schon etwas dabei gedacht haben. Hoffentlich nichts Schlimmes, denkt der Politflüsterer.
Wissen, was sie wollen, tun Claire Delcourt und Ben Streff. Zumindest wissen sie, wo sie hinwollen. Ganz allein haben sie Anfang der Woche den Weg aus der Chamber mitten in abgelegene Weinberge an der Mosel gefunden. Da sage noch einer, die Jungsozialisten seien orientierungslos. (Marco Goetz)